Entwicklungsagentur ade

Die Leitungsposition der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues ist mit dem Weggang von Sandra Heckenberger vorerst verwaist. Heckenbergers Fazit: Die Stadt hat unglaublich viel Potenzial.

Bernkastel-Kues. Die Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues ist erst etwas mehr als vier Jahre alt. Die personelle Fluktuation ist aber schon groß. Mehrere Mitarbeiter, meist frisch von der Hochschule und mit Zeitverträgen ausgestattet, haben die Entwicklungsagentur als Sprungbrett genutzt, bei finanziell besseren Angeboten zugegriffen und Bernkastel-Kues wieder verlassen.

Am längsten hat Sandra Heckenberger durchgehalten. Noch während ihres Studiums der Fremdenverkehrsgeografie hat sie im März 2005 ein Praktikum begonnen. In dieser Zeit schrieb sie auch ihre Diplomarbeit und wurde am 1. April 2007 Leiterin der Entwicklungsagentur. Doch auch die Tätigkeit der 27-Jährigen ist seit wenigen Tagen beendet. Anfang Februar wird sie bei der Verbandsgemeinde Simmern Geschäftsführerin des neuen Bereichs "Standortmanagement" und für Tourismus, Kultur und Wirtschaftsförderung zuständig sein (der TV berichtete).

Vorzeigeobjekt ist das Bernkast'ler Fenster

Die Arbeit der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues ist langfristig angelegt. Die Vermeidung von Leerständen und die Ansiedlung neuer Geschäfte ist ein Dauerauftrag. Die Tafel in den Büroräumen hängt voller Zettel. Auf ihnen ist vermerkt, welche Projekte laufen und welche Ideen es gibt. "Nicht jedes Gespräch führt zum Erfolg. Die Immobilienbesitzer entscheiden, was geschieht," erläutert Heckenberger.

Neben der Innenwirkung gibt es eine Außendarstellung. Die Entwicklungsagentur hat sich 2007 und 2008 mit Erfolg bei der Bundesinitiative "Deutschland — Land der Ideen", beim Ideenwettbewerb "Lebenswerte Innenstädte — Initiativen die bewegen" und um den Handels-Innovations-Preis beworben und damit bundesweit Aufmerksamkeit erzeugt.

Auch Projekte wie die Zertifizierung der Betriebe, der Service-Oscar, die Schaufensterwettbewerbe, die Stadtgalerie und der Geschenkgutschein stoßen auf große Resonanz. Mittlerweile gelinge es sogar, viele Projekte rezufinanzieren, sagt Heckenberger.

Vorzeigeobjekt ist das Bernkast'ler Fenster. Aus einem leer stehenden Geschäft entwickelte sich ein kleines Kaufhaus mit derzeit 13 Anbietern und einem Jahres-Umsatz von 160 000 Euro. "Ich hatte die Zeit, um das Vertrauen der Akteure zu gewinnen", zieht Sandra Heckenberger Bilanz. "Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Die Stadt hat unglaublich viel Potenzial." Über die Neubesetzung der Stelle wird in den nächsten Tagen entschieden.

EXTRA
Die Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues ist ein eingetragener Verein. Ihr gehören derzeit 113 Mitglieder (Immobilienbesitzer, Geschäftsleute, Gastronomen, Hoteliers, Privatleute) an. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 180 Euro. Die Stadt beteiligt sich mit einem Zuschuss, der 2008 bei 60 000 Euro lag. Zudem bezahlt sie den Leiter der Entwicklungsagentur. Die Einrichtung hat vielfältige Aufgaben. Dazu gehören Leerstands-Management, Altstadt-Sanierung und diverse Qualitätsoffensiven. Hier werden aber auch Konzepte für Themenwanderwege und für die Burg Landshut erarbeitet. cb