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Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat  das Land erfasst. Auch in der Region werden Behelfsmasken en masse hergestellt.

Kostenpflichtiger Inhalt: Mutmacher : Sie nähen und nähen und nähen

Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat das Land erfasst. Auch in der Region werden Behelfsmasken im großen Stil hergestellt.

Ein Virus macht’s möglich. Ein ganzes Land ist im Nährausch. Denn medizinischer Mundschutz ist Mangelware. Und deshalb greifen viele auf selbstgemachte Behelfsmasken zurück (siehe Extra). In den heimischen Handarbeitsstuben dreht sich alles um Schnittmuster, Stoffe, Nähgarn und Gummilitze. Ja, vor allem um Gummilitze. Denn: „Gummilitze ist deutschlandweit ausverkauft.“ Das sagt Michaele Schneider vom Wittlicher Kinderschutzbund. Und sie muss es wissen. Denn unter ihrer Regie produziert ein ganzes Team von Hobbynäherinnen – jede in ihrem eigenen Nähzimmer – Behelfsmasken: grellbunte, einfarbige weiße oder graue, mit dezenten floralen oder frechen Einhorn-Mustern...

Entstanden ist die Produktion aus der Not heraus. Denn von heute auf morgen musste „Kaufen mit Herz“, ein soziales Projekt des Kinderschutzbundes in Wittlich, wie viele andere Geschäfte schließen. Rund 20 Ehrenamtliche des Mehrgenerationenhauses Wittlich seien plötzlich ohne Aufgabe gewesen. „Wir mussten uns was einfallen lassen“, schildert Michaele Schneider. Und: Es fiel dem Team etwas ein. Seit einer Woche nähen die ehrenamtlichen Kräfte Behelfsmasken. „In Kürze verlässt die 550. Maske das Haus“, verrät die Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes in Wittlich. Die Masken gehen nach Schneiders Angaben an Pflegedienste, Ärzte, Kita-Notbetreuungen, Speditionen und Privatpersonen, die den Risikogruppen angehören. Die schmucken Exemplare werden kostenlos abgegeben. Allerdings, so räumt Schneider ein: „Wir freuen uns auch über Spenden, weil die Einnahmen aus Kaufen mit Herz wegbrechen, mit denen im Mehrgenerationenhaus Projekte refinanziert werden.“

Das Team hatte sich schnell organisiert und arbeitet inzwischen in Arbeitsteilung. Die einen schneiden zu, die nächsten nähen, die dritten ziehen die Gummis ein, und die vierten fungieren als Verteilerstellen. Ulla Faust und Marianne Feld koordinieren. Was Schneider besonders freut: „Auch die neu Zugewanderten unterstützen fleißig.“ Zum Beispiel der gelernte Schneider Victor Imagodor aus Nigeria, der 60 Exemplare an einem Tag (!) herstellte. Übrigens, wer Stoffe, Garn oder Gummilitze spenden oder das Team verstärken möchte, kann sich melden bei Michaele Schneider, Telefon 0170/4582948.

Genäht wird an der Mosel genauso wie im Hunsrück oder dem Wittlicher Land wie in Hupperath, Bruch, Gillenfeld oder Platten. Aber nicht nur Gruppen gehen ans Werk, auch zahlreiche Einzelpersonen. Eine von ihnen ist Cornelia Becker. Im heimischen Nähzimmer in Platten hat sie die Produktion angeworfen. Rund 200 „Nasen-Mund-Abdeckungen“ hat sie bereits hergestellt. Sie näht sie für jedermann. Und frönt dabei ihrer Leidenschaft. Denn eigentlich hat die Verkäuferin in einem Nähzentrum in ihrer Jugend den Beruf der Schneiderin erlernen wollen. Allerdings war das in den 1970er Jahren für Linkshänder nicht möglich. Vor sieben Jahren hat sie sich die Fertigkeit dann selbst beigebracht. Keine Frage, dass sie auch weiter nähen will. Doch das ist gar nicht so einfach. Das Problem: Es fehlt an Gummiband. Jetzt hat sie noch 70 Meter Gummikordel gekauft. Damit kann sie noch weitere 150 Exemplare produzieren. Und dann ist wohl Schluss.

