Entspannung an der Notarzt-Front

Seit Pfingsten ist in Morbach nachts ein Notarzt stationiert. Auch weitere Ortschaften der Umgebung werden von den neuen Notfallmedizinern mitversorgt. Rund 20 000 Menschen profitieren von der neuen Einrichtung, die täglich von 19 Uhr abends bis 7 Uhr morgens besetzt ist.

Morbach. "Pro Nacht gibt es im Schnitt einen Einsatz. Für diese Menschen ist das neue Notarzt-System schon ein Segen gewesen", freut sich der Leiter des DRK-Rettungsdienstes Eifel-Mosel-Hunsrück gGmbH, Udo Horn, der auch für den Dienstplan der Rettungsmediziner verantwortlich ist. Innerhalb der Einheitsgemeinde Morbach sei man binnen weniger Minuten beim Patienten, was früher schon mal bis zu einer halben Stunde dauern konnte, weil die Anfahrt von anderen Notarztstandorten dauerte.

30-Minuten-Grenze gilt auch weiterhin



Nicht nur die Gemeinde Morbach mit ihren Ortsbezirken wird versorgt, sondern auch Horath, Merschbach und Gräfendhron in der Verbandsgemeinde Thalfang, Wirschweiler, Langweiler, Sensweiler, Allenbach, Bruchweiler und Kempfeld in der Verbandsgemeinde Herrstein sowie Kleinich in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und Schauren in der Verbandsgemeinde Rhaunen. Grenzen des Bezirks, die sich logisch aus den Anfahrtswegen der Notarztstandorte ergeben, sind die Kreuzung Hunsrückhöhenstraße mit der L 150 am "Berghof" und die B 269 an der Blockhaus-Kreuzung. Das Wort "Grenze" hört Udo Horn jedoch gar nicht gern: "Die Rettungsleitstelle in Trier legt in jedem einzelnen Fall fest, welcher Notarzt wohin fährt, ob nur ein Rettungswagen oder gar der Hubschrauber ‚Christoph 10‘ aus Wittlich gebraucht wird. Es kann ja auch sein, dass Einsätze parallel laufen." Es gelte weiter die 30-Minuten-Grenze von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort. Die werde jedoch jetzt deutlicher und immer öfter unterschritten als früher. 20 000 Menschen können nachts beruhigter schlafen.

Ein Zeitvorteil für die Gemeinde Kleinich in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues ergibt sich zwar nicht, aber dennoch freut sich Ortsbürgermeister Burkhard Born: "Statt aus zwei, können Notärzte jetzt aus drei Richtungen kommen. Die Fahrzeit aus Simmern, Bernkastel-Kues und Morbach ist in etwa gleich."

Ortsbürgermeister Siegfried Burmann hat für Allenbach jetzt "ein sicheres Gefühl". Seine Mitbürger fühlten sich wesentlich besser aufgehoben, weil der Notarzt im Ernstfall in wenigen Minuten vor Ort sei. "Gerade für die alten Leute und Kinder im Dorf ist die Nähe des Notarztstandortes eine echte Beruhigung", findet die Merschbacher Ortsbürgermeisterin Iris Hornberg.

Meinung

Gut, aber nicht selbstverständlich

Für Morbacher ist der neue Notarzt schon beinahe Normalität. Ob man in den Dörfern außerhalb der Einheitsgemeinde sich der Tatsache bewusst ist, dass der Lebensretter seit Pfingsten möglicherweise schneller vor Ort ist als bisher? Wahrscheinlich eher nicht. Die Umlandgemeinden im Hochwald, an der Mosel und "hinterm Wald" profitieren von diesem ungewöhnlichen Projekt, auf das sich die Gemeinde Morbach, das Deutsche Rote Kreuz, Firmen und Kassen vor Wochen geeinigt haben. Das ist gut so, aber bei Weitem nicht selbstverständlich. i.rosenschild@volksfreund.deExtra Warum fliegt "Christoph 10" nicht nachts? "Die Christoph-Flotte fliegt nirgendwo in Deutschland nachts", sagt der Sprecher des ADAC in München, Jürgen Grieving. Hindernisse wie Hochspannungsleitungen stellen eine zu große Gefahr dar. Außerdem seien die Landeplätze nachts nicht ausgeleuchtet. Ausnahmen sind Verlegungsflüge von einem Krankenhaus zum anderen, bei denen die Start- und Landeplätze bekannt und ausgeleuchtet sind. Deutlicher wird Jens Richter von der ADAC-Luftrettung in Wittlich: "Es gibt Versuche mit Nacht sichtgeräten. Doch die fallen bislang unter das Kriegswaffenkontrollgesetz." Zurzeit seien einige technische Weiterentwicklungen im Gange, um Nachtflüge zu ermöglichen. (doth)