Eine Bibliothek für jüdische Geschichte
Wittlich · Fast 11 000 Medien stehen in der Bibliothek des Emil-Frank-Instituts. Untergebracht sind sie gleich neben der Stadtbücherei Wittlich - obwohl das Institut zur Universität Trier gehört. Dort können die Bücher auch ausgeliehen werden.
Wittlich. Es sind zum Teil außergewöhnliche Titel, die auf den Buchrücken in den Regalen des Emil-Frank-Instituts stehen: Ein jüdisches Gebetsbuch steht da, ein Bericht über die Polenreise des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ein Buch über den Islam in der deutschen Gesellschaft.
Fast 11 000 Medien können insgesamt in der Bibliothek ausgeliehen werden: CDs, DVDs und vor allem Bücher über das Judentum, aber auch christliche und islamische Literatur. Genau 402 Besucher hatte die Bibliothek im vergangenen Jahr zu verzeichnen.
Die geringe Nachfrage erklärt Dr. Reinhold Bohlen, der Direktor des Emil-Frank-Instituts, mit dem wissenschaftlichen Anspruch der meisten Bücher: "Das ist eine wissenschaftliche Spezialbibliothek. Interesse gibt es vor allem bei Heimatforschern, Lehrpersonen, Schülern und Studenten." Letztere müssen meist aus Trier nach Wittlich kommen, wenn sie Fachliteratur aus dem Institut ausleihen wollen. "Das ist nicht ganz einfach für Studenten aus Trier", sagt Bohlen. Trotzdem gebe es keine Pläne, die Bibliothek nach Trier zu verlegen - obwohl sie eng mit der Universität kooperiert (siehe Extra).
"Das Institut ist ein Gewinn für Wittlich", sagt Bohlen, "deshalb bezuschusst die Stadt es auch." Rund 25 Prozent des Geldes kommen von der Stadt Wittlich, weitere 25 Prozent werden durch Spenden abgedeckt. Den größten Teil der Finanzierung übernimmt die Theologische Fakultät der Uni.
Etwa 8 000 bis 10 000 Euro fließen pro Jahr in Neuerwerbungen. Allein im vergangenen Jahr schaffte die Bibliothek 625 neue Medien an. Und so langsam wird der Platz knapp: "Das ist das Schicksal jeder wissenschaftlichen Bibliothek", erklärt Reinhold Bohlen: "Unser Bestand wächst."
Seit einigen Jahren sind deshalb auch im Dachstuhl des Emil-Frank-Instituts Regale mit Büchern zu finden. Wenn der Bestand weiter so wächst wie bisher, schätzt Reinhold Bohlen, reicht die Kapazität des Instituts noch für 15 Jahre. gub
Das Emil-Frank-Institut ist Teil der Theologischen Fakultät der Universität Trier. Gegründet wurde es im November 1997, seit 2000 ist es in der Schlossstraße direkt neben der Stadtbücherei untergebracht. Benannt wurde das Institut nach dem Wittlicher Juden Emil Frank, der während des Holocausts in die USA flüchtete, wo er 1954 starb. Laut Homepage dient das Emil-Frank-Institut der "Begegnung von Juden und Nichtjuden". Das geschieht teilweise durch die Medien in der Bibliothek, aber auch durch Vorträge, Exkursionen und Ausstellungen, die das Institut organisiert. gub