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Eine Reise in vergangene Handwerkerzeiten

Eine Reise in vergangene Handwerkerzeiten

Im Geburtshaus seines Urgroßvaters hat Raimund Roden vor dreißig Jahren angefangen, die Schmiede- und Holzwerkzeuge zu sortieren. Einige seltene Stücke kamen dabei zum Vorschein und weckten sein Interesse an altem Werkzeug. Inzwischen ist das Haus zu einem kleinen Museum geworden.

Meerfeld. Konzentriert steht Raimund Roden an der Werkbank, in der ehemaligen guten Stube im Haus seiner Urgroßeltern, und schärft die Trummsäge. Sie wird heute gebraucht, denn bei einem Umzug durch den Ort, wird auch Holz geschnitten, wie vor einhundert Jahren.
Wenn man das kleine Haus mit dem einfachen Baukörper und dem steilen Dach betritt, kommt es einem vor, als komme man in eine andere Zeit. Die Wände sind schief, einfach verputzt und gestrichen, die Türen niedrig und Räume sehr klein. An den Wänden hängen geistliche Sprüche, die blumenumrankt sind, Kreuze oder kleine Statuen. Der Holzboden ist noch im Originalzustand und die gute Stube mit hunderten Werkzeugen, die ordentlich an der Wand sortiert sind, vollgestopft.
Alleine 300 Hämmer, 250 Zangen und rund 180 Hobel befinden sich in der kleinen rund acht Quadratmeter großen Stube. Aber es gibt in diesem Haus noch viel mehr zu entdecken. Beispielsweise sind in Rodens Sammlung zwei Nagelambosse, mit denen man verschiedene Nägel schmieden konnte. Besonderes Augenmerk galt damals dem Nagelkopf, denn ohne den war der Nagel nicht fertig. Raimund Roden sagt: "Man wundert sich immer wieder darüber, wie die Leute sich früher zu helfen wussten."
Interessant ist dabei auch die Zimmermannsaxt, die ihre Schneide nicht in der Mitte, sondern abgewinkelt am Rand des Stiels hat, damit man gerade Kanten hauen konnte, ohne dass die Axt hängen blieb. In den weiteren Räumen sind Küchen- und Haushaltsgegenstände von früher aufbewahrt.
Kaffeemühlen, ein Stein, der als Wärmflasche gedient hat, eine kleine eingerichtete Stube mit Geschirr aus der damaligen Zeit und auch Kleidung von vor 100 Jahren. "Wenn historische Dorffeste sind, leihen sich die Leute die manchmal aus."
Wichtig ist dem Sammler, dass das alte Wissen um bestimmte Arbeiten erhalten bleibt, beispielsweise, wie man Flachs zu Garn verarbeitet oder wie mit einem Webstuhl gewebt wurde. Deshalb werden die Sachen, die er bei Haushaltsauflösungen findet oder geschenkt bekommt, auch nicht weiterverkauft. "Ohne die Werkzeuge geht auch das Wissen verloren", befürchtet der Tiefbauingenieur, der die Woche über in Frankfurt arbeitet und für den das Werken im alten Haus ein Ausgleich ist. Besucher des Gebäudes können sich bei Familie Roden melden und einen Termin vereinbaren.
Rund 100 Personen besuchen pro Jahr das Gebäude. Eintritt wird nicht genommen; wenn etwas gespendet wird, wird es für einen guten Zweck verwendet.Extra

Hauszeichen in Meerfeld: Im Flur des alten Rodenhauses hängt eine alte Flurkarte von Meerfeld. Darunter sind die Hauszeichen der einzelnen Familien dargestellt. Sie sehen beispielsweise aus wie eine Fischgräte, ein Pfeil oder ein Rechteck mit zusätzlichen senkrechten Strichen. Die waren früher nötig, um beispielsweise die Hacken zu kennzeichnen, wenn sie zum Schärfen in die Schmiede gingen, denn alle Hacken sahen gleich aus. Man konnte auch, wenn man nicht schreiben konnte, damit unterschreiben. Chb