Gleich acht Näherinnen haben sich in Bruch ans Werk gemacht. die Frauengemeinschaft hat sich „digital gruppiert und einen Aufruf zwecks Stoff, Garn und fleißige Hände gestartet“, schreibt die Vorsitzende Stefanie Kohl. Viele Organisationen hätten in den sozialen Medien aufgerufen zu helfen, da „mussten wir handeln“, heißt es weiter. Inzwischen hätten sie 350 Stück genäht und 320 bereits verteilt. „So langsam bekommen wir Routine“, schmunzelt die Vorsitzende. Auch in Bruch gibt es Engpässe. Die Näherinnen würden sich über Spenden von Baumwoll-Stoffreste, Garn, Schrägband, Gummilitze und -band sehr freuen. Für Stefanie Kohl ist besonders wichtig: „Die Aktion zeigt, dass Kleines Großes bewirken kann und sich jeder auf seine Art und Weise solidarisch einbringen kann.“

Altenpflegerin Barbara Müller und Elke Merges, Fachkrankenschwester für Intensivpflege aus Hupperath sind schon richtige Nähprofis. „Eigentlich nähen wir Herzkissen für das Brustzentrum Wittlich“, schreiben sie. Doch momentan liege der Fokus auf Behelfsmasken für Einrichtungen und Privatpersonen. „Mittlerweile sind es rund 300 Stück, die wir bereits verteilt haben“, teilen sie stolz mit. Sie geben sie wie auch die anderen Gesprächspartner des Volksfreunds kostenlos ab, erhalten im Gegenzeug allerdings öfter Geldspenden. Diese gehen, so versichern beide, komplett an die Hilfsgruppe Eifel in Kall, einen Förderkreis für tumor-leukämieerkrankte Kinder. „Wir werden weitermachen und freuen uns, neben unserer Arbeit im Krankenhaus und Altenheim helfen zu können.“

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: eine selbstgenähte Maske von Anneliese Hoffmann aus Maring-Noviand. Foto: TV/Anneliese Hoffmann
Foto: Barbara Müller Foto: TV/Barbara Müller
Foto: Barbara Müller Foto: TV/Barbara Müller
In der Vergangenheit haben sie Herzkissen genäht, jetzt geht es um Behelfsmasken.  Und die Produktion läuft auf Hochtouren: Barbara Müller und Elke Merges. Die Maskenmodelle sind zwei Arbeitskolleginnen von Barbara Müller aus dem Altenzentrum St.Wendelinus Foto: TV/Barbara Müller
Foto: Petra Bayer Foto: TV/Petra Bayer
Foto: Petra Bayer Foto: TV/Petra Bayer
Foto: Barbara Müller Foto: TV/Barbara Müller
Daniela Thieltges ist eine von acht Näherinnen der Brucher Frauengemeinschaft. Insgesamt haben die Frauen ibereits 350 Behelfsmasken produziert. Foto: TV/Daniela Thieltges
Foto: Brigitte Röder Foto: TV/Brigitte Röder
Diana Bauer aus Gillenfeld (oben) näht Masken mit anderen Frauen aus dem Ort im Rahmen der  „Sorgenden Gemeinschaft“. Foto: TV/Brigitte Röder
Cornelia Becker aus Platten macht farbenfrohe Exemplare für jedermann. Sie ist bereit, sie zu spenden, um anderen zu helfen. Sie hat dabei eine alte Leidenschaft wiederentdeckt. Foto: TV/Cornelia Becker
Der nigerianische Schneider Victor Imagodor legt die Messlatte hoch: Im Team des Kinderschutzbundes in Wittlich hat er an einem Tag  60 Masken genäht. Foto: TV/Michaele Schneider
Chantal Welter aus Landscheid ist ebenfalls aktiv. Sie stellt Behelfsmaske  wie diese her und gibt sie kostenlos ab. Foto: TV/Chantal Welter
Logo Mutmacher PRINT Foto: TV/Schramm, Johannes

„Gillenfeld näht“: So heißt eine Aktion im Rahmen der „Sorgenden Gemeinschaft“. Diana Bauer aus Gillenfeld stellt mit anderen Frauen aus dem Dorf Behelfsmasken her. Wer sich dort als Näherin engagieren oder dringend benötigte Materialien wie Stoffe oder Nähgummi zur Verfügung stellen will, wird gebeten, sich bei der Koordinatorin Sarah Meeth, Telefon 0173/5175093 zu melden.