Erinnerung an den ersten Arzt

Der aus Manderscheid stammende Heimatkundler Friedbert Wißkirchen befasst sich im nachfolgenden Artikel mit der Familie Walscheid.

Manderscheid. Ein massiver Gedenkstein an der Umfassungsmauer der Pfarrkirche St. Hubertus gegenüber dem Haus Kirchstraße 34 erinnert an Johann Heinrich Walscheid.
Johann Heinrich Walscheid erhielt 1756 bereits die Zulassung als Arzt, im Alter von 19 Jahren. Als Wundarzt und Chirurg war er seit den 1780er Jahren in und um Manderscheid tätig, nachdem er zuvor neun Jahre als Militärarzt in österreichischen Diensten stand. Vermutlich war er auch Amtschirurg des kurtrierischen Amtes Manderscheid, denn er nahm als Arzt an Musterungen teil.

Stadt geschichte(n)



Die Familie Walscheid stammt aus Niedermanderscheid und gehörte zu den bedeutendsten Familien Manderscheids. Die Eltern von Johann Heinrich waren Adrian Walscheid und Anna Catharina, geborene Otten. Die Initialen A. W. sind auf dem Türsturz des Pfortenhauses, Mühlenweg 1, Niedermanderscheid, mit der Jahreszahl 1769 eingemeißelt.
Adrian Walscheid war ein bedeutender Tuchmacher und betrieb unter anderem eine Walkmühle. Sein Bruder Hans Matthias Walscheid war Spezialeinnehmer und Gerichtsschöffe.
Der Arzt Johann Heinrich Walscheid, geboren 1737, war mit Anna Maria, geborene Theisen (aus Daun), verheiratet und praktizierte in einem heute noch vorhandenen Haus in der Lieserstraße 8. Deren Sohn Johann Matthias war 55 Jahre Pastor in Üdersdorf, ein weiterer Sohn, Peter Josef, Pastor in Großlittgen und Spangdahlem.
Der dritte Sohn Dr. Johann Heinrich Walscheid trat in die Fußstapfen des Vaters, promovierte 1838 an der Universität Gießen zum Doktor der Medizin und wanderte 1846 zusammen mit seiner Frau Maria Katharina, geborene Bauer, auf dem Schiff "Doris" nach Nordamerika aus.
Der Gedenkstein steht auf einem Sandsteinpodest. Bis Ende des 19. Jahrhunderts soll dieser Grabstein in der Pfarrkirche gestanden haben. Mit dem Abriss der alten Pfarrkirche 1967 musste der Gedenkstein seinen angestammten Platz - rechts neben dem Eingang im Glockenturm - verlassen. 1968 wurde er an den jetzigen Standort versetzt. Durch Witterungseinflüsse haben Sandstein und Schrift sehr gelitten. Die Inschrift des Gedenksteins - nur noch schwer oder im unteren Teil nicht mehr zu entziffern - lautet:

HIER LIEGT BEGRABEN
JOHANN HEINRICH WALSCHEID. PRACTISCHER
ARZT AUS MANDERSCHEID. GEBOR. D. 16. XBR.
1737 IM THAL DER GRAFSCHAFT NIEDERMAN-
DERSCHEID. IN FRÜHERN ZEITEN ACHT JAHRE
UND NEUN MONATHE MILITAERARZT IN KK
ÖSTERREICHISCHEN DIENSTEN UNTER DEMNIEDERLÄNDISCHEN REGIMENT GRAFEN V:
ARBERG. GESTORBEN AM CHARFREITAGE
DEN 4. APRILL 1828 DES MORGENS 7 UHR.
FRÜHZEITIG MIT ALLEN H. STERBESACRA-MENTEN VERSEHEN (IM) HOHEN ALTER
VON 91 JAHREN AN DEN FOLGEN (DER, EINER) MAGEN
(UNLESERLICH) ...SCHWÄCHE
R. I. P.
Im oberen Teil des Gedenksteins, in der Mitte, ist in einem Medaillon, Gottvater als göttlicher Richter dargestellt. Links davon ein Totenkopf mit Sanduhr, der die Vergänglichkeit menschlichen Lebens symbolisiert. Rechts vom Medaillon ein Aesculapstab mit Schlange, das Symbol des Arztberufes.