Eine Rangelei der besonderen Art

Sie werde versuchen auszugleichen, hatte Bürgermeisterin Christiane Horsch nach der Kommunalwahl zur neuen Stärke Piesports gesagt. Die Arbeit hat ihr der VG-Rat erst einmal abgenommen.

Neumagen-Dhron. Es hat bei den konstituierenden Sitzungen in der Region einige Besonderheiten und Überraschungen gegeben: den Auszug von Fraktionen, nicht gewählte Bürgermeister- und Beigeordneten-Kandidaten, Losentscheide und anderes mehr. Dass aber zwei Kandidaten einer Partei, wie am Donnerstagabend im Verbandsgemeinderat Neumagen-Dhron geschehen, um einen Beigeordneten-Posten rangeln, dürfte den Besonderheiten die Krone aufsetzen.

Ratsmitglied Karl Heinz Knodt, der auch Piesporter Ortsbürgermeister ist, war der offizielle Kandidat der CDU. Nach TV-Informationen verweigerten Knodt bei der Beigeordneten-Nominierung in der Fraktion die Trittenheimer Ratsmitglieder Helmut Ludwig, Olaf Bollig und Jürgen Maringer die Gefolgschaft. Nach Auskunft von Theo Nilles (FDP), der Jürgen Maringer am Donnerstag für das Amt des ersten Beigeordneten vorschlug, kamen danach Gespräche in Gang, in die schließlich die FDP, die Freie Bürgerliste, die SPD und die Wählergruppe Mertes involviert waren.

"Die Trittenheimer CDU-Ratsmitglieder sehen sich durch Karl-Heinz Knodt nicht gut vertreten", sagte Theo Nilles gegenüber dem TV. Auch die anderen Fraktionen täten sich mit dem "Menschen mit Machtinstinkt" schwer.

Bei Nicht-Piesportern gehe zudem die Furcht um, dass die Position des Ortes, der mit elf Personen im Rat vertreten ist, durch einen ersten Beigeordneten noch stärker werde.

Außerdem sei wichtig, dass jeder der drei großen Orte der Verbandsgemeinde, Neumagen-Dhron, Piesport, Trittenheim, je einen Beigeordneten stellt. Das ist mit Jürgen Maringer (Trittenheim), Rita Woods (Neumagen-Dhron) und Peter Licht (Piesport) gewährleistet. Theo Nilles glaubt allerdings nicht, dass die Arbeit in der CDU-Fraktion Schaden nimmt. "Die werden sich arrangieren", sagt er. Gemeindeverbands-Vorsitzender Hans-Erwin Später, der auch Mitglied des Rates ist, war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Meinung

Paukenschlag mit Misstönen

Feind, Todfeind, Parteifreund: So schlimm wie es dieser Spruch, der dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in den Mund gelegt wird, aussagt, ist die Stimmung bei der CDU im VG-Rat Neumagen-Dhron sicher nicht. Aber ein Paukenschlag mit Misstönen ist die Kandidatur von zwei Unions-Leuten für ein Amt schon. Es dürften mehrere Gründe für die Gegenkandidatur zusammengekommen sein. Die Angst vor einer zu starken Einflussnahme aus Piesport zum Beispiel. Schließlich kommt die Hälfte des Rates von dort. Außerdem sind die Trittenheimer sauer, dass sich Karl Heinz Knodt für eine Fusion der VG mit Bernkastel-Kues stark macht. Knodt musste eine Abfuhr befürchten. Trotzdem hielt er an der Kandidatur fest. Knodt gilt als Mann mit Machtinstinkt. In dieser Hinsicht gab es für ihn einen Dämpfer. c.beckmann@volksfreund.de

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