Einst Fahrsteig, heute Rolltreppe

Vom Lebensmittelgeschäft auf 22 Quadratmetern im Wohnzimmer bis zum Unternehmen mit 11 500 Quadratmetern Verkaufsfläche: In 60 Jahren ist der Name Bungert zur Marke geworden. Neues wagen gehört dazu. Ob das zunächst noch unbekannte Konzept "Selbstbedienung", der Rollsteig-Einbau oder erste Einkaufswagen: Bungert hatte die Nase vorn.

Wittlich. Ein Geschäft über zwei Etagen? Das war für eine Kleinstadt wie Wittlich einst innovativ. Und wie bringt man die Kunden ins Obergeschoss? Statt einer Treppe setzte das Familienunternehmen Bungert 1978 auf einen Rollsteig. Dessen flaches Metalllaufband ohne Stufen läuft sein 32 Jahren rund. "Das war damals die Sensation für Kinder aber auch Erwachsene. Damit waren wir abgesehen von Trier in der Region konkurrenzlos", erinnert sich Jürgen Bungert.

Schon vorher sorgten seine Eltern für Aufsehen: 1956 setzten sie auf Selbstbedienung, damals ein Wagnis. "Mutter war immer für Innovationen", sagt Jürgen Bungert. Sie haben sich bewährt bis heute. Heute ist allerdings der mechanische Fahrsteig ein Unikum. Jürgen Bungerts Sohn Winfried sagt: "Das ist ein Fossil und zwar eines der wenigen aus dem Baujahr, das noch funktioniert. Es wird aber auch mit einem gigantischen Aufwand am Leben gehalten, weil es die einzige Verbindung nach oben ist." Das ändert sich. Der Countdown läuft am Haupteingang und zählt die Tage ab bis zur Neueröffnung. Denn wenn der "neue Bungert" fertig ist, wird der Fahrsteig durch eine Rolltreppe ergänzt. Noch ist das insgesamt über zehn Tonnen schwere Teil eingepackt. 6750 Menschen kann es theoretisch pro Stunde befördern. In dieser Woche wird der Tüv abgenommen. Im Gegensatz zum mechanischen Veteran ist diese Anlage vollkommen elektronisch gesteuert.

Ausnahmsweise hat Bungert mit der neuen Rolltreppe, die Teil der 7,5-Millionen-Euro-Investition für den Umbau im Jahr des 60-jährigen Bestehens des Familienunternehmens nicht die Nase vorn. Im Einkaufszentrum Schlossgalerie hat diese Technik seit November 2009 Einzug gehalten. Aber es gibt noch etwas, was heute selbstverständlich zum Großeinkauf zählt, was in Wittlichs Friedrichstraße erstmals für Kunden bereitgestellt wurde. "Die ersten Einkaufswagen, die hatten wir. Auch die gab es sonst nur in Trier", sagt Winfried Bungert.

700 Stück sind es insgesamt. Und die braucht der Kunde, der ab 1. Oktober über die neue Rolltreppe am Eingang direkt zum komplett umgestalteten Obergeschoss mit dem Schwerpunkt Mode fährt, nicht mehr. Auf den 6000 Quadratmetern im ersten Stock will das Familienunternehmen neue Maßstäbe setzen. "Ein solches Angebot im Modebereich in einem Geschäft zu finden, das wird auch in Trier schwierig. Was die Markenstruktur angeht, ist das regionweit schwer vergleichbar", so Winfried Bungert.

Für die ganz jungen Kunden von heute wird dabei der Weg nach oben nicht mehr eine so spektakuläre Wirkung haben, wie einst der Fahrsteig. Jürgen Bungert erinnert sich: "Je nachdem, wie ein Kind darauf herumturnt, bleibt der Fahrsteig aus Sicherheitsgründen stehen. Das hat so mancher herausbekommen und besonders in der Ferienzeit ausprobiert. Dann hat meine Mutter immer gesagt: ,Hoffentlich fängt bald die Schule wieder an. Ich werde noch verrückt.'"EXTRA Umbau des Shopping-Centers: 7,5 Millionen Euro investiert das Familienunternehmen nach eigenen Angaben in den Umbau bei laufendem Betrieb. Im Erdgeschoss setzt Bungert auf 5500 Quadratmetern weiter auf Lebensmittel. Das komplett umgestaltete Obergeschoss bietet auf 6000 Quadratmetern den Schwerpunkt Mode. 1950 öffneten die Firmengründer Karl und Magdalena Bungert ihr erstes Lebensmittelgeschäft. 1965 zog man in die Friedrichstraße. Dort beschäftigt man über 300 Menschen. Zum Unternehmen, das Beate und Jürgen Bungert mit ihren Söhnen führen, gehört eine Tankstelle. Als Besonderheit richtet Bungert seit 20 Jahren ein Oktoberfest aus, das als das größte der Region gilt.