Eine Frau kämpft öffentlich um eine Therapie: Fall der krebskranken Korinna Bergs macht im Internet Furore

Eine Frau kämpft öffentlich um eine Therapie: Fall der krebskranken Korinna Bergs macht im Internet Furore

Die an Krebs erkrankte Korinna Bergs aus Bernkastel-Kues setzt alle Hoffnung auf eine Therapie. Diese würden ihre Ärzte auch befürworten, sagt die 49-Jährige. Doch ihre Krankenkasse wolle die Kosten dafür nicht übernehmen. Der Fall sorgt im sozialen Netzwerk Facebook für Aufsehen - und hat binnen weniger Tage mehr als 680 000 Menschen erreicht.

Sie hat Angst. Korinna Bergs aus Bernkastel-Kues hat Krebs. Die 49-Jährige kämpft um ihr Leben. Ihr Fall sorgt inzwischen im Internet für Aufsehen. "Es gibt eine Therapie, von der meine Ärzte annehmen, dass sie mir helfen könnte, aber die wird von der Krankenkasse nicht bezahlt", sagt Bergs, die bei der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland versichert ist. Im Oktober 2015 sei bei ihr Brustkrebs festgestellt worden, im November wurde sie operiert.

Doch die im Anschluss übliche Chemotherapie komme bei ihr wegen einer "Vorerkrankung des Knochenmarks nicht in Frage", erklärt sie.
Möglich wäre aber nach Ansicht ihrer Ärzte eine sogenannte Antikörpertherapie, die normalerweise zusätzlich zur Chemotherapie praktiziert wird. Bei dieser Antikörpertherapie bekommen Patienten spezielle Stoffe gespritzt, die sich nach Schlüssel-Schloss-Prinzip an die Tumorzellen andocken - und diese vernichten.

Korinna Bergs wäre froh, sie könnte diese Therapie machen. Sie hofft, geheilt zu werden. "Doch in einer Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) wurde mir im Januar mitgeteilt, dass die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme als nicht erfüllt anzusehen sind", sagt Bergs. Was sie nicht versteht: "Wäre eine Chemo bei mir möglich gewesen, dann hätte ich diese Antikörpertherapie quasi automatisch bekommen."

Doch genau darin besteht wohl aus Sicht des MDK der Knackpunkt: Ohne Chemo sei die Wirkung der Antikörpertherapie nicht belegt, heiße es in einem Gutachten, das Bergs zugesandt wurde.
Die Bernkastel-Kueserin legt gegen diesen Bescheid Widerspruch ein. "Auch mein Hausarzt und das Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich haben sich in Bescheinigungen für eine Antikörperbehandlung ausgesprochen", sagt sie. Doch auch bei der Zweitbegutachtung wird keine Notwendigkeit der Kostenübernahme festgestellt. Abermals ein Tiefschlag für die Frau, die bereits wegen der lebensbedrohlichen Krankheit emotional stark belastet ist.Buchautorin veröffentlicht Video



Michaela Peters aus Hinzerath, Schwester der Erkrankten, will das so nicht hinnehmen. "Du musst was machen, das kann nicht sein", sagt sie und startet eine Kampagne für ihre Schwester - und bekommt prompt Hilfe.
Michaela Peters informiert die Buchautorin Nicole Staudinger, die selbst an Brustkrebs erkrankt war und deren Buch "Brüste umständehalber abzugeben" in der Bestsellerliste des Magazins Spiegel aufgeführt war, über den Fall ihrer Schwester. Staudinger reagiert schnell und veröffentlicht ein Video auf ihrer Facebook-Seite, in dem sie den Fall von Korinna Bergs schildert. Dabei fallen auch kritische Worte gegen die AOK.
Das Video, am Montag vergangener Woche veröffentlicht, wird ein Renner im Internet. Innerhalb von einer Woche erreicht das Video mehr als 680 000 Menschen und wird mehr als 17 000 Mal "geteilt" und mehr als 900 Mal kommentiert.

Besteht vielleicht doch noch Hoffnung? Auf eine Presseanfrage des TV gibt sich die AOK zugeknöpft. Pressesprecherin Kathrin Jung erklärt, das man "aus datenschutzrechtlichen Gründen weder auf die Erkrankung, die Therapie noch auf die betroffene Person eingehen könne". Es folgt noch ganz allgemein, dass die AOK die Therapien ihrer Versicherten zahle, "wenn aus Sicht der Ärzte die medizinische Notwendigkeit für die Versorgung der Versicherten mit der genannten Therapie bestehe und die medizinische Bewertung des Nutzen-Risiko-Profils positiv ausfalle."

Wie geht es weiter? Korinna Bergs hofft, dass der öffentliche Druck bei der Krankenkasse ein Umdenken bewirkt: "Möglicherweise wird in dieser Woche eine Entscheidung fallen, ob ich doch noch die Antikörpertherapie bekomme." Ihr Argument: "Am Geld sollte es doch in meinem Fall nicht scheitern. Denn die sparen ja bei mir schon die Kosten für die Chemo." Bergs würde sich freuen, wenn es klappt: "Je früher mit der Antikörpertherapie begonnen wird, desto größer ist der Behandlungserfolg."

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