Elektroautos auf dem Vormarsch - Entscheidungsträger und ihre Wagen
Bernkastel-Wittlich · Die Autoindustrie wirbt mit spritsparenden Autos, Umweltverbände fordern mehr Elektro-Mobile. Es dürfen aber trotzdem gerne ein paar PS mehr sein. Das zeigt auch ein Blick auf die Autos von Entscheidungsträgern im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Die Wittlicher gehen dabei mutig voran: Dort hat die Stadtverwaltung einen Elektro-Renault.
Wunschdenken und Realität klaffen manchmal doch auseinander. Einerseits fordern Politiker gerne Umweltbewusstsein, werben fürs Energiesparen, setzen sich für Windkraft und Wärmedämmung ein. Andererseits dürfen es auch schon mal ein paar PS mehr sein, wenn es um die Motorisierung des Dienstwagens geht. Wer ein hohes Amt bekleidet, der fährt auch gern im großen Wagen, am besten natürlich mit Fahrer, denn dann kann man auch mal ein Glas Wein bei Empfängen trinken, oder zwei oder drei. Unsere nicht repräsentative Umfrage unter Politikern in Land und Kreis bestätigt diesen Trend. Freilich wird Wert auf spritsparende Modelle gelegt. Viele Bürgermeister fahren zudem mit ihrem Privatwagen, dessen Kilometer sie dann abrechnen. Und in Wittlich wagt sich die Stadtverwaltung an das Thema Elektro-Auto.
Den leistungsstärksten Wagen fährt natürlich Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie darf ihren BMW 730Ld Dienstwagen (Langversion) mit 258 PS auch privat nutzen. Diese Fahrten müssen in einem Fahrtenbuch festgehalten werden. Die Kosten werden als geldwerter Vorteil versteuert. Selbstredend, dass der Landeschefin auch ein Chauffeur zur Verfügung steht.
PS-mäßig ist Landrat Gregor Eibes mit Malu Dreyer auf Augenhöhe. Auch sein Dienstwagen hat 258 PS, ist aber eine Wagenklasse kleiner, denn es ist eine BMW-Limousine der Fünfer-Klasse, Modell 530 xDrive. Den kann er, so der Pressesprecher der Kreisverwaltung, Manuel Follmann, grundsätzlich auch privat nutzen. Diese Möglichkeit nehme Eibes aber nur äußerst selten in Anspruch. Im vergangenen Jahr waren das 204 Kilometer, die entsprechend der Fahrtenbuchaufzeichnungen als geldwerter Vorteil versteuert wurden. Auch Eibes hat einen Fahrer. Ob die Verwaltung Elektroautos nutzt? Bislang Fehlanzeige. Aber: "Es werden jedoch konkrete Überlegungen angestellt, den Fuhrpark um ein solches zu erweitern", so Follmann.
Die Wittlicher sind in dieser Hinsicht schon einen Schritt weiter, denn dort fährt, so Pressesprecher Jan Mußweiler, die Ordnungsbehörde der Stadtverwaltung einen Renault Kangoo Z.E. mit Elektroantrieb.
Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch hingegen setzt auf bewährte sportliche Technik aus Bayern. Er fährt einen BMW 520d Limousine mit 184 PS als Dienstwagen. Einen Fahrer hat er nicht, kann den Dienstwagen aber auch privat nutzen. Damit hat Rodenkirch 14 PS mehr als sein Amtskollege in Trier, Klaus Jensen, der sich mit den anderen Dezernenten, darunter die früher in Wittlich tätige Simone Kaes-Torchiani, zwei Mercedes Modelle, E 220 CDI und C 220 CDI mit jeweils 170 PS teilt.
Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, erklärt, dass er einen Dienstwagen der Marke Mercedes E 300 Hybrid fährt - mit 204 PS. Dieses Modell verfügt über einen Diesel- und einen Elektromotor. Einen Fahrer hat Hangert nicht, er nutzt den Wagen aber auch privat und lässt sich den geldwerten Vorteil steuerlich anrechnen. Zudem zahle er einen Eigenanteil an der monatlichen Leasingrate.
Bayern-Autos in der Mehrheit
Auch Ulrich K. Weisgerber, Bürgermeister der VG Traben-Trarbach, setzt auf die sportlichen Wagen aus Bayern. Wie Wittlichs Bürgermeister Rodenkirch fährt er einen BMW 520d efficient-dynamics-edition. Das ist aber sein Privatwagen, da die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach keinen Dienstwagen für ihre Bürgermeister vorhalte. Er erhält dafür im Gegenzug die im Landesreisekostengesetz vorgesehene km-Entschädigung.
Für den BMW habe er sich entschieden, weil Kraftstoffverbrauch und Umweltbelastung auf dem Niveau eines Kleinwagens liegen - nach Werksangaben 4,5 Liter auf 100 Kilometer. . Weisgerber: "Einen Fahrer nehme ich nicht in Anspruch." Allerdings verriet er dem TV, dass seine Frau bei Wochenendterminen schon mal diesen Part übernehme: "Dafür lade ich sie gelegentlich privat zum Essen ein." Über Elektro-Dienstfahrräder (e-bikes) werde derzeit in der VG nachgedacht.
Die Stadtwerke Wittlich haben drei Dienstwagen (Leasingfahrzeuge) in ihrem Fuhrpark, die überwiegend der Verwaltung zugeordnet sind. Hierbei handelt es sich um einen BMW 318d, 105 kW (143 PS), braun, einen Citroën C4, 84 kW (115 PS), schwarz und einen Citroën C3, 68 kW (90 PS), schwarz. Im Fuhrpark der Stadtwerke gibt es kein Elektrofahrzeug, allerdings ein mit Erdgas betriebenes Fahrzeug.
In der Verbandsgemeinde Manderscheid fährt Bürgermeister Wolfgang Schmitz einen Nissan Qashqai, 13O PS, Farbe schwarz. Das Auto ist sein Privatwagen, wie er dem TV erklärt. Um die Fahrtkosten abzurechnen, führt er ein Fahrtenbuch. Ein Elektroauto habe die VG bislang nicht.
Den ältesten Wagen fährt Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der VG Thalfang. Sein Jeep Wrangler stammt aus dem Jahr 1998, hat 2,5 Liter Hubraum und 118 PS. Es ist Hüllenkremers Privatwagen. Auch Hüllenkremer rechnet über das Landesreisekostengesetz ab. Zum Thema Elektrofahrzeuge sagt Hüllenkremer: "Elektrofahrzeuge werden in der Verwaltung und den Werken der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf nicht genutzt, das hängt damit zusammen, dass hier 21 Ortsgemeinden auf 140 Quadratkilometer verteilt sind, und hier für Elektrofahrzeuge noch zu weite Wege zurückzulegen sind."
Den schlanksten Fuhrpark hat die Verbandsgemeinde, die nach der Kommunalreform wohl am größten sein wird: Wittlich-Land. Wie Pressesprecher Herbert Billen sagt, gibt es zwei Dienstwagen, einen VW Golf, 105 PS, der vorzugsweise dem Bürgermeister Christoph Holkenbrink zur Verfügung stehe, und einen Ford Fusion mit 80 PS - beide ohne Extras.
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