"Eine Schande, dass man solche Häuser abgerissen hat"

"Eine Schande, dass man solche Häuser abgerissen hat"

TRABEN-TRARBACH. (red) Eine eindrucksvolle Fotoausstellung ist derzeit im Mittelmosel-Museum zu sehen. Gezeigt werden historische Aufnahmen von Häusern in Traben-Trarbach, die abgerissen wurden.

"Die alte Volksschule in Traben, da bin ich manches Jahr hingegangen; eigentlich eine Schande, dass man so ein Gebäude abgerissen hat." Diesen Satz konnte man in den verschiedensten Abwandlungen - und meist gefolgt von einer kleinen Anekdote aus dem Schulalltag vergangener Jahrzehnte - am vergangenen Wochenende des öfteren im Mittelmosel-Museum in Traben-Trarbach hören. Dort wurde am Samstag eine historische Fotoausstellung eröffnet, in der neben der ehemaligen Trabener Schule auch an eine Vielzahl anderer Gebäude und Wohnhäuser erinnert wird, die in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Stadtbild der Doppelstadt verschwunden sind. Der überwiegende Teil der ausgestellten Bilder stammt aus dem vom Irmenacher Heimatsammler Hans Schneiß verwalteten Nachlass des 1999 verstorbenen heimischen Künstlers und Kunstlehrers Ernst Havenstein. Havenstein, dessen moselländischen Aquarellen erst im vergangenen Jahr eine eigene Ausstellung im Museum gewidmet war, hatte in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts anhand hunderter Fotoaufnahmen fast alle baulichen Veränderungen in Traben-Trarbach akribisch dokumentiert. Ob der Abriss des einstigen Moseltalbahnhofs, der Abbruch der Häuser Port und Hartung in der Schottstraße oder die ehemalige Villa Steinhauer, die 1976 dem Neubau des Ida-Becker-Hauses am Trabener Moselufer weichen musste - nicht nur die einheimischen Bürger haben noch bis zum 16. Januar Gelegenheit, inzwischen verschwundene und meist vergessene Ansichten der Doppelstadt noch einmal in Augenschein zu nehmen. Dabei kann, etwa im Falle der Volksschule, bisweilen schon etwas Wehmut aufkommen. Dabei sei der Entschluss, den Schwerpunkt der aktuellen Winterausstellung auf das Thema "verschwundene Häuser" zu legen, durchaus spontan gefallen, berichtete Christof Krieger, Vorsitzender des "Fördervereins Mittelmosel-Museum", den Besuchern der Ausstellungseröffnung.Entschluss reift im Archivkeller

Dass man zum Abschluss des Jubiläumsjahres "100 Jahre Doppelstadt" alte Fotos aus der zweiten Jahrhunderthälfte zeigen wollte, sei zwar schon im vergangenen Jahr beschlossen worden, doch erst bei der konkreten Auswahl der Bilder im Archivkeller von Hans Schneiß habe man sich zu diesem besonderen Schwerpunkt entschlossen, so Krieger: "Als wir die Ordner der Havenstein-Bilder durchgingen, haben wir gesagt: Das interessiert die Leute bestimmt." Eine Einschätzung, die sich bewahrheiten sollte, wie die positive Resonanz bei der Ausstellungseröffnung bewies. Krieger begrüßte dazu als Ehrengäste neben der Tochter Havensteins, Juliane Havenstein-Klein, auch Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus. Die Bürgermeisterin, die im Rahmen der Bilderschau zu ihrer eigenen Überraschung auch die Veränderungen des eigenen Grundstücks in der Enkircher Straße dokumentiert fand, unterstrich in ihren Grußworten die Notwendigkeit, auch und gerade die Änderungen im Leben und Erscheinungsbild einer Stadt festzuhalten. Heide Pönnighaus sprach den Organisatoren der aus ihrer Sicht gleichermaßen interessanten wie gelungenen Ausstellung ihren Dank aus und wünschte der Ausstellung selber eine gute Besucherresonanz. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Januar samstags und sonntags, jeweils von 10 bis 13 und von 14.30 bis 17.30 Uhr, im Mittelmosel-Museum zu sehen.