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Erinnerung an jüdische Mitbürger

Erinnerung an jüdische Mitbürger

In Mülheim sollen Stolpersteine an ehemalige Mitbürger erinnern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Den Spuren, die sie im Ort hinterlassen haben, gehen derzeit zwei Bürger nach.

Mülheim. Die Erinnerungen mögen verblassen. Doch viele Personen oder Ereignisse haben sich im Gedächtnis von Klaus Lutz eingeprägt. Gerade so, als wäre das alles erst vor wenigen Tagen und nicht bereits vor mehr als 70 Jahren passiert. Bis heute hat der 85-Jährige nicht vergessen, wer seiner Mutter half, als sie wegen des Hochwassers mit ihren beiden Söhnen das Haus verlassen musste. Eine nicht-jüdische Familie habe sie abgewiesen — trotz leerstehender Wohnung im Haus. Anders als der jüdische Metzger Eduard Meier, der seinen älteren Bruder aufgenommen habe. Er selbst hatte später das Glück, mit Apfelsinen verwöhnt zu werden. Damals hätten am Moselufer immer Paddler gezeltet, denen er dann gezeigt habe, wo sie einkaufen könnten. Paula, die jüdische Lebensmittelhändlerin, zeigte sich dafür erkenntlich. "Wer bekam schon in den 1930er Jahren Südfrüchte", weiß Lutz noch heute zu schätzen.

Die positiven Erfahrungen mit Menschen jüdischen Glaubens setzten sich sogar während seiner Kriegsgefangenschaft in Irland fort. Dass er bereits 1948 wieder zu Hause war, verdankt er einem 1938 von Boppard nach Amerika ausgewanderten jüdischen Sergeanten. Dabei habe der ihn anfangs gar nicht leiden können. "Sie sind einer von denen, denen nicht mehr zu helfen ist", habe er immer zu ihm gesagt.

In Erinnerung geblieben sind Lutz aber auch viele andere jüdische Mitbürger. So etwa der Dorfarzt Bassfreund, der auch ihn behandelt hatte. Als Sechsjähriger beobachtete er, wie der Sarg des verstorbenen Arztes mit der "Pont", der früheren Fähre, weggebracht wurde.

Rechtzeitig nach Amerika ausgewandert



Ebenso erinnert er sich an Familie Allmeier, die im späteren Geschäftshaus Jedlinsky lebte, einer früheren Weinkellerei. Sohn und Tochter der Familie waren rechtzeitig nach Amerika ausgewandert. Der Name resultiert aus einem Missverständnis im Meldeamt, wo das Familienoberhaupt mit den Worten "wir heißen all Meier" vorstellig geworden war. Diese Anekdote ist in dem Buch "Mülheim Mosel — Ein Jahrhundert in Bildern" nachzulesen — erschienen 1991 zur 1400-Jahr-Feier des Ortes. Ebenfalls in der Hauptstraße lebte der Lebensmittelhändler Leo Kahn, dessen Sohn Träger des Eisernen Kreuzes war. Weitere jüdische Geschäfte hat es in der Nähe des heutigen Gemeindehauses und in der Veldenzerstraße gegeben.

Altbürgermeister Fritz Fehres, der mit Hilfe von Lutz nach Namen ehemaliger jüdischer Mitbürger sucht, schätzt die Zahl der bis zum Zweiten Weltkrieg in Mülheim lebenden Familien auf um die zehn. Er selbst kann sich kaum an einzelne Personen erinnern. Er ist zwar 1939 geboren, aber seine Familie zog erst 1944 nach Mülheim.

Der Grundstein der jüdischen Gemeinde in Mülheim sei in Brauneberg zu finden, wo es eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof (der TV berichtete) gegeben habe. In Mülheim waren Geschäftsleute wie Metzger, Lebensmittelhändler, Schuh- und Textilverkäufer ansässig.