Einzigartige Nachbarn aus dem Tierreich

Bernkastel-Wittlich · Der Hirschkäfer ist für uns kein seltener Anblick. Doch weltweit gesehen ist er vom Aussterben bedroht. Ein Beispiel für die vielen Schmetterlinge, Fledermäuse, Vögel und Kröten, die im Kreis Bernkastel-Wittlich leben und besonders geschützt werden müssen.

Bernkastel-Wittlich. Sie tragen Namen wie Zippammer, Spanische Flagge oder Geburtshelferkröte, sie leben unter Steinen, in Kirchtürmen oder in den Furchen, die Panzer in die Erde gegraben haben. Und sie alle sind bei uns in der Region zu Hause.
Die Frage, welche Tiere besonders geschützt sind, lässt sich nicht einfach beantworten. Denn es gibt verschiedene Richtlinien: den Bundesartenschutz, die Rote Liste und eng gefasste Artenschutzprojekte. Lange Zeit war Naturschutz Ländersache, heute aber hat man die Tiere im Blick, die für ganz Europa als Hauptverbreitungsgebiet von Bedeutung sind, erklärt Axel Schmidt von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz, die den Boden-, Gewässer- und Naturschutz bewacht. Sprich: Gibt es die Arten hier nicht mehr, sterben sie aus.
Das Programm dazu nennt sich Natura 2000. Es weist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten aus, in denen bestimmte heimische wilde Pflanzen- oder Tierarten und deren Lebensräume erhalten werden müssen. 177 solcher Gebiete gibt es in Rheinland-Pfalz; sie machen 20 Prozent der Fläche des Landes aus. Für sie gilt ein sogenanntes Verschlechterungsgebot. Die Lebensräume müssen also mindestens erhalten bleiben, und die Bestände dürfen nicht abnehmen. Folgen ergeben sich beispielsweise für die Bewirtschaftung von Forst, Grün- oder Ackerland in den Schutzgebieten.
Apollo-Wanderweg in Valwig


"Eine der Gallionsfiguren unter den Insekten ist schon seit den 30er Jahren der Apollofalter", erzählt Schmidt. In Valwig (Kreis Cochem-Zell) gibt es sogar einen 7,5 Kilometer langen Apollo-Wanderweg. Schmetterlinge fühlen sich in den warmen Weinbergslagen wohl, auch die Spanische Flagge, ein farbenfroher Nachtschmetterling. Der Hochmoor-Perlmutterfalter ist eine echte Rarität. Der Schmetterling ist seit Kurzem am Strohner Märchen zu finden, einem Trockenmaar in der Nähe des Pulvermaars, das mit Torfmoos gefüllt ist.
Versteckter mögen es die Fledermäuse. Sie ziehen die kleinen Seitentäler der Mosel vor, zum Beispiel das Kautenbachtal bei Traben-Trarbach. Die Teichfledermaus, das große Mausohr und die Bechsteinfledermaus leben in Höhlen und alten Stollen beispielsweise an der unteren und mittleren Mosel. Das Ahringsbachtal bei Enkirch ist auch die Heimat der Großen Hufeisennase und der Mopsfledermaus. Solche Täler bieten den Tieren reichlich Nahrung.
Zu den geschützten Vögeln zählen laut Schmidt der Wespenbussard, das Haselhuhn und der Uhu, zudem der Neuntöter und die Zipp ammer, ein Weinbergsvogel. Auch auf den Hirschkäfer haben Tierschützer ein Auge. Schmidt: "Er liebt Waldränder, wo alte Eichen oder Kirschbäume stehen."
In Tongruben und Kleingewässern am Mesenberg beispielsweise ist die Gelbbauchunke zu Hause. Der Kammlurch dagegen braucht tiefere Gewässer wie die Maare, die Geburtshelferkröte mag Steinbrüche, Tongruben und - wie die Gelbbauchunke - militärische Übungsplätze, der Spuren der Panzer wegen, in denen sich Wasser sammelt.
Die Groppe spielt bei den Fischen eine besondere Rolle. Sie benötigt ein Gemisch aus Sand und Kies, um am Boden ihre Eier zu legen. Ihr Bestand ging einige Jahre stark zurück, weil viele Stoffe aus der Landwirtschaft in die Bäche gelangten und sich am Boden absetzten. Mittlerweile sind vielerorts Randstreifen zwischen Feldern und Gewässern ausgewiesen worden, wo das ausgewaschene Substrat abgetragen wird. Seitdem vermehrt sich die Groppe wieder fleißig.