Enkirch will endlich ein Bürgerhaus
Enkirch · Der Umbau der Dorfschule in Enkirch zum Dorfgemeinschaftshaus könnte im kommenden Jahr beginnen. Darauf hofft Ortsbürgermeister Roland Bender. Vor aussetzung dafür ist, dass der Kreis das auf 1,85 Millionen Euro veranschlagte Projekt auf der Prioritätenliste oben platziert, damit das Land Fördergelder zur Verfügung stellt.
Enkirch. Es ist ein großes und teures Projekt für die 1650-Einwohner-Gemeinde. Enkirch will ein Dorfgemeinschaftshaus mit Veranstaltungssaal. Seit vielen Jahren steht daher der Umbau der alten und maroden ehemaligen Schule, die zurzeit als Vereinshaus genutzt wird, auf der Wunschliste der Gemeinde an oberster Stelle. Läuft alles nach Plan, könnten die Bauarbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2012 beginnen. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Land das Projekt fördert. Die Gemeinde erhofft sich einen 65-Prozent-Zuschuss aus dem Investitionsstock (I-Stock). In dieser Woche noch wird die Verbandsgemeindeverwaltung einen entsprechenden Antrag an den Kreis schicken - mit der Bitte, das Projekt zu "priorisieren". Das Land fördert in den Kreisen Projekte aus dem Investitionsstock. Diese stehen auf der sogenannten Prioritätenliste, einer Art Warteschlange für Geld aus dem Investitionsstock. Noch steht nicht fest, wieviele Anträge gestellt werden und welche Projekte auf der Liste oben stehen. Die Antragsfrist endet Mitte November. Danach erstellt der Kreisausschuss die Prioritätenliste.
1,85 Millionen Euro soll der Umbau der alten Schule kosten. Der Verbandsgemeinderat hat bereits Fördermittel in Höhe von 183 000 Euro zugesagt. Falls Enkirch das Geld vom Land bekommt, verbleiben knapp 500 000 Euro, die die Gemeinde aufbringen muss. Dabei ist der Ort bereits mit einer halben Million Euro verschuldet.
Ortsbürgermeister Roland Bender: "Wir können aber nicht mehr lange warten. Das Gebäude fällt sonst zusammen."
Die Umbaupläne, denen die Denkmalpflegebehörde nach vielen Diskussionen zugestimmt hat, sehen vor, dass die angebaute Turnhalle der Grundschule Enkirch in das Projekt Bürgerhaus integriert wird. Konkret: Die Bühne des Veranstaltungssaales mit 280 Sitzplätzen wird in das Dachgeschoss der Turnhalle eingebaut. Die Außenfassade bleibt, wie es die Denkmalpflege fordert, unverändert.
Nachdem im vergangenen Jahr die Dorfmoderation Enkirch angelaufen ist, haben sich mehrere Arbeitskreise gebildet, die Visionen für die Gemeinde entwickeln. Bender: "Die Bürger sind engagiert und bringen sich sehr ein. Sie erwarten nun aber auch, dass sich in Sachen Dorfgemeinschaftshaus endlich etwas tut."
Anfang der 70er Jahre wurden in dem über 100 Jahre alten Gebäude zum letzten Mal Kinder unterrichtet. Seitdem wird es als Vereinshaus genutzt.
Enkirch hat ein sehr reges Vereinsleben. In der alten Schule proben der Männergesangverein Frohsinn, die Winzerkapelle, die Winzer-, Tanz- und Trachtengruppe, das Mandolinenorchester, Gruppen der Karnevalsgesellschaft und Gymnastikgruppen des Turn- und Sportvereins. Auch der DRK-Ortsverband Enkirch-Reil und der DLRG-Ortsverband Enkirch nutzen dort Räume.
Das soll in dem neuen Dorfgemeinschaftshaus auch so bleiben. Vor allem aber bekäme Enkirch endlich einen großen und modernen Veranstaltungssaal. Bender: "Dann hätten wir alles mitten im Ort und dicht nebeneinander: Bürgerhaus, Grundschule, Kindergarten und Kirche.
Meinung
Enkirch hat es verdient
Das kleine Burg hat ein Bürgerhaus, Lötzbeuren ebenfalls und das noch kleinere Starkenburg auch. In Enkirch, nach Traben-Trarbach der zweitgrößte Ort der Verbandsgemeinde, gibt es ein entsprechendes Dorfgemeinschaftshaus mit Veranstaltungssaal nicht. Der Saal Loosen ist in privater Hand. Niemand weiß, wie lange in dem ebenfalls sanierungsbedürftigen Saal noch gefeiert werden kann. Sicher ist die Frage berechtigt: Muss so viel Geld in den Umbau der alten Schule investiert werden? 1,85 Millionen Euro - das ist eine Stange Geld. Umgerechnet auf jeden Bürger macht das über 1000 Euro. Ist es das also wert? Ja. Zum einen muss die alte Schule, ein architektonisches Juwel mitten im Ort, ohnehin saniert werden. Das kostet schon eine enorme Summe, auch ohne Einbau eines Veranstaltungssaals. Sie abzureißen geht aus Gründen des Denkmalschutzes nicht. Das Wichtigste aber: Unsere Dörfer müssen lebenswert und attraktiv bleiben - nicht nur für die Touristen, sondern auch für die Einheimischen. Enkirch hat ein sehr reges Vereinsleben. Musik, Gesang, Sport, Laientheater und Karneval wird in dem schönen Moselort groß geschrieben. Das ist ebenso Kultur wie Oper und Theater auf hoch subventionierten städtischen Bühnen. Die Vereine werden das Bürgerhaus nutzen, und die vielen engagierten Vereinsmitglieder sind sicherlich noch motivierter bei der Sache, wenn sie in Zukunft in einem großen und modernen Haus proben und dort Dorfkultur den Bürgern präsentieren können. w.simon@volksfreund.de