Entweder gern oder gar nicht

Bernkastel-Kues · Heinz Eckstein, etliche Jahre Beigeordneter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und pensionierter Finanzbeamter, geht auf in seinem Hobby, dem Weinbau - und in seinem Engagement für die Partnerschaft mit dem polnischen Otmuchów.

Bernkastel-Kues. Beruflicher Ruheständler ist Heinz Eckstein bereits seit vier Jahren. Am 1. August 2007 begann für ihn - nach 46 Berufsjahren - ein neuer Lebensabschnitt. Abgesehen von seiner Lehre in einem Betrieb für Kellereiartikel war er davon 43 Jahre Finanzbeamter in Bernkastel-Kues. Doch so richtig zur Ruhe gesetzt hat sich der 64-Jährige noch immer nicht, obschon er aus gesundheitlichen Gründen inzwischen kürzer tritt.
Kommunalpolitisch aktiv ist der Christdemokrat noch als Mitglied des Stadtrats Bernkastel-Kues und des Partnerschaftskomitees Bernkastel-Kues/Otmuchów (siehe Extra). Die Verbandsgemeinde und die polnische Stadt pflegen seit 1993 eine Partnerschaft, für die sich Eckstein seit seiner Zeit als Beigeordneter (2001 bis 2008) engagiert. Dass ihm die Stadt nun die Ehrenbürgerschaft verliehen hat, ist für ihn eine große Ehre. Denn bisher wurde diese Auszeichnung nur zwei Personen zuteil: Renate Khoschlessan, die Otmuchów einst als Partnergemeinde vorgeschlagen hatte, und Rainer Grün. Der 2010 gestorbene Grün war von 1992 bis 1999 und damit zur Zeit der Partnerschaftsgründung Bürgermeister der Verbandsgemeinde.
Erstmals in Berührung gekommen mit der Arbeit des Komitees war Eckstein 2002. Damals war der polnische Chor Talis Cantus an der Mosel zu Gast. Im gleichen Jahr besuchte er mit Bürgermeister Ulf Hangert erstmals das Blumenfest in Otmuchów. Seit 2003 kümmert er sich um die Organisation der gegenseitigen Besuche - und das nicht nur als Rosenliebhaber mit großer Freude: "Darin gehe ich auf -- das mach\' ich richtig gern." Daher sieht er diese Aufgabe auch nicht als Belastung. Entweder er mache etwas gern oder er mache es gar nicht, sagt Eckstein, der vor Jahren auch ab und an als Nikolaus von Kues auftrat - gemeinsam mit Jürgen Kettern als Bernkasteler "Doctor".
Kommunalpolitisch aktiv ist der gebürtige Graacher seit 1989. Erst war er Mitglied des Ortsbeirates Kues, ab 1994 dann des Verbandsgemeinderates, dem er bis zu seinem Austritt Ende 2010 angehörte. Die Doppelbelastung in Stadt- und VG-Rat sei ihm zuviel geworden, begründet er diesen Schritt. Auch als Privatmann tritt er kürzer. Zwar ist er noch inaktives Mitglied in örtlichen Vereinen. Doch aktiv ist er nur noch für den Seniorenverband BRH (Bund der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen) tätig, in dem er Kreisvorsitzender ist. Selbst seine 35-jährige aktive Zeit als Musiker der Harmonie Graach ist zu Ende - ebenso wie der 50-jährige Einsatz beim Bernkasteler Weinfest. "Man möchte auch mal ein bisschen Luft haben zum Durchatmen", sagt der Vater einer erwachsenen Tochter. Von seinen Weinbergs parzellen - eine liegt unmittelbar am Wohnhaus - trennt sich der aus einem Nebenerwerbsweinbaubetrieb stammende Hobbywinzers jedoch nicht. "Darin gehe ich auf - das ist ein Ort der Entspannung."Die polnische Stadt Otmuchów pflegt seit 1993 eine Partnerschaft mit der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Otmuchów hat mehr als 5000 Einwohner und bildet eine Stadt- und Landgemeinde, in der rund 15 000 Menschen leben. Die Stadt liegt im Landkreis Nysa der Woiwodschaft Opole (Oppeln). Die Woiwodschaft ist Partnerregion von Rheinland-Pfalz und eine von 16, deutschen Bundesländern vergleichbaren, Verwaltungseinheiten in Polen. Sie umfasst elf Landkreise mit 71 Gemeinden sowie die kreisfreie Stadt Oppeln an der Oder. urs