Spende 84-Jährige sammlet 3333 Euro für kleine Flutopfer

Longkamp · Elfriede Bungert sammelt seit 2004 Geld für kranke Kinder. 2021 freut sie sich über ein Rekordergebnis. Die Summe geht an einen stark zerstörten Kindergarten im Katastrophengebiet an der Ahr.

 Elfriede Bungert (Mitte), der gute Engel aus Longkamp, hat die Spendensumme persönlich an der Ahr überreicht. In der Kita Rappelkiste sah die 84-Jährige vor allem leere Räume, registrierte aber auch viel Hoffnung. Andrea Engel (rechts), die stellvertretende Kita-Leiterin, und Simone Guidotti (links), die zuständige Koordinatorin, führten sie durch das Gebäude, von dem nur das Obergeschoss intakt blieb.

Elfriede Bungert (Mitte), der gute Engel aus Longkamp, hat die Spendensumme persönlich an der Ahr überreicht. In der Kita Rappelkiste sah die 84-Jährige vor allem leere Räume, registrierte aber auch viel Hoffnung. Andrea Engel (rechts), die stellvertretende Kita-Leiterin, und Simone Guidotti (links), die zuständige Koordinatorin, führten sie durch das Gebäude, von dem nur das Obergeschoss intakt blieb.

Foto: TV/Mirko Bohr

Wie immer überbrachte sie das Geld auch selbst. Ihr Schwiegersohn Mirco Bohr, der den Betrag auf 3333 Euro aufstockte, chauffierte sie vor wenigen Tagen ins Ahrtal. Der Busunternehmer aus Lautzenhausen hatte über einen Geschäftspartner, die Mercedes-Benz Niederlassung AHG-Newel in Enkirch, die entsprechenden Kontakte geknüpft. Das Autohaus hatte bereits unmittelbar nach der Flut im Juli Hilfe geleistet und Fahrzeuge in das Katastrophengebiet geschickt.

Die 3333 Euro aus Longkamp erhielt die Kindertagesstätte Rappelkiste in Ahrweiler. Von dem zweistöckigen Gebäude, in dem normalerweise knapp 110 Kinder betreut werden, ist derzeit nur das Obergeschoss nutzbar. „Etwa die Hälfte der Kinder ist derzeit in der ehemaligen Schule untergebracht“, sagt Andrea Engel, die stellvertretende Leiterin.

Von den insgesamt zwölf Kitas in Bad Neuenahr-Ahrweiler seien acht stark in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört, erläutert sie. Allein dieses Ausmaß zeigt, was sich an der Ahr in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli abgespielt hat.

„Derzeit wirkt die Ahr dagegen wie ein Bach“, berichtet Elfriede Bungert von ihren Eindrücken. Der Aufenthalt und das immer noch sichtbare Maß an Zerstörung haben sie und ihren Schwiegersohn tief bewegt. Sie sei schon vorher davon überzeugt gewesen, dass sie mit dem gesammelten Geld etwas für „Flutkinder“ machen müsse. Die stellvertretende Kindergartenleiterin habe sich auch kurz umgedreht und geschluckt, als Elfriede Bungert den großen Betrag präsentierte.

„Wir bekommen Spenden aus ganz Deutschland. Aber jede Spende ist etwas Besonderes. Es rufen wildfremde Menschen an“, berichtet Andrea Engel dankbar. Das Geld gehe an den Förderverein der Kita – unter anderem für den Kauf von Spielsachen. Denn Vieles habe die Flut mitgenommen. Das Engagement von Elfriede Bungert nötigt ihr Respekt ab. „Die Frau imponiert mir“, sagt Andrea Engel.

Die baulichen Schäden an der Kita Rappelkiste beziffert sie auf mehr als eine Million Euro. Es gebe aber die berechtigte Hoffnung, dass der Wiederaufbau im Frühjahr oder Sommer 2022 beendet sein könne. Überall an der Ahr sei der Wille zum Wiederaufbau da. Das gebe den Menschen auch die nötige Kraft, um dem Chaos zu trotzen.

Elfriede Bungert hat, wie mehrfach berichtet, ihre Sammeltouren wegen eines krebskranken, aber längst geheilten Mädchens aus ihrer Nachbarschaft begonnen. Mit dem Geld wurden Sonderwünsche erfüllt, für die es kein Budget gab.

Immer wieder hat Bungert in den folgenden Jahren betont, dass sie ihre Sammeltour so lang fortsetzt, wie es ihr gesundheitlich möglich ist. Weihnachten wird sie immerhin schon 85 Jahre alt.

Mittlerweile hat es in ihrem Leben eine Veränderung gegeben. Vor Kurzem ist sie nach Niederweiler (Hunsrück) gezogen, um noch näher bei Tochter, Schwiegersohn und Enkeln zu sein. Es schien so, als ob damit die Sammeltour 2021 auch ihre letzte gewesen sei.

Doch die Longkamper spielen da offenbar nicht mit. „Mehrere Leute haben mir angeboten, dass ich bei ihnen schlafen kann und so weiter im Ort sammeln kann“, sagt sie. Und es klingt so, als würde sie das auch tun.