Erlesenes von Kröv bis Kesten

ZELTINGEN-RACHTIG. Großer Andrang bei der 44. Mittelmosel-Riesling-Weinprobe: Bei heißen Temperaturen hatten 460 Weinliebhaber im Festzelt Platz genommen und ließen sich 25 Weine von zwölf Weinbaugemeinden der Mittelmosel kredenzen.

"Wir kommen schon jahrelang hierher - das ist ein Muss." Die Aussage von Sylvia Kappes, der Rosemarie der "Zeltinger-Himmelreich"-Aufführung, ist wohl der Schlüssel für den Erfolg der Mittelmosel-Riesling-Weinprobe. Bei der 44. Auflage war das Interesse ungebrochen. 460 Gäste hatten trotz der enormen Temperaturen Platz genommen. Zu der Hitze meinte Horst Faust, Leiter der Fachstelle für Weinbau in Bernkastel: "Ich hab hier noch nie erlebt, dass es mal kalt war oder geregnet hätte."Selbst die als Fächer eingesetzten Tischkarten verschafften nur bedingt Abkühlung. Doch wo sonst könnten Liebhaber der Weine der Mittelmosel genüsslich testen und feststellen, "wie unterschiedlich die Lagen sind", wie Rosemarie erklärte."Beim Mosel lieber die Lieblichen"

Sie hatte den ersten der Weine, einen trockenen 2002er Zeltinger Himmelreich, als "sehr schwer" empfunden. Wie ihre Tischnachbarin Margit Ehses, die zu einem halbtrockenen Graacher Himmelreich Hochgewächs feststellte: "Den find ich sehr lecker - sehr erfrischend." "Mir sind die sympathischer als die Trockenen", stimmte Harry Ehses zu. Die Vielfalt sei bei Weinproben besser zu erkennen, meinte Ursula Bechtel. 25 erlesene Tropfen aus zwölf Weinbaugemeinden der Mittelmosel von Kesten bis Kröv wurden anlässlich der Zeltinger Weinkirmes gereicht. Einzige Ausnahmen der Jahrgänge 2001 und 2002 waren zwei Spätlesen: Ein 94er Lösnicher Försterlay und ein 2000er Ürziger Würzgarten, die etwa zur Halbzeit in die Gläser kamen.Spätestens da wurde klar, dass die Geschmäcker an den jeweiligen Tischen durchaus in verschiedene Richtungen tendierten. "Noch ist die Eins mein Favorit", gestand Gabi Mohsler. Worin sie von ihrem Gegenüber Norbert Struck bestätigt wurde: "Der erste war der beste." Während Tischnachbar Wolfgang Nolden eine eigene Meinung hatte: "Bei den Moselweinen trink ich lieber die Lieblichen." Doch wie auch immer - im Verlauf der gut zweistündigen Probe, die durch das Winzerlatein des hessischen Weinexperten Heinrich Grünewald belebt wurde, hatte keiner das Nachsehen.So konnten sich André Pingot, ein Besucher aus der Weinregion Chablis, und Harald Guggenmos in bester Stimmung den beiden Kabinett Kinheimer Hubertuslay und Zeltinger Schlossberg widmen."Es geht einfach ums Probieren"

"Die jetzt kommen, die Fruchtigen, mag ich am liebsten", gestand Guggenmos, der seit zehn Jahren Wahl-Zeltinger ist. Und während der Erdener Georg Schwaab ein Zeltinger Himmelreich Hochgewächs mit "sehr gut von der Blume her und vom Geschmack schön abgerundet", beurteilte, ging es am Nachbartisch einfach nur ums Probieren. "Wir kommen seit 40 Jahren nach Zeltingen", erzählten Elisabeth und Karl-Heinz Quint aus Wattenscheid, denen vor allem eine örtliche Sonnenuhr Auslese sehr gut gemundet hatte.