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Eine neue Unterwelt tut sich auf

 Große Teile der Festung sind verschwunden, an manchen Stellen sind die Ausmaße aber sichtbar. Foto: Uwe Haut
Große Teile der Festung sind verschwunden, an manchen Stellen sind die Ausmaße aber sichtbar. Foto: Uwe Haut FOTO: Klaus Kimmling (m_mo )
Traben-Trarbach. Ist der Dornröschenschlaf der Festungsanlage auf dem Traben-Trarbacher Mont Royal bald beendet? Experten halten es für möglich. Und sie glauben, dass mit und auf dem Gelände richtig Geld zu verdienen ist. Clemens Beckmann, Clemes Beckmann

Traben-Trarbach. Die Moselregion kann bei der Tourismuswerbung mit vielen Trümpfen aufwarten. Der Slogan "Straße der Römer" ist einer davon. Denn was liegt näher als die 2000 Jahre alte Geschichte, zu der ja auch der Wein gehört, in der Welt zu verbreiten. Schließlich liegen viele Überbleibsel aus dieser Zeit fast wie an einer Perlenschnur. Vielleicht kommt bald noch ein Begriff dazu: Straße der Festungen. Die könnte von Luxemburg über Trier-Pfalzel, Traben-Trarbach, Cochem, Moselkern, Brodenbach nach Koblenz verlaufen. Überall dort oder in unmittelbarer Nähe gibt es Bauwerke die durch Wehranlagen befestigt sind, zum Beispiel die Burg Eltz.
Bei Festung denken viele vor allem an Ehrenbreitstein in Koblenz gegenüber dem Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Doch es gibt an der Mittelmosel eine Anlage, die zu ihrer Zeit an Größe unerreicht war. Sie steht auf dem Mont Royal, dem Berg des Königs, in Traben-Trarbach. Ludwig XIV. ließ sie im 17. Jahrhundert nach Plänen des Baumeisters Vauban errichten. Die Festung war ein wichtiger Ort in der Zeit, als der französische König sein Reich ausweiten wollte.
Nach elf Jahren war diese Zeit beendet. Die Franzosen sprengten die oberirdischen Bauwerke. Was unter der Erde lag, blieb weitgehend verschont und könnte die Basis für eine zweite Traben-Trarbacher Unterwelt sein. Die erste gibt es in der Stadt - in 33 begehbaren, teils riesigen Kellern.Hoffnung auf Einnahmen



Mehrere Tausend Besucher erleben sie pro Jahr bei Führungen, noch viel mehr beim Wein-Nachts-Markt. Eine solche Entwicklung wünscht sich Uwe Hauth, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Festung Mont Royal, auch oben auf dem Berg. Zur Realisierung beitragen könnte das Europäische Netzwerk für Festungstourismus und Festungsmarketing. In weiten Teilen sind bereits entsprechende Angebote gemacht worden. Hartmut Röder und sein Sohn Dirk, Repräsentanten der deutschen Sektion, sprechen schon von einer Kulturroute von der Ostsee bis zur Adria. Traben-Trarbach könnte ein Teil davon sein. "Die touristischen Grundlagen sind da. Die Mosel und der Wein sind sowieso schon eine Marke, ein ewiges Thema", sagt Hartmut Röder. Der Jugendstil komme noch dazu. Mit starken Aktivitäten wie Radfahren und Wandern werde die Region noch weiter aufgewertet, sagt Thomas Kalff, stellvertretender Leiter der Mosellandtouristik. Alles könne kombiniert werden. Die Festungen sollen nicht im Stillen blühen. Sie sollen sich, so weit noch nicht geschehen, dem Tourismus öffnen. "Es muss Einnahmen geben", sagt Röder, "trutzige Mauern alleine reichen nicht." Das Gelände könne zum Beispiel Eventfirmen angeboten werden.
Stadtbürgermeister Patrice Langer lauscht mit Interesse. "Das hört sich gut an", sagt er. Als Oberhaupt einer verschuldeten Stadt muss er aber über Geld reden. "Fahren Sie mit einem Konzept ins Wirtschaftsministerium. Sie bekommen Geld", rät Röder. Es gebe auch andere Fördertöpfe. Das Netzwerk sei auch in dieser Hinsicht Ratgeber. Kostenlos ist das nicht. Die Stadt müsste Mitglied in dem Verein werden. Das kostet im ersten Jahr 450 Euro, ab dem zweiten Jahr 600 Euro. Langer wird das Projekt in den Gremien besprechen. Er kann sich auch vorstellen, dass die Touristinformation den Mitgliedspart übernimmt.Derzeit finden fest terminierte und individuell vereinbarte Führungen auf einem Rundweg von 2,5 Kilometer statt. "Die werden sehr gut angenommen", berichtet Uwe Hauth. Aber natürlich ginge auch noch mehr - viel mehr. Es gebe etwa einen Platz, der für größere Veranstaltungen, wie Konzerte oder Märkte, geeignet sei.Meinung

Keine Angst vor Visionen
Der Mont Royal als Schauplatz für Konzerte, Märkte und mehr? Visionen dürfen ruhig um sich greifen, wenn die Festungsexperten eine touristische Aufwertung fordern. Warum kein Pendant zur Loreley, wo Stars auftreten. Auf die Lott im Hunsrück kommen auch Tausende, wenn die Macher rufen. Vor allem beschwert sich da oben kein Anwohner. Das wird sicher nicht auf die Schnelle umsetzbar sein. Aber wer hätte vor ein paar Jahren daran geglaubt, dass die erste Traben-Trarbacher Unterwelt, in den Kellern der Stadt ein solcher Erfolg werden würde? c.beckmann@volksfreund.de