Eine starke Stimme für den Hunsrück

Eine starke Stimme für den Hunsrück

Förderprojekte an Land ziehen, die die Regionalentwicklung vorantreiben: Das ist das Ziel eines neu gegründeten Vereins, in dem Gemeinden von Birkenfeld bis Hermeskeil vertreten sind.

Thalfang/Hermeskeil/Birkenfeld. "Es wird immer schwieriger, Leader-Fördergeld zu beantragen. Da müssen Sie Baugenehmigungen einreichen, Finanzpläne aufstellen, und irgendwann erhalten Sie dann einen ,call' und wissen, ob Sie im Rennen sind. Das können Einzelpersonen kaum mehr stemmen", sagt Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang.
Leader (französisch Liaison entre actions de développement de l'économie rurale, auf deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, mit dem seit 1991 innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden.

Öffnung nach außen


Für die Region zwischen Hermeskeil, Thalfang und Birkenfeld sind Leader-Projekte eine Chance, um die Region um den Nationalpark zu entwickeln. Michael Hülpes, Chef der Verbandsgemeinde Hermeskeil, weist darauf hin: "Entscheidend ist, dass die Nationalparkregion nicht mit dem Gebiet der LAG, der Lokalen Leader-Aktionsgruppe Erbes kopf übereinstimmt, weshalb die Dinge nicht über diese LAG geregelt werden können."
Deshalb hat sich der Verein Regionalentwicklung Hunsrück-Hochwald im Festsaal der Kreisverwaltung in Birkenfeld gegründet. 13 Gründungsmitglieder unterzeichneten die Satzung des neuen Vereins, der künftig die Entwicklung in der Region vorantreiben soll. Die nun gewählte Form als Verein ermöglicht es künftig sowohl Kommunen, Vereinen und auch Privatpersonen, dem Verein beizutreten. "Dies soll signalisieren, dass wir uns für Interessierte von außen öffnen und so die Möglichkeit gegeben ist, aktiv an der Entwicklung der Region mitzuarbeiten", sagt Landrat Matthias Schneider (Birkenfeld). Marc Hüllenkremer betont: "Es ist wichtig, dass die Nationalparkgemeinden stärker zusammenarbeiten. Ich würde es auch sehr begrüßen, wenn Wirtschaftsunternehmen dem Verein beitreten. Wenn die private Wirtschaft mitmacht, dann hat das einen Anschub-Effekt. Der Verein steht allen offen. Das ist eine gute Sache." Die Gründungsmitglieder sind die Kreisverwaltung Birkenfeld, Kreisverwaltung Trier-Saarburg, Stadt Idar-Oberstein, die Verbandsgemeinden Baumholder, Birkenfeld, Hermeskeil, Rhaunen und Thalfang. "Diese Zusammensetzung spiegelt das nun herrschende und sich immer weiter entwickelnde Wir-Gefühl wider. Wo früher zwischen ,vor und hinter dem Wald' unterschieden wurde, wird künftig mit einer starken Stimme gesprochen", so Schneider. Der erste Kreisbeigeordnete Arnold Schmitt des Landkreises Trier-Saarburg erklärt: "Wir unterstützen dieses kommunale Gemeinschaftsprojekt, weil wir damit an einer sinnvollen regionalen Entwicklung teilhaben und an der Lenkung und Requirierung von Fördermitteln mitwirken können."
Bisher seien noch keine Fördermittel vonseiten des Landes geflossen, man hoffe, über den Verein weitere Fördertöpfe anzapfen zu können. Weil es einen Masterplan des Landes noch nicht gebe, der klar regelt, was genau gefördert wird, sei der Verein in diesem Prozess wichtig.
Michael Hülpes, stellvertretender Vorsitzender des neuen Vereins, bemerkt, man habe die Zustimmung zur Gründung des Schutzgebiets von Anfang an daran geknüpft, dass auch ein Regionalentwicklungskonzept damit verbunden wird, um die "strukturschwache Region nachhaltig zu entwickeln". Dies sei, bislang einmalig, im Nationalpark-Gesetz festgeschrieben worden.
"Diese Entwicklung ist aus meiner Sicht nur möglich mit einem Masterplan für die gesamte Region, mit verbindlich vereinbarten Zielen, in dem Projekte und ihre Finanzierung auch ganz konkret benannt werden. Und in dem auch Fördermittel genau fixiert werden."
Dies alles solle im Verein gebündelt werden, der auch als Sprachrohr der Region nach außen "über die politischen Grenzen innerhalb des Gebiets hinweg" fungieren könne. Die erste Aufgabe des Vereins werde nun sein, einen Masterplan zu entwickeln. Vorbild sei für ihn der Masterplan zur touristischen Entwicklung im Nationalpark Eifel. Hülpes geht davon aus, dass der Plan innerhalb eines Jahres steht. Es gebe schon Einzelkonzepte, etwa von der VG Hermeskeil. Diese könnten "im Plan zusammenfließen".
Wer an einer Mitgliedschaft im Verein interessiert ist, kann sich an die Stabstelle Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung Birkenfeld unter den Telefonnummern 06782/15730, 15735 oder wirtschaftsfoerderung@landkreis-birkenfeld.de wenden.
Extra

Bei den Wahlen zum Vorstand wurde Matthias Schneider (Landrat Nationalpark-Landkreis Birkenfeld) zum Vorsitzenden gewählt, sein Stellvertreter ist Michael Hülpes (Bürgermeister Verbandsgemeinde Hermeskeil), Kassierer Georg Dräger (Bürgermeister Verbandsgemeinde Rhaunen) und vorerst einziger Beisitzer ist Uwe Roßmann (Mitglied Kreistag Trier-Saarburg). Die Gründung des Vereins soll ein Mosaikstein eines Prozesses sein, der im September des Jahres 2013 mit dem Konzept der Landesregierung zur Errichtung eines Nationalparks begann. Seit 2014 haben fünf Sitzungen der eingerichteten Lenkungsgruppe Regionalmanagement und elf Sitzungen des Starterteams Regionalentwicklung (Arbeitsebene) stattgefunden. Daraus entstand letztendlich der Gedanke zur Gründung des Vereins Regionalentwicklung Hunsrück-Hochwald. hplExtra

Für den westlichen Teil der Hunsrück-Region wurde 2006 die Leader-Aktionsgruppe Erbeskopf gebildet. Sie umfasst mittlerweile die Verbandsgemeinden Baumholder, Birkenfeld, Hermeskeil, Herrstein, Kell am See, Thalfang am Erbeskopf, Teile der Verbandsgemeinde Ruwer, die Einheitsgemeinde Morbach, die Stadt Idar-Oberstein sowie die Gemeinde Gornhausen aus der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. In der LAG Erbeskopf haben sich damit Teilbereiche der Landkreise Bernkastel-Kues, Birkenfeld und Trier-Saarburg zu einer Gebietskulisse zusammengeschlossen. Insgesamt umfasst das Gebiet der LAG Erbeskopf 144 Gebietskörperschaften mit 124 539 Einwohnern. hpl