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Einzelhandel und die zweite Welle in Wittlich und Bernkastel-Kues

Wirtschaft : Der Einzelhandel und die zweite Welle

Steigende Infektionszahlen, Kontaktbeschränkungen ab Montag. Wie kommt der Einzelhandel in Wittlich und Bernkastel-Kues mit den Entwicklungen und schwierigen Umständen zurecht?

Wer in den vergangenen Tagen durch die Innenstadt von Wittlich oder Bernkastel gelaufen ist, hat es selbst schon gemerkt: Die Straßen in der Fußgängerzone sind wieder leerer geworden. Die wenigen Menschen, die unterwegs sind, tragen Maske – auch außerhalb der Geschäfte

Wenige Passanten heißt auch wenige Kunden. Wie geht es den Betrieben in der Innenstadt damit? Welche Auswirkungen haben die steigenden Infektionszahlen auf die Geschäfte? Der TV hat sich umgehört.

Wittlich „Es sind weniger Menschen geworden. Ein Stadtbummel findet kaum noch statt. Es ist eher ein gezieltes Einkaufen“, erzählt Claudia Jacoby, Inhaberin der Altstadt Buchhandlung und erste Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing Wittlich. Man habe Bedenken vor einem weiteren Lockdown, denn der hätte fatale Folgen für die Wirtschaft. „Doch ich hoffe natürlich, dass es nicht so weit kommt. Wir haben es ja eigentlich selbst in der Hand, indem wir uns an die Regeln halten.“ Obwohl man sich in den Geschäften doch selten anstecken würde, müsse der Einzelhandel unter den Folgen der Krise leiden. Das Problem seien eher private Feiern.

Über den Sommer habe sich der Betrieb wieder etwas normalisiert. Damals habe man aufgrund der niedrigen Zahlen das Gefühl gehabt, eine zweite Welle sei noch weit weg. „Jetzt sind wir besorgt, vor allem in Hinblick auf die Weihnachtsgeschäfte. Die machen einen großen Anteil des Jahresumsatzes aus. Ich hoffe, dass wir dann noch geöffnet haben können und sich die Zahlen normalisieren“, meint Jacoby.

Ihre Buchhandlung sei nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Dies sei einem treuen Kundenstamm und dem Webshop zu verdanken. „Andere Branchen, zum Beispiel die Bekleidungsindustrie, hat es da schlimmer getroffen. Was kann man jetzt noch sonst machen, außer zu lesen?“

Ursula Hofmann-Bamberger, Inhaberin der Genussecke in Wittlich, scheint am absoluten Tiefpunkt zu sein. „Seit zwei Wochen ist es totenstill in der Stadt und die Kunden bleiben aus.“ Der Sommer sei zwar nicht wie in den vergangenen Jahren gewesen, aber stets seien Kunden präsent gewesen. Auch sie hatte sich auf das Weihnachtsgeschäft gefreut, da dieses im letzten Jahr ein voller Erfolg gewesen sei. Eigentlich hätte der Lebensmittelladen im Lockdown Anfang des Jahres geöffnet bleiben können: „Aber das hat keinen Sinn gemacht. Es waren zu wenig Kunden.“ Hofmann-Bamberger sei über das Jahr voller Zuversicht und optimistisch gewesen, doch seit den vergangenen Tagen habe sich einiges verändert.

Bernkastel-Kues Im Vergleich zur Wittlicher Innenstadt ist es in Bernkastel recht belebt. Auf einem fast vollen Parkplatz stehen neben den örtlichen Kennzeichen auch Autos aus Homburg und Berlin.

Doch sei hier ebenfalls weniger los, als es normalerweise um diese Jahreszeit der Fall sei. Im Modegeschäft HS-Fashion sei im Vergleich zum Sommer etwa 50 Prozent weniger Kundschaft. „Die zweite Welle wirkt sich aus. Wir haben viel weniger zu tun als vorher,“ sagt ein Mitarbeiter.

Das liege auch an den fehlenden Kunden aus Holland und Belgien. Vom Juli bis zum September habe sich der Betrieb wieder einigermaßen normalisiert. Doch die Einzelhandelsbranche habe unter der Corona-Krise gelitten.

Auch Peter Leenders, Inhaber des Ateliers Pfauenspiel, fehlen die belgischen und holländischen Touristen. „Wir waren es gewohnt in dem Laden in drei Sprachen zu sprechen. Jetzt reden wir nur noch auf Deutsch, das ist schon ungewöhnlich“, so Leenders.

Claudia Jacoby ist besorgt um das Weihnachtsgeschäft, doch versucht optimistisch zu bleiben. Foto: TV/Myriam Kessler
Geschäftsinhaber Peter Leenders ist eigentlich daran gewöhnt, mit seinen Kunden auf drei Sprachen zu sprechen. Das ist jetzt anders. Foto: TV/Myriam Kessler

Doch das Ausbleiben der ausländischen Kundschaft sei durch die deutschen Touristen aufgefangen worden, da dieses Jahr viele ihren Urlaub in Deutschland verbracht haben. „Bis vor Kurzem haben wir nicht allzu viel gemerkt, nur dass ausländische Touristen komplett fehlen. Seit einer Woche merkt man es aber noch deutlicher.“ Leenders macht sich mehr Sorgen wegen des alljährlichen und traditionellen Weihnachtsmarktes, denn der mache viel vom Jahresumsatz aus.