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Erneuerung von Hochspannungsleitung im Landkreis Bernkastel-Wittlich beschäftigt Bürger und Gremien

Erneuerung von Hochspannungsleitung im Landkreis Bernkastel-Wittlich beschäftigt Bürger und Gremien

Weil mehr Strom durch den Landkreis fließt, will der Netzbetreiber Amprion eine bestehende Hochspannungsleitung von 240 auf 380 Kilovolt ausbauen. Bürger melden sich bereits zu Wort und wünschen Umleitungen. Der Grund: Die bestehende Leitung führt stellenweise über Ortschaften.

Bernkastel-Wittlich. Der Netzbetreiber Amprion plant, die Hochspannungsleitung, die von Koblenz bis in die Eifel reicht und auch durch den Landkreis Bernkastel-Wittlich läuft, aufzurüsten.
Statt einer 240 Kilovolt-Leitung, sollen bald 380 Kilovolt durch den Landkreis fließen, damit zusätzliche Windenergie ins Netz gespeist werden kann und der Versorgungsbedarf der Deutschen Bahn gedeckt wird. Da auch die Trasse verbreitert werden muss - die neuen Masten sind 20 Meter höher und brauchen mehr Umfeld - ist ein Raumordnungsverfahren angelaufen. Dabei muss die Variante mit den geringsten Beeinträchtigungen für Mensch und Umwelt gewählt werden (der TV berichtete mehrfach).
Daraufhin meldete sich TV-Leser Thomas Hayer aus Bausendorf. Dort überspannt die alte Leitung auf einer Strecke von etwa einem Kilometer Wohnbebauung im Ort. Hayer: "Sollte man nicht die Gunst der Stunde nutzen und den Ort umgehen? Eine Trassenführung zwischen den Orten Bausendorf und Kinderbeuern über nicht bewohntem oder bebautem Gebiet würde die Leitung nicht einmal 500 Meter länger werden lassen. Dies sollte dem Netzbetreiber die Gesundheit der Betroffenen wert sein."
Hayer ist zudem verwundert, denn im Netzentwicklungsplan, der im Internet hinterlegt ist, sei zu lesen, dass das Projekt ohne Abweichungen von der bestehenden Trasse geplant sei. Der zusätzliche Trassenneubau betrage: null Kilometer.
Hans-Peter Heck, Ortsbürgermeister von Bausendorf erklärt auf TV-Nachfrage: "Es wäre wünschenswert, die Leitung, die über das Wohngebiet führt, umlegen zu lassen. Darüber wird auch im Rat nachgedacht."
Heck weist aber auch darauf hin, dass bei einer Umleitung andere Grundstücke betroffen sind. Dazu müssten mit den Besitzern Gespräche geführt werden.
Die Leitung läuft weiter über Neuerburg und Altrich Richtung Eifel. Und auch in Altrich steht das Thema auf der Gemeinderatssitzung am heutigen Donnertag.
Jörg Weber, Unternehmenssprecher von Amprion, erläutert, dass der Eintrag im Netzentwicklungsplan eine Standardroutine sei. "Im Netzentwicklungsplan wird in Fällen, in denen eine Leitung ausgebaut wird, immer null Kilometer eingetragen, da man grundsätzlich davon ausgeht, dass keine neue Leitung entsteht - die Leitung somit nicht länger wird."
Aber derzeit sei das Projekt, das voraussichtlich 2019 fertiggestellt sei, noch im Raumordnungsverfahren. Weber: "Dieses Verfahren weist uns entsprechende Korridore zu, in denen die Leitung gebaut werden kann". Das bedeute, dass durchaus Änderungen möglich seien, sofern das Verfahren diese verlange.
Erst nach dem anschließenden Planfeststellungsverfahren, in dem unter anderem die Gemeinderäte angehört werden und auch Bürger ihre Einwände einbringen können, kann schließlich gebaut werden.Meinung

Chance zur Nachbesserung
Noch ist das Stromleitungsprojekt in der Frühphase, und es werden noch etliche Monate verstreichen, bis das Raumordnungsverfahren abgeschlossen ist, die Planung eingereicht und letztendlich genehmigt wird. Und bis dahin bestehen immer wieder Möglichkeiten, die Planung in den zuständigen Gremien wie dem Ortsgemeinderat zu besprechen und darüber zu diskutieren. Außerdem können in einer späteren Phase auch einzelne Bürger Bedenken oder Änderungswünsche einreichen. Eine solche Anhörung und auch Berücksichtigung von Anliegerinteressen ist im Baurecht fest verankert.Deshalb ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit dem Projekt zu beschäftigen. Das ist eine Chance zur Nachbesserung. hp.linz@volksfreund.deExtra

Weil mehr Strom aus Windenergie in der Region erzeugt wird und transportiert werden muss, muss die bestehende Hochspannungsleitung von Koblenz bis Bitburg erneuert werden. Sie wird dann Strom mit einer Spannung von 380 Kilovolt transportieren können. Ein erster Abschnitt verläuft von Koblenz bis Pillig (Landkreis Mayen-Koblenz), der zweite von Pillig bis Wengerohr. Dabei werden bisher 40 Meter hohe Masten durch neue Masten mit einer Höhe von bis zu 60 Metern ersetzt. Die Schutzstreifen rechts und links der Trasse werden von jeweils 16 Metern auf 30 Meter Breite vergrößert. 2017 könnte der Bau frühestens losgehen, erklärt Jörg Weber von Amprion. Für den zweiten Abschnitt im Landkreis Bernkastel-Wittlich rechne man mit einer Dauer von etwa zwei Jahren. Eine Leitung könnte frühestens 2019 dort stehen. hpl