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Erich Kästners kurzgefasster Lebenslauf

Erich Kästners kurzgefasster Lebenslauf

Musikalisch und kabarettistisch hat Hans Georgi, das Werk Erich Kästners unter das Motto "Die Welt ist rund- Erich Kästner für Erwachsene" gestellt. Dabei konnten die Besucher Persönliches über den Schriftsteller erfahren, bekanntere und eher unbekannte Gedichte hören, und sich die Aktualität der Werke vor Augen führen lassen.

Wittlich. Jedes Kind kennt Erich Kästner. Das doppelte Lottchen, Emil und die Detektive, das fliegende Klassenzimmer oder die Konferenz der Tiere sind längst Klassiker. Die lyrische Hausapotheke steht bei dem ein oder anderen Erwachsenen im Regal, und hilft bei mancherlei Leiden.
Doch Erich Kästner hat auch Dreh- und Hörbücher geschrieben, war Satiriker und hat mit seiner genauen Beobachtungsgabe die politische und gesellschaftliche Situation präzise beschrieben. Beim Erich-Kästner-Abend in der Stadtbücherei hat sich Hans Georgi mit den eher unbekannten Seiten des Schriftstellers befasst, hat immer wieder einen aktuellen Bezug zu seinen Werken aufgezeigt und mit Liedern, Gedichten und Einbeziehung des Publikums den Abend abwechslungsreich gestaltet.
Kästner liebte beispielsweise Vorworte, er sagte im Buch "Als ich ein kleiner Junge war": "Ich bin nicht dafür, dass die Besucher gleich mit der Tür ins Haus fallen. Es ist weder für die Besucher gut, noch fürs Haus. Und für die Tür auch nicht." So startet Georgi denn auch mit einem Telefongespräch mit Erich Kästner. Darin erzählt er, dass er Skat spielt mit Franz-Josef Strauß, Matthias Richling und Johannes Rau, denn "Wenn der Abend naht, spielt man Skat." Gesungen hat er das patriotische Bettgespräch. Darin heißt es unter anderem: "Jawohl, wir sollten Kinder fabrizieren, fürs Militär. Und für die Industrie. Zum Löhne senken. Und zum Kriegverlieren.... Wer nicht zur Welt kommt, wird nicht arbeitslos." Damit spannte Georgi den Bogen zur aktuell hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Italien.
Auch die Arbeitssituation, in der immer mehr Produktivität gefordert wird und ein immer schnelleres Arbeiten, ist heute genauso gegenwärtig wie zu Kästners Zeiten, der es in einem Gedicht beschrieb. Soziale Ungerechtigkeit ist in seinem Weihnachtslied, chemisch gereinigt, Thema. Dort heißt es: "Morgen, Kinder wird's nichts geben, nur wer hat, kriegt noch geschenkt. ... Morgen kommt der Weihnachtsmann. Allerdings nur nebenan."
Die 50 Besucher der Lesung sangen den Refrain mit. Kästner, der mitangesehen hat, wie seine eigenen Bücher verbrannt wurden, ist auch mehrfach von den Nationalsozialisten verhaftet worden. Er ging nicht ins Exil, weil er sehr mit seiner Heimat verwurzelt war. Dass er sich nicht gegen die Bücherverbrennung gewehrt hat, erklärte er später damit, dass er das nicht überlebt hätte und er lebend für das Regime unbequemer war.
Den Gästen gefiel der Abend sehr gut. Mareile Brunin meinte: "Hans Georgi hat eine sehr angenehme Stimme, die klingt wie eine Mischung aus Reinhard Mey und Udo Jürgens." Julia Fedosov wollte sich den Abend ebenfalls nicht entgehen lassen.
Sie sagt: "Ich kenne die Literatur von Erich Kästner seit der Grundschule, jetzt wollte ich noch einmal einen Überblick über sein Werk bekommen. Die Kombination aus Musik, Sprache und den aktuellen Bezügen gefällt mir sehr gut." Die Musik des Abends, die Georgi vorträgt, wurde von Erich Kästners Sohn Thomas geschrieben, der Musiker ist. Kästners Lebenslauf lässt Georgi immer wieder mit einfließen, beispielsweise erfuhren die Besucher, dass er ein intensives Verhältnis zur Mutter hatte, sich mit den Frauen schwer tat und im Alter Alkoholprobleme hatte.Erich Kästner

Kindernachricht

Erich Kästner ist ein Schriftsteller, der Bücher und Gedichte aber auch Theaterstücke und Drehbücher für Filme geschrieben hat. Er konnte besonders gut beobachten und hat die Dinge, die er gesehen hat aufgeschrieben. Er hat für Kinder und Erwachsene geschrieben. In seinen Kinderbüchern gibt es Jungen und Mädchen, die alle auf ihre eigene Art und Weise mutig sind, ängstlich, hilfsbereit oder einfach nur unmöglich. Es gibt wundersame Erlebnisse, seltsame Personen und vor allem eines: Freundschaften. Das Besondere an Kästners Kinder- und Jugendbüchern ist, dass er sie nicht aus der Sicht des Erwachsenen, sondern der Kinder verfasste. Er versuchte, sich in ihre Gedankenwelt hinein zu versetzen. Zu seinen berühmtesten Kinderbüchern zählen das doppelte Lottchen oder das fliegende Klassenzimmer. chb