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Einsätze, die keinen Feuerwehrmann kalt lassen

Einsätze, die keinen Feuerwehrmann kalt lassen

Die Aktiven der Morbacher Feuerwehren sind im vergangenen Jahr zu mehreren Unfällen und Bränden mit Todesopfern gerufen worden. Solche Ereignisse belasten auch erfahrene Feuerwehrleute.

Morbach. Die Einsatzstatistik der Morbacher Feuerwehr für das Jahr 2015 erscheint im ersten Moment nicht besonders außergewöhnlich. 94 Einsätze sind es für die Wehren in der Einheitsgemeinde Morbach gewesen. 43 Mal haben die Aktiven Brände gelöscht, 51 Mal leisteten sie technische Hilfe. An 75 Einsätzen ist die Stützpunktwehr Morbach beteiligt gewesen.

Doch hinter den nackten Zahlen steckt mehr. Denn 2015 ist für die erfahrenen Morbacher Feuerwehrleute kein leichtes Jahr gewesen. Acht Tote - das ist die traurige Bilanz des Vorjahres. Sechs Menschen sind Opfer von Verkehrsunfällen gewesen. Dazu kommt ein Brandopfer und eine Person, die die Feuerwehrleute nach der Öffnung einer Haustür tot aufgefunden hatten. 13 Verletzte konnten von den Wehrleuten gerettet werden.

"An so viele Opfer kann ich mich während meiner gesamten aktiven Zeit nicht erinnern", sagt Morbacher Wehrführer Oliver Marx. Er blickt zurück: Ein Unfall hatte sich Ende Oktober auf der Hunsrückhöhenstraße bei Hochscheid ereignet. Bei der Ankunft an der Einsatzstelle schaut er erstmal auf das Nummernschild der Fahrzeuge. Kennst Du das Auto? Kennst Du den Fahrer? Damals war ein Mensch gestorben, eine weitere Person wurde schwer verletzt aus ihrem Fahrzeug gerettet. "Das ist schon belastend. Das vergisst Du nicht so schnell", sagt er.
Der Morbacher Wehrleiter Marco Knöppel hat das Bild nicht vergessen, das er im September bei in Hoxel vorgefunden hatte. Große Mengen Gas waren explodiert und hatten ein Haus in Brand gesetzt. Der Hauseigentümer war dabei ums Leben gekommen. "Feuer ist Feuer, aber dass ein Haus in 1000 Teile verstreut ist, das hatte ich noch nicht erlebt", sagt er.
Wie gehen die Feuerwehrleute mit solchen Ereignissen um? An der Einsatzstelle laufen Automatismen ab, sagt Marx. Da mache man das, was man gelernt habe und was beim Einsatz gefordert sei, sagt der Wehrführer. Wenn sich anschließend die Aktiven zusammensetzen, um den Einsatz zu besprechen, könne sich jeder zu Wort melden.
Neben den technischen Dingen werde auch danach geschaut, wie es den Feuerwehrleuten geht. Bei Bedarf steht ein Kriseninterventionsteam zur Verfügung, das mit den Aktiven das Geschehene aufarbeitet.

"Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke, sich helfen zu lassen", sagt Marx. Und auch der Gottesdienst, den der Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim nach einem Unfall für Rettungsdienstler und Polizisten abgehalten hatte, sei eine schöne und sinnvolle Sache gewesen. Damals starben in der Nähe des Industriegebiets Humos drei Menschen. "Solche Einsätze können keinen kalt lassen", sagt Marx. So wie einen Aktiven der Morbacher Feuerwehr, der namentlich nicht genannt werden will. "Das macht einen nachdenklich, wenn man selbst Kinder in diesem Alter hat", sagt er.

Eine große Hilfe für die Morbacher Stützpunktwehr sei die Bereitschaft der einheimischen Arbeitgeber, die Aktiven für Einsätze freizustellen. "Das ist nicht selbstverständlich", sagt Marx. So komme man durchweg auf eine Tagesstärke von mindestens 20 Personen, sagt der Wehrführer. 44 Feuerwehrleute arbeiten aktiv bei der Morbacher Stützpunktwehr mit. 219 sind es bei allen neun Wehren der Einheitsgemeinde. Dazu kommen 94 Aktive bei der Jugendfeuerwehr.

Relativ neu für die Wehrleute in den vergangenen beiden Jahren: Sie werden alarmiert, um Türen von vermissten Personen oder Menschen, die sich mutmaßlich hilflos in ihrer Wohnung befinden, zu öffnen.
Sechsmal sind die Wehrleute im vergangenen Jahr dafür im Einsatz gewesen, in den ersten beiden Monaten 2016 schon vier Mal. "Solche Einsätze hast du vor zehn Jahren noch nicht gekannt", sagt Marx.Extra

Die Feuerwehr Morbach ist vor 130 Jahren gegründet worden. Seit 40 Jahren gibt es zudem eine Jugendfeuerwehr. Beide Jubiläen werden im Rahmen des Tages der offenen Tür bei der Stützpunktwehr Morbach am 22. Mai gefeiert. cst