Enge Straße bei Heidweiler ist der Friedhof der Katzenaugen

Verkehr : Der Friedhof der Katzenaugen liegt auf der L43 bei Heidweiler

Auf der L 43 bei Heidweiler werden ständig Leitpfosten umgefahren. Der TV hat nachgefragt, warum das so ist und ob die Straße ausgebaut wird.

Michael Sowart aus Binsfeld ist erzürnt. Er befährt des öfteren die L 43 von Heidweiler kommend in Richtung des Gasthofes Rothaus. Immer wieder erkennt er Leitpfosten, die neben der Straße liegen und defekt sind. „Vor kurzem habe ich mir nun einmal bei der Vorbeifahrt die dort aufgestellten Leitpfosten angesehen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass mittlerweile mindestens 88 der dort aufgestellten Leitpfosten zum Teil komplett umgefahren wurden“, erklärt er.

Auch den Schuldigen glaubt er bereits zu kennen: die großen LKWs, die tagein und tagaus von den Kies- und Sandgruben oberhalb von Dodenburg über die Straße fahren. „Die Straße wird meiner Meinung nach übermäßig von diesen Fahrzeugen genutzt.“ Die Straßenmeisterei sei hier in der Pflicht. Was ist dran an der Geschichte der defekten Leitpfosten?

Das sagt die Straßenmeisterei: Für die L 43 als Landstraße im Kreis Bernkastel-Wittlich ist die Masterstraßenmeisterei Wittlich zuständig. Diese wiederum ist dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) untergliedert. Was sagt also der LBM zur Thematik? Birgit Küppers von der Pressestelle der Landesbehörde stellt zunächst heraus, dass die Straße „im Mittel nur 5,27 Meter breit“ ist.

Außerdem hat die Straße nur einen DTV-Wert von 1071 Fahrzeugen. Das heißt, dass durchschnittlich 1071 Fahrzeuge pro Tag diese Stelle passieren. Hoch sei hingegen der Schwerverkehr-Anteil von neun Prozent. „Das heißt, es kommt sehr oft zum Begegnungsverkehr LKW/LKW und dadurch zu einem verstärkten Benutzen der Bankette.“

Das Bankett ist für viele als „Randstreifen“ bekannt. Auf diesen müssen viele Lastwagen immer wieder ausweichen. Das habe zur Folge, dass „die Leitpfosten permanent in Mitleidenschaft gezogen“ würden. Der LBM versichert, dass die Leitposten „permanent aufgestellt“ würden. Allerdings sei bei einer zweimaligen wöchentlichen Kontrolle die Haltedauer der Katzenaugen sehr gering und die Strecke mit drei Kilometern (mit 120 Katzenaugen) sehr lang.

Dadurch könne es zu Verzögerungen kommen. Dabei seien die Kosten nicht relevant und wenn die Leitpfosten defekt seien, würden diese ausgetauscht. Eine Reparatur sei nicht möglich. Außerdem würden die Autofahrer dadurch nicht gefährdet: „Die Strecke wird regelmäßig kontrolliert – Verkehrsgefährdungen durch Leitpfosten werden sofort behoben.“ Doch ist eine dauerhafte Lösung in Sicht? Eher nein. „Innerhalb der Verkehrssicherungspflicht werden die Bankette unterhalten“, sagt Birgit Küppers, „ein Ausbau ist nicht geplant“.

Das sagt die Polizei: Das Überfahren eines Leitpfostens ist ein Verkehrsunfall. Laut der Polizeiinspektion Wittlich handelt es sich dabei um ein „plötzliches Ereignis, das mit den typischen Gefahren im öffentlichen Straßenverkehr im ursächlichen Zusammenhang steht und zu einem nicht völlig belanglosen Personen‐ oder Sachschaden führt“.  Damit man von einem Verkehrsunfall spricht, muss die Schadenssumme mindestens 25 Euro betragen.

„Dieser Betrag wird bei einer Beschädigung eines Leitpfostens regelmäßig erreicht.“ Wer einen Verkehrsunfall verursacht und sich von der Unfallstelle entfernt, ohne diesen zu melden, der begeht Unfallflucht. Als Strafmaß nennt das Strafgesetzbuch „Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren“.

Klar, dafür, dass er ein Katzenauge überfährt wird niemand ins Gefängnis müssen, doch mit Geldstrafe ist zu rechnen. Aus dem Grund heraus, dass wohl viele Leitpfosten-Zerstörer den Schaden nicht melden, erklärt sich auch, dass wenige dieser Vorfälle ihren Weg in die Verkehrsunfallstatistik finden. Die Polizei Wittlich hat in ihrem System im Jahr 2018 acht Unfälle in der Gemarkung Heidweiler dokumentiert. „In der überwiegenden Anzahl handelte es sich dabei um Wildunfälle“, sagen sie.

Das sagt der Ortsbürgermeister: Hans-Josef Götten, Ortsbürgermeister von Heidweiler kennt die Problematik: „Wir sind da schon seit Jahren dran“, sagt der Ortschef. Das Problem sei, dass die Straßen schlichtweg „nicht für diesen Verkehr ausgelegt“ seien. „Aber was will man machen? Man kann ja niemandem sagen, dass er da jetzt nicht fahren darf“, erklärt Götten.

Die Lastwagen müssten gezwungenermaßen auf das Bankett ausweichen. Doch nicht nur das, Götten kennt das Problem auch aus eigenen Erfahrungen. Der Landwirt fährt öfter mit seinem Traktor über die Strecke. „Der ist drei Meter breit, das ist nochmal mehr als ein LKW“, erklärt er, „da geht dann nichts mehr, wenn dir jemand entgegen kommt.“

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