Elefantenherden können kommen

Zwei Millionen Euro kostet die Wildbrücke über die A 1 beim Autobahnkreuz Wittlich, weitere 2,2 Millionen Euro verbaut der Bund für die zweite Wildbrücke, die in direkter Nachbarschaft über die geplante B 50 neu entsteht. "Alles Geldverschwendung" finden Wittlicher Naturschützer.

Wittlich. "Das ist ja ein ganz schöner Aufstand für die paar Tiere", sagt Hermann Bornmüller angesichts der Wildbrücke, die über die geplante B 50 neu entsteht. "Wenn das, was man da an Bewehrung sieht, die Breite der Brücke markiert, dann sind die verrückt", entfährt es dem pensionierten Forstamtsleiter beim Anblick der Konturen des Bauwerks, das der Bund für 2,2 Millionen Euro als Ausgleichsmaßnahme für die neue Bundesstraße realisiert, da diese Lebensräume von Fauna und Flora zerschneidet. Diese Brücke entsteht abseits des Durchgangsverkehrs in direkter Nachbarschaft zur ersten Wildbrücke der Region Trier, die beim Autobahnkreuz Wittlich über die A 1 führt und Ende des Jahres fertig sein soll. Tatsächlich hat die Brücke enorme Ausmaße: 30 Meter Breite, zehn Meter Höhe und 70 Meter Länge. "Als wollten die Elefantenherden darüber treiben", wettert Bornmüller. EU-Fördertopf mit Auflagen

Anders als bei der ersten Wildbrücke, entsteht über die B 50 neu eine Bogenbrücke. "Das hat sich von der Landschafts-Topografie her angeboten, weil die B 50 neu dort in einem Einschnitt verläuft", erklärt Gottfried Schiff, Bauleiter beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier. Dass diese Brücke 200 000 Euro teurer ist als die über die A 1, hat aber nichts mit der Bogenkonstruktion zu tun. Schiff: "Das liegt am Preiswettbewerb der Bieter, der abhängig ist von der Auslastung der Baufirmen zum Zeitpunkt der Ausschreibung." Für Bornmüller und Bernd Krewer, pensionierter Revierförster, sind die beiden Wildbrücken dennoch nichts als Geldverschwendung: Sie leiten die Tiere aufs offene Feld oder in besiedeltes Gebiet und sind auf der anderen Seite durch die Bahnlinie eingekesselt, die entweder in einer tiefen Trasse verläuft und dort, wo sie für Wildtiere zu überspringen wäre, wieder auf offenes Feld führt (siehe Grafik). Statt dieser beiden Wildbrücken, die der Bund beide als Ausgleichsmaßnahme für die B 50 neu finanziert, halten Naturfreunde eine Wildbrücke über die A 1 bei Greimerath für dringend notwendig, da dort ein alter Fernwechsel des Rotwilds durch den Autobahn-Bau in den 40er-Jahren zerschnitten wurde (der TV berichtete mehrfach). Das Rotwild im Kondelwald ist seither isoliert, abgeschnitten vom genetischen Austausch mit anderen Rotwild-Populationen - langfristig sterben die Tiere aus. Doch in den Naturschutzgesetzen ist festgelegt, dass Ausgleichsmaßnahmen dort realisiert werden müssen, wo der Schaden durch den Straßenbau entsteht - und auch beim Autobahnkreuz wurden Wildkatzen gesichtet.Europa-Abgeordnete Christa Klaß hat sich kundig gemacht, ob bei Greimerath mit Hilfe der EU eine Wildbrücke nachgerüstet werden könnte, wie bereits in Österreich, Polen und Tschechien geschehen. Das Problem: Die EU zahlt über ihr Förderinstrument "LIFE+" nur maximal 50 Prozent der Kosten. Den Rest müsste das Land dazu geben. Angesichts leerer Kassen, ein schwieriges Unterfangen. Kommentar Wildwuchs im Naturschutz Eigentlich müsste es ja ein Fortschritt sein, dass inzwischen nicht mehr - wie einst bei der A 1 beim Greimerath - einfach Lebensräume durch Straßen zerschnitten werden. Doch statt die von überregionalen Fachverbänden als nötig erachtete Wildbrücke bei Greimerath zu bauen, entsteht beim Autobahnkreuz ein Wildpark, der seines gleichen sucht. Ein Beispiel mehr, wie überregulierter Naturschutz Wildwuchs statt langfristigen Naturschutz bringt - auf Kosten der Steuerzahler und der Umwelt. d.schommer@volksfreund.de