Epileptiker verzichtet auf Führerschein und fährt trotzdem
Cochem · Freiwillig hatte ein Mann 2007 auf seine Fahrerlaubnis verzichtet, weil er wegen epileptischer Anfälle ungeeignet zum Autofahren war. Zerknirscht saß der 38-Jährige aus einem Eifelort jetzt auf der Anklagebank beim Amtsgericht in Cochem, weil er zweimal von der Polizei beim Fahren erwischt worden war.
Die traurige Lebensgeschichte des vorbestraften Angeklagten löste bei Staatsanwältin und Richter Mitleid und Verständnis aus, so dass das Urteil gnädig ausfiel. Obwohl die Taten während einer Bewährungszeit geschahen, wurde die Strafe von fünf Monaten Haft noch einmal für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Dass der Mann sich unerlaubt hinters Steuer gesetzt hatte, begründete er damit, dass er bereits seit einigen Jahren aufgrund neuer Medikamente keine epileptischen Anfälle mehr habe. Allerdings fehle ihm das Geld für einen Test zum Neuerwerb des Führerscheins. Als selbstständiger Subunternehmer in der Baubranche könne er aber nur Geld verdienen, wenn er mobil sei.
Als er beim Aufräumen zufällig einen alten Führerschein wiederfand, war die Versuchung größer als das Unrechtsbewusstsein. Die Staatsanwältin zeigte Verständnis für "diese große Verlockung", warnte den Angeklagten aber eindringlich: "Sie stehen schon mit einem Bein im Gefängnis." Bei dieser Aussicht sackte der Mann auf der Anklagebank noch mehr zusammen: "Bloß kein Gefängnis mehr! In der ehemaligen DDR war ich im Jugendgefängnis, nur weil meine Mutter ausreisen wollte." Amtsrichter Wilfried Johann gab dem Mann eine Chance, weil er seiner Reue glaubte: "Auf der Sonnenseite des Lebens standen sie bislang nicht." Zu den prägenden Jugenderlebnissen in der DDR seien die gesundheitlichen Probleme gekommen. Als Auflage gab Johann dem Angeklagten 100 Stunden gemeinnützige Arbeit mit auf den Weg. bme