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Entwarnung in Wittlicher Afa: Metallfund ist kein Waffendepot

Entwarnung in Wittlicher Afa: Metallfund ist kein Waffendepot

Sind in Büroräumen der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende, AfA, in Wittlich Waffen sichergestellt worden? Gab es Übergriffe zwischen Flüchtlingen und AfA-Mitarbeitern? Das wird in einer E-Mail an DRK-Kreisgeschäftsführer Heinz-Werner Steffen und Prof. Dr. Karin Weiss vom Integrationsministerium in Mainz behauptet. Was ist dran? So gut wie nichts: Es wurden lediglich Metallteile gefunden.

Man stelle sich vor, es seien tatsächlich in der Wittlicher AfA Waffen sichergestellt worden. Dazu hätte es Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Mitarbeitern der Unterkunft gegeben, die eine "Bewaffnung der Mitarbeiter erforderlich machen"? Das klingt spektakulär und ist eine Behauptung, die ein anonymisierter Mailabsender an Heinz-Werner Steffen, DRK-Kreisgeschäftsführer und verantwortlich für die AfA Wittlich sowie Frau Prof. Dr. Karin Weiss, Abteilungsleiterin im Integrationsministerium, kurz vor Mitternacht am ersten Weihnachtsfeiertag zugestellt hat. Gefordert wird, dazu "kurzfristig eine Presseerklärung" zu veröffentlichen.

Der Trierische Volksfreund, bei dem die Mail auch einging, hat trotz der Feiertage den Leiter der AfA Axel Schaumburger erreicht und nachgefragt, was am Gerücht dran sei. Ergebnis: So gut wie nichts.
Axel Schaumburger sagt: "Ich habe die Angelegenheit überprüft und kann Folgendes mitteilen: Am 25. Dezember wurden in der Wohnhalle und im Außenbereich der AfA mehrere metallene Gegenstände gefunden. Es handelt sich um Rohrstücke und um einen Metallhering, sowie ein Moniereisen und eine kleine Kette und 15 große Nägel. Die Gegenstände stammen mit Wahrscheinlichkeit aus dem Auf- und Ausbau der AfA durch Firmen, die in der AfA arbeiten."

Unter anderem waren neben dem Verpflegungszelt als Übergangslösung zwei Wohnzelte errichtet worden. Sie waren von den ersten rund 100 Flüchtlingen bezogen worden. Mittlerweile seien die Zelte geräumt, heißt es und durch Unterkünfte in der Ex-Baumarkthalle ersetzt. Außerdem sind Container aufgestellt worden (der TV berichtete).
Die gefundenen Rohre könnten beim Aufbau der Sanitärcontainer und Ähnlichem verwendet worden sein. Letztere waren nahe dem ehemaligen Gartenbereich des Hela-Marktes errichtet worden. Das weitere eigentlich unspektakuläre Fundstück, die Kette, stammt laut Schaumburger wohl aus dem Innenraum der riesigen Halle. Dort sind mit Ketten die Schilder und Wegweiser an der Decke aufgehängt worden.
Weitere Mutmaßungen entkräftet der Afa-Leiter abschließend: "Es gibt keine begründeten Hinweise, dass es sich um ein Waffendepot oder Ähnliches handelt."

Nach TV-Informationen soll das Wachpersonal die Metallstücke gefunden und vorsorglich gemeldet haben. Sie sind der Polizei übergeben worden, was jedoch keinesfalls automatisch bedeute, dass sie als Waffenfund betrachtet würden. Zudem lägen Metallstücke auf dem gesamten Gelände herum.
Generell gelte: "Der Wachdienst erfüllt keine polizeilichen Aufgaben und ist nicht bewaffnet. Dies ist auch in keiner Weise beabsichtigt."
Und auch keinesfalls notwendig, wie in der E-Mail behauptet, denn es gibt bislang keinerlei bestätigte Konflikte. Der AfA-Leiter stellt fest: "Die Stimmung in der AfA ist derzeit gut und entspannt. Es gab keine körperliche Auseinandersetzung zwischen Flüchtlingen."
Deren Anzahl ist über Weihnachten auf 200 Menschen verdoppelt worden und soll im Januar schrittweise erhöht werden.

Bei der Informationsveranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft hatte Staatssekretärin Margit Gottstein im Eventum vor rund 1800 Bürgern gesagt, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass in Wittlich auch mehr als 1500 Asylbegehrende untergebracht würden. Das ist bislang keineswegs der Fall. Unter anderem lag das auch an ungelösten Problemen mit der Wasser- und Stromversorgung (der TV berichtete).

Bei der Informationsveranstaltung hatte auch die nun angeschriebene Karin Weiss vom Integrationsministerium gesprochen. Der weitere Adressat der Mail, das Deutsche Rote Kreuz in Form des DRK-Kreisverbandes betreut die Flüchtlinge in der AfA-Einrichtung. Es soll sich um die medizinische Versorgung und um die Verpflegung der Menschen sowie um psychologische Betreuung und Kinder- und Jugendangebote kümmern. Weiterhin engagieren sich unzählige Ehrenamtliche.

Dass es bislang keine nennenswerten Vorfälle gibt, ist auch deren Einsatz zu verdanken. Dennoch tauchen immer wieder Gerüchte auf, die sich als haltlos erweisen, wenn nach den Fakten nachgefragt wird. So hieß es im Vorfeld der Öffnung der AfA, der DM-Markt und Müller Drogerie würden schließen, was von den Unternehmen als völlig aus der Luft gegriffen zurückgewiesen wurde (der TV berichtete).
Der anonyme Mailabsender des aktuellen "Waffen-Gerüchts" hat sich auf TV-Nachfrage nicht mehr gemeldet.