Energie aus der Sonnenblume

Landwirte füttern ihre Biogasanlage meistens mit Mais. Gerhard Röhl aus Manderscheid sucht eine Alternative und will das Gas aus Sonnenblumen gewinnen. Mit seinem Versuchsfeld ist Röhl Vorreiter in der Region.

Manderscheid. Die Biogasanlage lohnt sich für Gerhard Röhl vom Lindenhof. Seit zwei Jahren produziert der Landwirt Strom aus Biomasse - mit der Gülle seiner Milchkühe und Mais. Jetzt testet Röhl einen anderen Weg, um Energie zu gewinnen: Sonnenblumen. "Man hört immer, dass Mais am effektivsten ist. Aber ich wollte einfach mal ausprobieren, was die Sonnenblumen für einen Ertrag bringen", sagt der 64-Jährige aus Manderscheid.
Zum Test hat er fünf Hektar gesät, neben den Sonnenblumen wachsen außerdem Hafer, Erbsen und Wicken. "Ich hab\'s nicht mit Monokulturen", sagt Röhl. Das ist einer der Gründe, warum er eine Alternative zum Maisanbau sucht. Ein Vorteil der Sonnenblume ist, dass sie als Zwischenfrucht genutzt werden kann. "Sie passen auch besser in die Landschaft." Das entscheidende Argument gegen Maisfelder sind die verheerenden Wildschäden, die die Landwirte nicht in den Griff bekommen.
Der Anbau von Sonnenblumen sei dabei nicht besonders aufwendig. "Das ist kein großer Kostenfaktor", erklärt Röhl, die Saat sei nicht teuer. Das Feld hat er im Juli auf der Fläche angelegt, unter der eine neue Wärmeleitung verläuft. Sie liefert Abwärme der Biogasanlage in die rund 1,5 Kilometer entfernte Eifelklinik in Manderscheid (der TV berichtete).
Mit seinem Versuchsfeld ist der Familienbetrieb von Röhl "absoluter Vorreiter", sagt Manfred Zelder, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. Im Hinblick auf Biodiversität sei das Projekt in jedem Fall zu befürworten. Jetzt müsse man abwarten, wie hoch der Gasertrag pro Hektar ist.
Lohnt sich der Anbau von Sonnenblumen, will Röhl sein Versuchsfeld im nächsten Jahr erweitern - auf 20 bis 30 Hektar. Bis dahin lohnt sich das Projekt zumindest optisch. "Unsere Gäste finden die Felder schön, viele Wanderer machen Fotos von den Sonnenblumen", sagt Röhl. Und auch seine Enkel toben gerne durch die gelbfarbenen Felder. Vielleicht haben sie dafür im nächsten Jahr noch viel mehr Platz.Extra

In einer Biogasanlage wird Biomasse zur Energiegewinnung vergoren. Die Biomasse setzt sich zusammen aus Energiepflanzen wie Mais oder anderem Getreide, tierischen Stoffwechselprodukten wie Gülle und weiteren landwirtschaftlichen Reststoffen. Diese Masse wird in einem Fermenter ohne Sauerstoff und Licht von Mikroorganismen abgebaut. Bakterien bilden aus den Abbauprodukten Methan und Kohlendioxid. Das entstandene Biogas wird direkt in ein Blockheizkraftwerk geleitet oder in einer Gasaufbereitungsanlage veredelt. maf