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Erinnerung an ein verschwundenes Bauwerk

Erinnerung an ein verschwundenes Bauwerk

Rund 350 Jahre lang hat die Burg Ottenstein das Stadtbild von Wittlich geprägt. Erinnert wird an dieses Gebäude und das später gebaute Schloss Philippsfreude in einem neuen Sonderdruck des Archäologen Dr. Joachim Hupe. Er dokumentiert damit seine Grabungen.

Wittlich. Nur wenig ist heute noch von dem prächtigen Gebäude, die früher im Zentrum von Wittlich standen, zu erahnen. Die Burg Ottenstein, im Jahr 1424 durch den Bauherrn, den Trierer Bischof Otto von Ziegenhain vollendet, bestand 350 Jahre. Allerdings war sie in den letzten Jahren ihres Bestehens im 18. Jahrhundert in sehr schlechten Zustand. Feuersbrünste hatten dem Bau zugesetzt.
Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff machte sich 1756 zu Beginn seiner Regierungszeit ein Bild von der Burg. Es wird vermutet, dass dabei der Entschluss reifte, die Reste abzutragen und etwas Neues zu bauen. Die Pläne des Hofbaumeisters Johannes Seiz, auf dem Fundament der Burg ein ähnliches Gebäude zu errichten, wurden verworfen. Es entstand schließlich das im Rokoko-Stil erbaute Schloss Philippsfreude nach den Plänen des französischen Architekten Jean Antoine, bei dem aber die Kellergewölbe beibehalten wurden. Dieses bestand aber nur bis zum Jahr 1804, in dem es abgerissen wurde.
Trotzdem hat der von Johannes Seiz geschaffene Plan heute noch große Bedeutung. Denn eine zeitgenössische Ansicht der Burg Ottenstein gibt es nicht. Es existiert nur eine Rekonstruktion des Frankfurter Architekten Claus Mehs aus dem Jahr 1943, die auf diesen Plänen beruht. Heute ist das Wissen um die früheren Bauwerke noch fundierter dank Grabungen, die vor und während des Baus der Schlossgalerie gemacht wurden.
Dr. Joachim Hupe hat die Funde aufgezeichnet und ausgewertet. Veröffentlicht wurden die Erkenntnisse in der "Trierer Zeitschrift", einer Publikation des Rheinischen Landesmuseums Trier zu den Themen Archäologie und Kunst. Jetzt gibt es diese Abhandlung über die Grabungen und Erkenntnisse in Wittlich auch in einem Sonderdruck. Dieser wurde vom Rheinischen Landesmuseum Trier mit Unterstützung der Stiftung Stadt Wittlich in einer Auflage von 300 Stück gedruckt.
Neben den Darstellungen von Claus Mehs und dem Gemälde von Bernhard Gottfried Manskirch aus den frühen 1760er Jahren vom Schloss Philippsfreude sind in dem Heft unter anderem Grundrisse der früheren Bauten zu finden.
Aber auch Bilder der Ausgrabungen von Überresten der Rundtürme gibt es. Diese zeigen einen Eindruck von dem Bau, der laut Hupe unter anderem zwei wuchtig vortretende runde Ecktürme an der Ostseite hatte, die ab dem zweiten Obergeschoss achteckig ausgeführt waren. Einen kleineren Rundturm muss es an der Nordwestecke gegeben haben, von der aus eine nach Westen abgehende Wehrmauer mit Toranlage den Zugang zum Burghof abriegelte.
Die Funde am Südosttrum haben weitere spannende Erkenntnisse zu Tage gebracht. Dort muss ein gewölbter 5,50 Meter hoher Kellerraum mit der Funktion eines Verlieses gestanden haben. Nur von oben durch ein so genanntes Angstloch wurden die Häftlinge versorgt.
Diese Funde sind heute zwar dokumentiert, sie sind aber letztendlich dem Bau der Schlossgalerie zum Opfer gefallen. Das , was bei der Vorstellung des Sonderdruckes mehrfach bemängelt wurde. Nur ein historischer Fußabdruck, also ein Grundriss auf dem Gelände, soll künftig an die früheren Gebäude erinnern.
Der Sonderdruck ist in den Wittlicher Buchhandlungen erhältlich.Extra: Nachricht für Kinder

Burgen und Schlösser sind eine spannende Sache. Denn da kann man sich ein wenig vorstellen, wie die Menschen früher gelebt haben. Und solche alten Gebäude sehen oft viel prächtiger aus, als moderne Bauten. In vielen Orten um Wittlich herum, kann man Burgen oder zumindest noch Überreste finden. In Bernkastel gibt es die Burg Landshut, in Manderscheid gibt es eine große Burg und auch in Traben-Trarbach gibt es noch Reste von der Grevenburg. Wittlich hat früher auch so ein tolles Gebäude gehabt. Davon sieht man heute aber nichts mehr. An der Stelle steht jetzt die Schlossgalerie, ein Einkaufszentrum. Das ist schade, denn so eine alte Burg wäre schon schick für die Stadt. noj