Eine Frage der Würde

WITTLICH. (sos) Mit 16 zu 15 stimmte der Rat für eine neue Benutzungsordnung für das Alte Rathaus. Sie soll dasselbe auch für Veranstaltungen öffnen, in die das Kulturamt nicht involviert ist. Der Kulturausschuss soll vorher mitbestimmen, ob das jeweilige "Event" erwünscht ist.

Das Alte Rathaus mit dem Georg-Meistermann-Museum plus wechselnden Ausstellungen soll in Zukunft auch für Veranstaltungen in privater Trägerschaft genutzt werden können. Das betrifft nicht nur den kleinen und großen Sitzungssaal im Obergeschoss, sondern in Ausnahmefällen auch die Ausstellungsräume in beiden Etagen und das Foyer, wenn - so die neue Regelung - "dadurch der Betrieb des Georg-Meistermann-Museums oder dort laufender Ausstellungen nicht beeinträchtigt oder gefährdet werden". Bevor eine Veranstaltung genehmigt wird, hat außerdem immer der Kulturausschuss zu entscheiden, ob "Inhalt, Darstellung, Niveau" der "Wahrung der Würde" entsprechen. Hintergrund, so die Beschlussvorlage sei ein Antrag, - es handelt sich angeblich um eine Art Messe rund um das Thema Hochzeit -, und die im vergangenen Jahr in Kooperation mit dem Kulturamt veranstaltete Modenschau plus die Kameraschau inklusive Fotowettbewerb, die auch den Cima-Forderungen entspreche. Dazu steht in der Erläuterung: "Die Tatsache, dass über Veranstaltungen im Alten Rathaus, wenn auch am Wochenende, zu einer Belebung der Innenstadt beigetragen wurde, fand bei Bürgern der Stadt, die sonst eher zur Kritik an der kulturellen Nutzung des Alten Rathauses neigen, viel Beachtung." Für die CDU hatte Winfried Schabio klar gemacht, dass seine Fraktion den Beschluss ablehne: "Wir sind der Auffassung, dass die Würde der Räumlichkeiten des hohen Hauses keine privaten Veranstaltungen zulässt." Kontrovers: Hohes Haus und kommerzielle Nutzung

Dem schlossen sich die Grünen an, da es, so Michael Wagner "im Prinzip nicht mehr um die Frage geht, ob im Alten Rathaus die ein oder andere Veranstaltung stattfindet oder nicht, sondern mittelfristig darum, ob wir den Bereich einer weiteren kommerziellen Nutzung zuführen wollen". Klaus Petri, FWG, betonte, ihn störe generell der Satz, "das Alte Rathaus wird als Museum genutzt". Davon könnten keinerlei ökonomische Impulse ausgehen. Dieter Burgard, SPD, erklärte, es solle doch möglich sein, "hier die ein oder andere Attraktion stattfinden zu lassen. Kaufleute sind auch Bürger". Daraufhin meinte Karsten Mathar, FDP, dass man kein Problem sehe, zumal ja selbst der Museumsleiter nicht anwesend sei, um darüber im Rat zu sprechen. Leo Kappes, Fachbereichsleiter, erklärte, er hätte am Donnerstag zwei Mal versucht, den Kulturamtsleiter zu erreichen, der eine andere Meinung als der Beschlussvorschlag vertrete. Daraufhin sagte Michael Wagner, es sei unfair, so zu tun, als erscheine der eigentlich Zuständige nicht: "Ich habe Herrn Calleen angerufen und mir wurde beschieden, dass er keine Einladung bekommen hat." Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung, erklärt auf TV-Nachfrage: "Eingeladen wird immer der Fachbereichsleiter, in diesem Fall Herr Kappes. Der entscheidet, ob noch jemand mitkommt. Es ist aber jedem freigestellt, ob er an der Sitzung teilnimmt. Dazu bedarf es keiner Einladung. Die Tagesordnung war bekannt."

Mehr von Volksfreund