Eine Idee, viele Hindernisse

Grundschüler und ältere Menschen in einem Generationenhaus zusammenbringen - das ist die Idee der Ortsgemeinde Altrich. Sie hofft auf finanzielle Unterstützung der Verbandsgemeinde. Doch der Rat hat die Entscheidung über das Projekt zunächst zurückgestellt. Die Gründe: Ungewissheit über den tatsächlichen Bedarf, die Einstellung der Schulleitung und mögliche Folgekosten.

Altrich. Ein Ort, wo Grundschüler und Senioren gemeinsam zu Mittag essen: Zu einem solchen könnte das Feuerwehrhaus in Altrich werden. Zumindest, wenn es nach den Plänen der Gemeinde geht. Die hatte die Idee für ein Generationenhaus und dafür ein Konzept erarbeitet. Das Feuerwehrhaus steht größtenteils leer. Nur ein Teil wird als Aussegnungshalle genutzt. Wird das Projekt umgesetzt, wäre es künftig nicht nur ein Treffpunkt für Jung und Alt, sondern es wäre damit auch für die Ganztagsbetreuung der Kinder gesorgt - eine betreute Ganztagsschule gibt es im Ort bisher nicht.
"Die Idee ist gut", sagt Christoph Holkenbrink, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land, bei der Ratssitzung. Bei der VG hat die Gemeinde um finanzielle Unterstützung gebeten. Denn bevor die das Projekt vorantreibt, will Ortsbürgermeisterin Heike Knop wissen, ob die VG mit einsteigt. Immerhin gehe es um Planungssicherheit.
Im Haupt- und Finanzausschuss war das Generationenhaus bereits Thema. Und der empfiehlt, dass die VG sich mit 10 000 Euro am Projekt beteiligt. Doch im Rat gibt es Bedenken. Die Idee steckt noch in den Kinderschuhen. Angelika Brost (SPD), die das Generationenhaus für eine "gute Sache" hält, wirft ein, dass es sich ja nur um einen "Vorratsbeschluss" handele, der erst abgerufen werde, wenn dann auch Betreuungsbedarf besteht. Die Mittel müsste die VG als außerplanmäßige Ausgaben oder in einem Nachtragshaushalt bereitstellen. Das aber sei der entscheidende Punkt, sagt Holkenbrink: "Es gibt zurzeit noch keine ausreichende Nachfrage für eine Ganztagsbetreuung." Bürgermeisterin Knop erklärt, es gebe durchaus bereits Absichtserklärungen für die Jahre 2015 und 2016. "Ich sehe die Notwendigkeit dafür aber erst, wenn das konkreter wird", meint Franz-Josef Jung (CDU).
Viele Schritte habe man noch nicht gemacht, erklärt Knop, weil man sich eben noch im Unklaren darüber sei, ob man die Unterstützung der VG habe. Doch sei die Schule von der Idee nicht begeistert, sagt Holkenbrink.
Rektorin Doris Hayer will sich auf TV-Anfrage dazu nicht äußern und verweist zurück auf die VG als Trägerin. Der Elternbeirat aber unterstütze die Sache, sagt Knop. Für die Beteiligung am Generationenhaus spreche, erklärt Holkenbrink, dass die VG damit Investitionen in die Schule einsparen könnte. Dort wird derzeit kein Mittagessen für die Schüler angeboten. Auf der anderen Seite befürchtet Holkenbrink: "Andere Schulen könnten das als Einladung verstehen" und ebenfalls einen Ausgleich fordern. "Wir haben zehn Grundschulen in Trägerschaft. Wir können nicht den einen so, den anderen so behandeln. Das wäre nicht gerecht."
Hinzu kommt: Der Betrag von 10 000 Euro liegt offenbar deutlich unter dem, was die Ortsgemeinde sich erhofft hatte. Für den Umbau des Gebäudes waren immerhin rund 450 000 Euro im Gespräch (der TV berichtete).
"Das Projekt ist eng mit einer soliden Finanzierung verbunden", erklärt Ulrich Müller (FWG). "Wir verschenken das Geld nicht." So sieht das auch Manfred Hower (FWG): "Das Projekt ist absolut unterstützenswert. Aber wir müssen da auch für Gleichberechtigung sorgen." Auf Antrag der FWG beschließt der Rat einstimmig, das Thema in den Haupt- und Finanzausschuss zurückzuverweisen. Dort soll die Gemeinde Altrich ihr Vorhaben nochmal vorstellen.Meinung

Idee mit viel Potenzial
In Altrich bewegt sich zurzeit viel: Die Gemeinde lässt gerade ein Nahwärmenetz errichten, das dann gleich mehrere Gebäude im Dorfkern versorgt. Ein Projekt, das sich in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht rechnen soll. Jetzt will die Gemeinde auch junge und alte Menschen an einen Tisch bringen und damit gleichzeitig einen Leerstand beseitigen. All das verbessert die Infrastruktur des Ortes und macht ihn zukunftsfähig. Dass der Rat eine so wichtige Entscheidung nicht übers Knie brechen will, ist verständlich - auch vor dem Hintergrund, dass er gemeinsam mit Manderscheid ab 1. Juli ein noch größeres Gebiet zu verwalten hat. Jetzt sollte man sich überlegen, wie man solche Projekte künftig unterstützen kann, und dann Altrich schnell unter die Arme greifen. Denn dort engagieren sich bereits Menschen für die Idee. mosel@volksfreund.de

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