Einstimmige Entscheidung

SALMTAL. Keine reine Betreuung, sondern eine Erweiterung der Lernzeit soll die verpflichtende Ganztagsschule bieten. Matthias Richter, der Leiter der Regionalen Schule Salmtal stellte dem Verbandsgemeinderat Wittlich-Land ein entsprechendes Konzept vor.

Gut vorbereitet traten Schulleiter Matthias Richter, Konrektor Helmut Haubrich sowie Elisabeth Junker, Vertreterin der Eltern, dem Rat bei der Sitzung in der Regionalen Schule gegenüber. In langer Vorarbeit hatten sie ein Konzept entwickelt, das bei Eltern und Lehrern Zustimmung findet.Zunächst betonte Richter die große Bedeutung von Ganztagsschulen vor dem Hintergrund der Veränderungen in der Gesellschaft. Immer mehr Frauen seien berufstätig, viele Eltern seien allein erziehend, und die Familienstruktur habe sich verändert. Richter wies aber auch darauf hin, dass für den Einzugsbereich seiner Schule diese Faktoren nur in geringerem Maße zuträfen. Biete man dennoch eine offene Ganztagsschule an, werde man zum Magnet für Problemschüler, äußerte er seine Befürchtungen.Im übrigen sei man mit der derzeitigen Zahl von 500 Schülern schon an der Kapazitätsgrenze. Das Konzept, das man sich in der Regionalen Schule vorstelle, sei eine verpflichtenden Ganztagsschule, die zunächst nur für die fünfte Klasse angeboten wird. In den Ganztagsklassen sei das Ziel, die Kinder nicht nur zu betreuen, sondern die "Lernzeit zu erweitern". Dabei soll, so Richter die Eigenverantwortlichkeit gefördert und ein besseres Lernverhalten bewirkt werden."Kein Übergang im Hau-Ruck-Verfahren"

"Der Übergang darf nicht im Hau-Ruck-Verfahren passieren", stellte der Schulleiter klar. Daher habe man im Wochenstundenplan zunächst "nur" zwei Nachmittage für Unterricht vorgesehen. Die Rolle der Lehrer werde sich bei diesem Angebot verändern. "Sie sollen nicht dozieren, sondern Lernbegleiter sein." Eine Elternbefragung bei den jetzigen dritten Klassen, die als erste das Angebot in Anspruch nehmen könnten, hatte ergeben, dass sich die meisten nicht nur eine Betreuung, sondern bessere Lernerfolge und demzufolge einen besseren Schulabschluss wünschen. Natürlich brauche man später auch weitere Räume für ein solches Angebot, meinte Richter. Dies sei aber erst erforderlich, wenn die Nachhaltigkeit des Konzeptes bewiesen sei.Konrektor Helmut Haubrich erläuterte die Zahlen, die man bei der Elternbefragung zusammengetragen hatte. Danach seien zwei Drittel der Eltern für dieses Ganztagsangebot, ein Drittel wünsche die bisherige Halbtagsschule. Dem zufolge könne man ab 2004 zwei verpflichtende Ganztagsklassen und eine Regelklasse anbieten.Dass das Konzept auch dem Willen der Eltern entspricht, zeigte das Referat von Schulelternvertreterin Elisabeth Junker. Sie sah das Konzept als Chance zur Weiterentwicklung und zukunftsorientierten Unterricht. Der Schulelternbeirat habe zwar zunächst für einen Wochenstundenplan mit vier Nachmittagen plädiert, nach der Elternbefragung in den dritten Klassen habe man aber der anderen Lösung zugestimmt.Nach diesen ausführlichen Berichten zeigte sich der Verbandsgemeinderat beeindruckt. "Sehr innovativ und anspruchsvoll", lobte Angelika Brost (SPD) das Konzept. Auch Manfred Hower (FWG) äußerte die Hoffnung, dass sich das Konzept durchsetzen wird, und Marianne Kranz (CDU) sagte: "Hier wird ein vorzüglicher Inhalt geboten." Bürgermeister Christoph Holkenbrink brachte die Pläne zur Ganztagsschule abschließend auf den Punkt: "Ich denke dieser Vorschlag ist so gut, dass man ihn nicht ablehnen kann." Dies dachte offensichtlich auch der Rat und beschloss einstimmig, diese Schulform beim Land zu beantragen.