Einst Schmuckstück, heute Streitobjekt
Sie ist wohl Wittlichs berühmteste Meile: die Neustraße. Immer wieder gibt es hitzige Diskussionen über die Frage, ob es richtig war, sie für den Verkehr zu sperren. Der TV hat mit einer Geschäftsfrau gesprochen, die dort seit 1960 ansässig ist - und alle Höhen und Tiefen der Geschichte ihrer Straße miterlebt hat.
Wittlich. Auf den ersten Blick fällt nichts auf beim Gang durch die Neustraße. Kleine Geschäfte, die einen Kontrast bilden zu den großen Einkaufzentren. Eine Straße, die eher zum gemütlichen Bummel einlädt und weniger zum schnellen, hektischen Einkaufsspaß.Beim genaueren Blick, beim Stehenbleiben, erkennt der Kunde, dass einige Geschäfte gar keine sind. Zwar sind die Auslagen gut bestückt - mit Bildern zum Beispiel. Aber verkauft wird dort nichts. Hier geht es mehr um den schönen Schein - und der Schein trügt. Die Sachen in den Schaufenstern sollen zumindest oberflächlich darüber hinwegtäuschen, dass die Läden leerstehen. Anderen Geschäften sieht man auf den ersten Blick an, dass sie Leerstände sind. Dort sind die Schaufenster entweder leer oder durch Papier und Vorhänge verdeckt. Zurzeit sind es mindestens sechs Geschäftsräume, die in der Neustraße ungenutzt bleiben.Margret Wehner hat viele Geschäfte in der Wittlicher Neustraße kommen und gehen sehen. In letzter Zeit häufiger als früher. Denn manche Läden verschwinden genauso plötzlich, wie sie gekommen sind. 1994 kam der große Einschnitt
Seit 1960 ist Margret Wehner mit ihrem Frisörsalon in der Neustraße ansässig und kann somit einiges über Wittlichs meistdiskutierte Straße erzählen. Zum Beispiel davon, wie die Neustraße 1985 umgebaut wurde (siehe Hintergrund). Davon, dass fast zehn Jahre lang beruhigter Verkehr durch die Straße geführt wurde. "Das war sehr schön", erinnert sich die Ladenbesitzerin. 1994 kam dann der Einschnitt, der bis heute in Wittlich heiß diskutiert wird: Die Neustraße wurde für den Verkehr vollständig gesperrt. Damit begann der Ärger für Margret Wehner: "Seitdem habe ich 20 Prozent weniger Kundschaft", sagt sie. Ihren Kundenstamm hat sie sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut. Die Sperrung der Neustraße bedeute vor allem für ihre betagteren Stammkunden eine Menge Ärger. "Es gibt viele ältere Damen, die regelmäßig zu mir kommen. Die müssen allerdings mit dem Auto gebracht werden. Das ist mittlerweile sehr problematisch", sagt sie. Zudem sei es für die Geschäftsleute in der Wittlicher Innenstadt sehr wichtig, gesehen zu werden. "Die Menschen sollen Spaß haben und durch die Stadt fahren können. Und dabei springen die einzelnen Geschäfte natürlich ins Auge." Dabei würden diese Probleme nicht nur die Neustraße betreffen: "In der Burgstraße sieht es ganz genauso aus." Margret Wehner gehört zu den Geschäftsleuten der Innenstadt, die für eine probeweise Öffnung für den Verkehr plädieren. "Ansonsten verkommt die Innenstadt total und stirbt ab", prognostiziert sie. Die Neustrasse im Wandel der Zeit Seit ihrer Umwandlung in eine Fußgängerzone im Jahr 1994 ist über die Neustraße nicht nur unter Geschäftsleuten und Einwohnern heftig diskutiert worden - sie fand sich auch des Öfteren auf der Tagesordnung des Wittlicher Stadtrats wieder. Immer wieder wurde in der Stadt darüber diskutiert, ob die Neustraße probeweise für den Verkehr geöffnet werden soll. Im Juni 2002 stimmte der Stadtrat einstimmig gegen diesen Vorschlag. Im Juli 2005 gab es ein erneutes "Nein" des Rats. Damals hatten zahlreiche Geschäftsleute mit Transparenten und Schildern für eine Öffnung demonstriert. Die FDP hatte dem FWG-Antrag zur Öffnung zugestimmt, CDU, SPD und Grüne - und damit die Mehrheit - waren dagegen.