Eine Enkircher Straße und ihre drei Namen

Eine Enkircher Straße und ihre drei Namen

Heute heißt sie Weingasse. Früher trug die Straße in Enkirch den Namen "Gäh Gass", bevor sie zwischenzeitlich zur Bergstraße umbenannt wurde. Ortshistoriker Dieter Georg weiß, warum. Zudem berichtet er über bekannte Häuser, die in dieser Straße stehen.

Enkirch. Wie die meisten Straßennamen in dem Moselort Enkirch stammt auch die Bezeichnung "Gäh Gass" aus der örtlichen Mundart: Ursprünglich bedeutet "gää" so viel wie "steil". Im 18. Jahrhundert wurde dieser Straßenzug zur Gägsgass. "Gägs" wiederum bedeutet "laut sein, schreien". Erstmals urkundlich erwähnt wurde diese Straße in der Liste der Häuser von 1725. Dann wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg zur Bergstraße, und im Rahmen der kompletten Umbenennungen um 1970 verlieh ihr der Gemeinderat den Namen "Weingasse". Dort war nämlich die örtliche Winzergenossenschaft ansässig.
Dorf- geschichte(n)


In der Weingasse befindet sich auch eines der bekanntesten Häuser des Ortes, von dem es im Internet noch zahlreiche historische Ansichtskarten zu ersteigern gibt: das Krieger\'sche Haus - ein Musterbeispiel hoher Fachwerkskunst. Der Uhrmachermeister Matthias Faller ließ dieses Wohnhaus mit Erdgeschoss und erstem Obergeschoss sowie einem riesigen Speicher darüber im Jahr 1675 erbauen. Da dieses große und imposante Gebäude viele Neider hervorrief, ließ der Bauherr hier den Schriftzug "Wer da baut an der Straßen, muss die Leute reden lassen" einschnitzen. Noch heute wohnt hier eine Verwandte der Familie Krieger, die das Haus später erwarb.
Ebenfalls in der Weingasse befindet sich ein weiteres Fachwerkhaus mit Erker: Früher trug es die Hausnummer 183, heute hat es die Nummer 20. Hier ist das Heimatstubenmuseum untergebracht, und im Keller befindet sich die Ratsweinschänke. Mehr als 200 verschiedene Sorten Wein von den heimischen Winzern können hier probiert werden. Im Museum gibt es in elf Räumen historische Einblicke in die Welt der Winzer, ihren Arbeitsalltag und ihr Zuhause. Aber auch zahlreiche Funde aus der Früh-, Kelten- und Römerzeit sind hier zu sehen, ebenso eine Schöffenstube mit Original-Richtergestühl aus dem 15. Jahrhundert.
So bleibt die Geschichte des Weindorfs Anchiriacum - Ankaracha - Enkircha lebendig.
Extra

Bis Ende 1970 waren in Enkirch noch viele alte Straßennamen vorhanden, und bei der Nummerierung gab es viel Durcheinander. Die Hausnummern begannen in der Langen Grabenstraße (heute Am Wallgraben) mit Nummer 1 und zogen sich kreuz und quer durch den Ort. So war etwa im Laienweg die Nummer 390 und ein Haus weiter unten die Nummer 511. Das sollte geändert werden und jede Straße ihre eigenen Hausnummern bekommen. Deshalb kam der Enkircher Gemeinderat am 11. August 1970 zusammen, und alle Anwesenden konnten Vorschläge unterbreiten. Im Rahmen der zweiten Kommunalreform, in der zum 8. November 1970 die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach gegründet wurde, wurde diese Vereinfachung umgesetzt. Einige Straßen erhielten neue Namen, die vor allem die bekannten Weinlagen widerspiegeln sollten: aus der Unterstraße wurde "Zum Herrenberg", das Neue Tal wurde zu "Am Steffensberg", und der Kenterpfad hieß jetzt "Am Edelberg". Neu waren die Berliner Straße und später auch die Straßen im Neubaugebiet wie "Zum Zeppwingert" oder "Reuschelweg". jo

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