Eine eigenwillige Wittlicherin

Sie war eine resolute Frau und eine Oma, die ihren Enkel eindrucksvoll verteidigte. Das zeigt die Geschichte über Maaßen Dort, die Karl-Heinz Kaspari in der heutigen Stadtgeschichte erzählt: einmal im Wittlicher Dialekt, einmal in der Übersetzung.

Wittlich. Maaßen Dort war eine sehr resulute, aber gute, ältere Wittlicherin mit einer sehr direkten Art. Wenn sie etwas wollte, hielt sie nicht lange hinterm Berg. Aber wehe demjenigen, der sich ihrem Anliegen zu entziehen versuchte oder ihr Unrecht tat, der hatte den Ärger pur." Das weiß Karl-Heinz Kaspari und erzählt ein Beispiel, das er selbst miterlebt hat: "Maaßen Dorts Enkel Hanni ging mät mir än der Markusschule än die gleich Klass vom Jahrgang 1937. Als Klasselährer hatte mia dä fia sein Strääng bekannte Lährer Backes. Ään Joahr via da Kummiun guf et nadierlich bal jeden Daach Reliunsunterricht. Als Offgab fia Dahäm sollte mia die acht Seligkäten auswänich lähan. Un wie der Deiwel et well, sollt dä Hanni beweisen, dat en se och gelährt haot. Doch aus dem Hanni kom kän änzig richdich Woart raus, so siehr en seich och geplaocht haot. Dao reft dä Lährer ihn via hien, daomät en seich vär Schläch mät dem Bambusknepbel iwa de Finga aobhollen kunnt, daobei hätten zwai Schläch och gelaangt.
Wie dan korz danaoh die Paus koom, äs dä Hanni bei sein Oma Dort häm gelaof un haot ihr vazehlt, wat än da Schul dä Lährer Backes mät ihm gemaach haot. Dao haot dat Dort die Raos aon seich krett un koom naoh da Paus mät däm Hanni än de Schul. Ohne aonzeklaopen un goden Dach ze saohn kimmt se än et Klassenzimmer un schrait dä Lährer aohn: "Wat haos dau mät meinem Hannichie gemaach, wufia haot dä Jung fia su en Scheiß su viel Strääch krett?"
Stadt geschichte(n)



Dä Lährer woar ganz vadudert un säädt: "Das müssen Sie verstehen, Frau Maas, mir sind die Nerven durchgegangen!" Die Dort erwiedert daaodrop: "Su, un mia giehn se weilen och duarch", wudrop sei seich gebeckt haot, ihre Schlappen ausgezogen haot, un mät voller Wucht däm iweraschte Lährer rechts un links ob de Baakgen geschlaohn haot. "Su, dan wäß de fia en ana Tur wat dir bleht, wenn de dat naoch emaol michs!" Dann gieng se rohig un stolz aus der Klass wieder hääm. Mia Schüler hätten os net maol getraut, schaodenfruh zo sein.

Übersetzung: Maasen Dort`s Enkel Hanni ging mit mir in der Markusschule in die gleiche Klasse vom Jahrgang 1937. Als Klassenlehrer hatten wir den für seine Strenge bekannte Lehrer Backes. Ein Jahr vor der Kommunion gab es natürlich fast jeden Tag Religionsunterricht. Als Aufgabe für zu Hause sollten wir die acht Seeligkeiten auswendig lernen. Und wie der Teufel es wollte, sollte Hanni beweisen, dass er sie gelernt hatte. Doch vom Hanni kam kein einziges richtiges Wort, so sehr er sich auch bemühte. Da ruft ihn der Lehrer nach vorne, damit er sich vier Schläge mit dem Bambusstock über die Finger abholen konnte, dabei hätten zwei Schläge auch gereicht.
Als dann kurz danach die Pause begann, lief Hanni zu seiner Oma Dort und erzählte ihr, was der Lehrer in der Schule mit ihm gemacht hat. Da bekam die Oma Dort die Raserei und ging mit Hanni zur Schule. Ohne anzuklopfen ging sie ins Klassenzimmer und schrie den Lehrer an: "Was hast Du mit meinem Hannichen gemacht, wofür hat der Junge für so einen Scheiß so viel Prügel bekommen?"
Der Lehrer war ganz verdaddert und sagt: " Das müssen Sie verstehen, Frau Maas, mir sind die Nerven durchgegangen!" Die Dort erwiederte darauf: "So, und mir gehen sie jetzt auch durch", worauf sie sich bückte, einen Pantoffel auszog und mit voller Wucht dem überraschten Lehrer rechts und links auf die Wangen schlug. "So, dann weißt Du für ein anderes Mal was Dir blüht, wenn Du das noch einmal machst!" Dann verließ sie ruhig und stolz die Klasse. Wir Schüler haben uns nicht einmal getraut, uns der Schadenfreude hinzugeben. red

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