Eine Praxis unter vielen Dächern

BERNKASTEL-KUES. Ein Qualitätsnetz soll sie darstellen, die "Netzpraxis-Mittelmosel", zu der sich bislang 36 Ärztinnen und Ärzte zwischen Wintrich und Wolf zusammen geschlossen haben.

Rund 90 Prozent der Ärzte des Notdienstbezirks Bernkastel-Kues und Zeltingen-Rachtig haben sich zur "Netzpraxis Mittelmosel" zusammengeschlossen. Seit kurzen ist sie ein eingetragener Verein. Vielen Ärzten sei sie schon lange ein Anliegen. Dr. med. Joachim Faude und Norbert Schmitt brachten schließlich den Stein ins Rollen."Ärzte sind Einzelkämpfer und jetzt froh über dieses Netz", betont Netzmitglied Dr. med. Dorothee Faude im TV -Gespräch. Das sieht auch Joachim Faude so, denn schon nach wenigen Tagen hätten 50 Prozent der Mitglieder ihren Mitgliedsbeitrag überwiesen. Zudem hätten sich innerhalb von zwei bis drei Monaten über 30 Ärztinnen und Ärzte spontan dem Verbund angeschlossen. Für die Ärzte soll der Verbund ein geschlossenes Auftreten gegenüber den Krankenkassen ermöglichen. Bislang hat die Kassenärztliche Vereinigung Trier für die niedergelassenen Ärzte die Verträge über ambulante Behandlung und Honorierung mit den Kassen abgeschlossen.Wichtigste Säule ist personale Beziehung

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will es den Kassen als Kostenträgern ermöglichen, dass sie Einzelverträge mit den Ärzten direkt abschließen können. Ärzte befürchten, dass sie dabei gegeneinander ausgespielt werden könnten. "Und als Netzpraxis können wir als Einheit auftreten", versichert Norbert Schmitt.Gleichzeitig legen er und Faude Wert darauf, dass die Netzpraxis "keine Gegenveranstaltung" zur Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist. Sie befürchten, dass die KV Ende 2004 nur noch Bezirksstelle einer Landeskassenärztlichen Vereinigung wird, an deren Spitze kein Arzt mehr, sondern ein Jurist sitzen wird. Auch aus diesem Grund haben man sich zum Zusammenschluss entschieden. Aber nicht nur die Ärzte sollen Vorteile von diesem Verein haben, sondern auch die Kassen und natürlich die Patienten.Nach Darlegung von Faude steht die Idee auf zwei Säulen: "Die wichtigste Säule ist die personale Beziehung zwischen Arzt und Patient und die zweite Säule ist der diagnostische Ablauf." Durch die Zusammenarbeit im Ärztenetz sollen einheitliche Qualitätsstandards bei der Behandlung der Patienten eingehalten werden. Ein Patient mit Bluthochdruck erhält bei jedem Arzt der Netzpraxis die gleichen Leistungen.Standards zahlen sich langfristig aus

Eine Arbeitsgruppe des Netzwerkes wird fünf Hauptdiagnosen definieren. Doppeluntersuchungen sollen ebenso vermieden werden, wie dass der Patient von Arzt zu Arzt geschickt wird. Die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Reha-Kliniken soll ebenso verbessert werden. Auch bei der Verschreibung von Medikamenten wird künftig einheitlich vorgegangen. Somit werde ausgeschlossen, dass ein Patient den Arzt mit der Begründung wechselt: " bei Arzt B. bekomme ich das Medikament aber verschrieben". "Nichtsdestotrotz sollen Patienten beste Qualität bekommen, sie sollen erhalten was notwendig ist", versichert Faude.Die Standard-Behandlungen zahlten sich aus, sind Faude und Schmitt überzeugt. Einsparungen kämen den Kassen, den Arztpraxen und langfristig auch den Patienten zugute. Ein Fernziel sei zudem, dass es in Zukunft einen zentralen Server gebe, in dem alle Befunde zentral gespeichert seien und auf die notdiensthabende Ärzte auch am Wochenende Zugriff hätten. In naher Zukunft wird die Netzpraxis sich aber erst mal gemeinsam im Internet präsentieren, ein Logo entwickeln und ihre Kunden mit Flyern informieren - "über die eine Praxis unter vielen Dächern".Der Vorstand: Vorsitzender ist Dr. Joachim Faude, Stellvertreter sind der Allgemeinmediziner Norbert Schmitt und der Internist Dr. Gerhard Bayer. Schriftführerin ist Dr. Katrin Keller und Kassierer Dr. Axel Steinke.