Ende der Grabungen am Römerlager

Die Arbeiten in Hermeskeil am ältesten Römerlager Deutschlands enden morgen. Der Grundriss des Feldes wurde von einem Forscherteam der Universität Mainz und der Wissenschaftlerin Sabine Hornung ermittelt. Aber es stehen weitere Forschungen an, deren Finanzierung in den Sternen steht.

Hermeskeil. Hundertprozentig sicher ist das Ergebnis noch nicht, aber es ist da: "Die Gesamtgröße des Römerlagers liegt jetzt bei 30 Hektar", sagt Grabungsleiterin Sabine Hornung. Anfang August kehrten die Frühgeschichtler der Uni Mainz zur Fundstätte der ältesten antiken Garnison zurück, um weitere Erkenntnisse zu ermitteln. Ihr Ziel: Die tatsächliche Größe des Lagers herauszufinden. So ist der Annex - der Anhang des Hauptlagers - nun etwa zwölf Hektar und das Hauptlager18 Hektar groß.Noch Fragen offen


Sabine Hornung ist zufrieden mit dem Ergebnis: "Wir hatten einen sehr engen Zeitplan, aber wir haben es geschafft." Vor allem das Wetter hat den Forschern manchmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Bei leichtem Regen konnten wir durchaus weitergraben. Zeichnungen waren in der Zeit nicht möglich." Trotz allem kam es nur einmal vor, dass das Team seine Arbeit für einen halben Tag einstellen musste. Obwohl die Größe ermittelt wurde, müsste Sabine Hornung im Winter - in dieser Zeit seien die Äcker frei - erneut zur Grabungsstätte kommen, um das endgültige Ergebnis zu erhalten.
Und auch sonst gebe es an der Stelle noch einiges zu erforschen: "Um alle Fragestellungen zu klären, bräuchte ich noch um die drei Jahre", meint die Leiterin. Man könne zum Beispiel erforschen, ob die Römer ein Zeltlager hatten oder Holzgebäude. Außerdem könne man sich den Anhang des Hauptlagers (Annex) und seine Nutzung näher anschauen. "Eventuell ist in diesem Bereich eine Holzerhaltung", sagt Hornung. Über eine Holzerhaltung könne man mit ganz viel Glück die genaue Datierung des Lagers herausfinden: "Das wäre das Sahnehäubchen des Projektes."
Für Sabine Hornung ist die Arbeit an der Fundstelle eine einmalige Chance mehr über die Feldzüge der Römer herauszufinden: "Das füllt die Geschichte mit Leben."
Ob und inwieweit die Wissenschaftlerin weiter forschen kann, hängt von der Finanzierung ab. "Wir verlassen die Woche das Lager. Alle Gelder sind am Ende", sagt Hornung. Bisher wurde die Forschung großzügig unterstützt: Die Stadt Hermeskeil beteiligte sich mit 20 000 Euro und mit der Universität Mainz, der Gemeinde Nonnweiler und der Denkmalpflege in Trier kam für alle bisherigen Forschungen -, der größte Teil sind die Personalkosten, - eine Summe um die 230 000 Euro zusammen.
Ob die Finanzierung weitergeht, ist bisher unklar. "Wir möchten Frau Hornung gerne weiterhin unterstützen", meint VG-Bürgermeister Michael Hülpes. Hornung werde der Stadt die Ergebnisse im Herbst vorstellen und danach wird der Stadtrat über die weitere Finanzierung abstimmen.
"Wir würden den Platz gerne touristisch aufwerten und vielleicht am Rande des Parkplatzes eine Infostelle aufbauen", sagt Hülpes. Genauere Pläne gebe es bisher aber noch nicht. sjsMeinung

Große Chance für kleine Stadt
Ein schönes Projekt mit landesweiter Medienpräsenz. Von der Tagesschau bis zu n-tv berichtete man 2012 über das Römerlager in Hermeskeil. Die älteste Garnison Deutschlands stößt auf Interesse. Der legendäre Fund: eine große Chance für eine kleine Stadt. Nun ist das Geld zu Ende, die Forscher packen ihre Siebensachen und zurück bleibt ein leeres Feld. Höchste Zeit über die Weiterfinanzierung des Projektes zu sprechen, das Thema touristisch aufzuarbeiten und zu schauen, dass das Römerlager nicht in Vergessenheit gerät. Es wäre zu schade. Zu selten, im schlimmsten Falle nie wieder, erhält die Stadt Hermeskeil so eine Chance. s.schmidt@volksfreund.de