Eine Konstruktion, die kühlt und heizt: Gebäude des Weininstituts Heidger in Osann-Monzel besticht durch innovative Technik

Osann-Monzel/Bernkastel-Kues · Das Gebäude des Instituts Heidger in Osann-Monzel, wo Wein, Spirituosen, Bier, Fruchtsaft und Essig analysiert werden, zeichnet sich durch eine innovative Haustechnik und Baukonstruktion aus. Ingenieure aus der Region Trier haben sich das Objekt angeschaut.

Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"

Die erste Hitzewelle des Jahres ließ Anfang Juli die Temperaturen in der Region auf bis zu 38 Grad Celsius steigen. Während in vielen Büros die Mitarbeiter unter der Hitze stöhnten, herrschten in dem großen dreigeschossigen Gebäude des Instituts Heidger in Osann-Monzel angenehme 23 Grad. Das ist umso bemerkenswerter, weil das Gebäude von außen betrachtet einem riesigen Glaskasten ähnelt. Möglich macht das Wohlfühlklima eine innovative Deckenkonstruktion.

Die Entwicklung stammt von dem im November 2010 gegründeten Ingenieurbüro Innogration GmbH in Bernkastel-Kues. Jetzt waren rund 30 Mitglieder der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz vor Ort, um sich über die besonders energieeffiziente Konstruktion zu informieren. Ingenieurkammerpräsident Horst Lenz sagt über die Entwicklung: "Nachhaltiges und energieeffizientes Bauen ist kein Hexenwerk.

Das beweist das Laborgebäude Heidger."
Die Besonderheit ist eine neuartige Deckenkonstruktion. Diese besteht aus zwei tragenden, dünnen Schalen und einem dazwischen angeordneten Hohlraum. Dieser Querschnitt spart Material und Gewicht, ist leicht aber stabil und somit für große Spannweiten ideal geeignet. Nur wenige Stützen und Wände sind erforderlich. Der Clou: Die gesamte Haustechnik, also Lüftung, Heizung, Kühlung und Elektrik ist in der Decke untergebracht. Die Decken sind Fertigelemente, die vor Ort montiert werden. Die Energie fürs Kühlen und Heizen kommt aus der Erde. Erdsonden - bis zu 130 Meter tief - liefern das ganze Jahr über eine gleichmäßige Temperatur von 10 bis 13 Grad. Wenn's kalt wird, heben Wärmepumpen die Temperatur auf rund 30 Grad an.

Die Heiz- und Kühlrohre sind in der Decke integriert. Klobige Heizkörper oder Klimageräte sind also überflüssig. Thomas Friedrich, Geschäftsführer von Innogration, erklärt: "Diese sanfte Klimatisierung arbeitet mit Strahlung anstelle Konvektion. Nicht die Luft wird erwärmt oder gekühlt, sondern alle Umgebungswände. Der Mensch ist von einer allseitig konstanten Temperatur umgeben. Das sorgt für besondere Behaglichkeit."Akustik kann ein Problem sein


Volker Heidger ergänzt: "Wir können große Flächen optimal klimatisieren, ohne dass ein Luftzug entsteht." Ein Problem bei großen Glasflächen ist die Akustik. Dieses Problem wird durch in der Decke integrierte Akustikmodule gelöst. Innogration hat bereits eine ganze Reihe von großen Bürogebäuden mit dem Deckensystem ausgestattet - unter anderem einen Bürokomplex in München. Derzeit entsteht, ebenfalls in München, ein neues Verwaltungsgebäude für die Brauerei Paulaner - mit der in Bernkastel-Kues entwickelten Technik. Friedrich: "Der Markt ist sehr groß." Bald will die Firma auch entsprechende Systeme für Einfamilienhäuser anbieten.

Volker Heidger hat das Institut in Osann-Monzel im Oktober 2013 eröffnet. Dort werden unter anderem Weine für Großkellereien und Lebensmittelketten analysiert. In diesem Bereich ist das Institut führend in Deutschland.
Die Bürgerinitiative "Attraktives Osann-Monzel" hatte versucht, den Bau des auffälligen, auf der Hangkante stehenden Gebäudes zu verhindern. Der Gemeinde- und der VG-Rat stimmten für die Pläne. Daraufhin hat sich die Aktionsgemeinschaft an das Oberverwaltungsgericht (OVG) Koblenz gewandt und geklagt. Die Klage war abgewiesen worden.