Einen eigenen Erdball gepuzzelt

WITTLICH. Fünf mal 2,50 Meter groß ist das Puzzle, das den Erdball in all seiner Farbigkeit und Vielfalt zeigt. Gebaut haben es Kinder aus der Kita am Jahnplatz und von der Georg-Meistermann-Grundschule.

Munter, laut und unendlich einfallsreich ging es zu während der beiden Tage, an denen Nadja Lehnerts an der Grundschule zu Gast war. Die Künstlerin und Kommunikationsdesignerin der Fachhochschule Trier war als Externe gebucht worden, um zu gewährleisten, dass das Hauptaugenmerk der gemeinsamen Projekttage von Grundschule und Kindertagesstätte nicht auf der pädagogischen Seite lag, sondern auf der künstlerischen. Ein Riesenpuzzle aus Holz, dessen einzelne Teile in einer Schreinerei vorgeschnitten worden waren, galt es auszugestalten. Jede der zehn bunt zusammengewürfelten Gruppen hatte ihr eigenes Puzzle zu bearbeiten. Die Werkstoffe fanden sie in den "Schatzkisten", die Kita-Leiterin Michaela Habscheid vorbereitet hatte: Farben, Kleber und Glitzer, Zeitschriften, Scheren und Stoffe, Sand, Muscheln und Pfeifenreiniger. Den pädagogischen Hintergrund erläutert sie in einem knappen Satz: "Es geht darum, dass ein sanfter Übergang in die Schule gewährleistet ist." Das Projekt, das es in anderen Ländern in ähnlicher Form schon länger gibt, wird mit bis zu 2000 Euro an Landesmitteln unterstützt, die von Habscheid in Absprache mit der Stadt Wittlich als Träger der Einrichtung in Windeseile beantragt wurden. Das Konzept "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" wurde erst im März, mitten in den Wirren des Wahlkampfes, veröffentlicht; bis zum 1. April musste der Antrag bei der Kreisverwaltung vorliegen. Der hängt nun in der Warteschleife und wird irgendwann später bearbeitet. Die Kita trat also in Vorleistung und bekommt das Geld am Ende des Jahres zurück - ein ganz normaler Vorgang, der Habscheid nicht schreckte. Schließlich ist sie eine "alte Häsin" im Geschäft. Die Tücken des bürokratischen Dschungels interessierten die Kinder, die jeweils ihren Teil des Erdballs gestalteten, allerdings nicht im Geringsten. Sie schauten eher schon auf den leibhaftigen Dschungel mit fremden Pflanzen und Tieren. "Der Ball ist rund und bunt" heißt es im dazugehörigen Projektlied, das sie alle mit Begeisterung singen. Und tatsächlich: Die Buntheit ist das, was an dem fünf mal 2,50 Meter großen Erdball zuerst ins Auge fällt. Ein Mondgesicht mit langen Wimpern, ein blauer Himmel, mal hell, mal dunkel, mal mit Wolken, mal mit Sternen. Die Kontinente gelb, braun und grün, mal Wüste, mal Graslandschaft, mal Gebirge. Das Meer hier blau, da grün, dort wild, dann wieder so ruhig, dass zwei Menschen in Luftmatratzen darauf schwimmen könnten. In Asien lacht dem Betrachter der Dalai Lama entgegen, in Amerika überraschen Flugzeuge, das Sternenbanner und eine Flasche Coca-Cola. Und dann darf jedes Kind am Rand des gelungenen Werkes, auf das sie alle mächtig stolz sind, noch eine Figur aufkleben, in der es sich selbst darstellen sollte. Hier wird die Multinationalität sichtbar, die am Jahnplatz sowohl in der Kita als auch in der Schule Alltag ist: Weiße, Asiaten und Farbige stehen da nebeneinander, als die Kinder bei strahlendem Sonnenschein ihr Puzzle auf dem Schulhof zusammenlegen. In der nächsten Zeit wird das gute Stück in der Turnhalle der Kita zu bewundern sein. Was danach damit geschieht, ist noch offen: Vielleicht wird es ja sogar für einen guten Zweck versteigert, überlegt Michaele Habscheid.