Erfahrungen eines Einwanderers
WITTLICH. (peg) In Deutschland leben etwa 15 000 Israelis. Eran Bar-Am ist einer von ihnen. In der Synagoge wird er von seinen Erfahrungen in diesem Land erzählen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Eran Bar-Am in einem fremden Land lebt. Seit Generationen wechselt seine Familie den Platz, an dem sie lebt. Ursprünglich stammen die Bar-Ams aus Osteuropa. Vor dem zweiten Weltkrieg wanderten sie nach Argentinien aus. Einige Jahrzehnte später zog es sie nach Israel, wo 1974 Eran zur Welt kam. Der wuchs größtenteils in Tel-Aviv auf, verbrachte jedoch auch drei Jahre in Südamerika. Seine Schulzeit beendete er auf einer internationalen Schule in den USA, wo er den ersten indirekten Kontakt zu Deutschland knüpfte. Er hatte das Mädchen kennen gelernt, das später seine Frau werden sollte. Sein Chef kommt aus Hasborn
Seit drei Jahren lebt die Familie nun in Bonn. "Unser erster Sohn wurde noch in Israel geboren", berichtet der stolze Vater, "der zweite bereits in Deutschland." Auf internationalem Terrain bewegt sich auch "Simon - Kucher & Partners", die auf Marketing und Strategie spezialisierte Firma, für die Eran Bar-Am arbeitet. Am morgigen Dienstag besucht er zum ersten Mal Wittlich: In der Synagoge wird er über die Gedanken und über die Erfahrungen sprechen, die ein Israeli in Deutschland macht. Angeregt hat den Vortrag mit anschließender Diskussion sein aus Hasborn stammender Chef, Prof. Hermann Simon, der wiederum den Leiter des Emil-Frank-Institutes, Prof. Reinhold Bohlen, persönlich kennt. Mischpoche, Jaffakisten, Tohuwabohu oder Chuzpe: Wenn Bar-Am Begriffe wie diese hört, amüsiert ihn das sehr. Diese sprachlichen Überschneidungen sind Botschafter der starken Verknüpfung zwischen der christlich-deutschen und der jüdisch-israelischen Kultur. In seinem inzwischen beachtlichen deutschen Bekanntenkreis nimmt Bar-Am dennoch neben aller Offenheit und Neugier auf Israel und seine Bewohner deutlich auch eine Verunsicherung wahr. Negative Erfahrungen mit Neonazis hat er selbst noch keine gemacht. Aber er bekennt: Sehr wohl setze er sich damit auseinander, einmal welche machen zu müssen. Womit die Diskussion um die Begrifflichkeiten eröffnet wäre: Jude oder Israeli, Traditionen oder Religion, wie definiert er sich selbst, wie wird er von außen definiert, sind die Vorstellungen deckungsgleich? Mit Eran Bar-Am hat Reinhold Bohlen einen Mann für die Vortragsreihe des Institutes gewonnen, der als "ganz normaler" Einwanderer nach Deutschland gekommen ist: eben nicht als Verfolgter, nicht als Flüchtling aus den GUS-Staaten. Die Firma, für die er arbeitet, hat unter anderem die Bahn Card entwickelt und Niederlassungen in zehn Hauptstädten auf dem ganzen Globus. "Deshalb haben wir diesmal gezielt auch Vertreter aus in der Region ansässigen Betrieben eingeladen", berichtet Bohlen. Vielleicht können von der Synagoge aus also auch wirtschaftliche Impulse ausgehen: ein Zeichen gelebter Normalität und Entspannung zwischen den Kulturen. Der Vortrag ist am Dienstag, 25.Oktober, 20 Uhr, in der ehemaligen Synagoge, Himmeroder Straße in Wittlich.