Eine Kiesgrube voller Schwalben

Seit 50 Jahren baut die Firma Rech bei Landscheid und Großlittgen umweltschonend Kies und Sand ab. Sie lässt dabei der Natur ihren Raum. Der Naturschutzbund Deutschland sieht darin ein leuchtendes Beispiel.

Landscheid/Oberkail. Schwer beladene Lastwagen rollen über das Gelände, Radlader sind unterwegs, um das von den Lastern abgeladene Gestein auf eine Anlage zu bringen, die Kies und Sand trennt. Nur einen Steinwurf weiter - auf dem gleichen Gelände - präsentiert sich ein Idyll: eine Wasserfläche und ein von Schilf bedecktes Feuchtbiotop. Zwergtaucher, Flussregenpfeifer und Blesshühner leben hier unter anderem, Fischreiher brüten und in einem etwas unzugänglichen Bereich sind auch immer wieder Uferschwalben anzutreffen, die in den hohen Wänden brüten können. In der Kiesgrube der Firma Rech bei Landscheid kommen Arbeits- und Tierwelt zu ihrem Recht. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) weiß um das Engagement, das Familie Rech an den Tag legt. Heute, Samstag, werden Nabu-Vertreter aus Wittlich und der Südeifel Geschäftsführer Dierk Rech für den besonderen Einsatz an der Natur mit einer Urkunde auszeichnen.
Rastplätze für Zugvögel


Seit 50 Jahren baut die Firma umweltschonend Kies und Sand ab. In den 1970er Jahren, in denen Kiesabbaubetreiber in der Regel noch nicht an Natur- und Umweltschutz dachten, wurden auf den Flächen schon Weiher angelegt und Bäume gepflanzt. Die Gruben werden im Frühjahr und Herbst inzwischen von vielen Zugvögeln als Rastplatz genutzt. Mit der Rekultivierung und Pflege der Biotope setzt sich die Firma für Naturschutz und Arterhaltung ein. Das sind nur einige der Gründe, warum die Nabu-Vertreter heute zu dem Betrieb kommen, der in Oberkail seinen Verwaltungssitz hat.
Klaus Buchen (Nabu Wittlich) hat die Firma für den Preis vorgeschlagen. Buchen ist selbst Hobbyornithologe und ab und zu in den Gruben unterwegs. Er hebt besonders das Engagement Rechs für die Uferschwalben hervor, die normalerweise in steilen Böschungen nisten. "Aber die gibt es kaum noch", sagt er.
Rech habe sich sehr kooperativ gezeigt, als es darum ging, die steilen Ränder der Gruben als Nistplätze zur Verfügung zu stellen. Er verschiebe dafür sogar Arbeiten, oder spare das Terrain bis nach der Brutphase aus. "Rech fördert den Naturschutz, ohne dafür eine Form der Förderung zu bekommen", lobt Buchen.
Dierk Rech führt das Werk seines Vaters Wilhelm fort, der den Betrieb 1959 gründete. "Mit der Schaufel, mehr Gerät hatte er anfangs nicht", betont sein Sohn, der den Betrieb 1997 übernahm. "Mein Vater hat sich zu einem Zeitpunkt mit Naturschutz beschäftigt, als andere noch nicht daran dachten", sagt der 39-Jährige, der zehn Mitarbeiter beschäftigt. Seine Philosophie: Wer der Natur Rohstoffe nimmt, muss ihr auch wieder etwas zurückgeben. Rech: "Man kann nicht nur Wunden reißen." So sind aus vielen Gruben Biotope und Teiche entstanden. Und viele ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen sind wieder in ihren alten Zustand versetzt worden.

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