Erst denunziert, dann in Auschwitz ermordet

Erst denunziert, dann in Auschwitz ermordet

Das Schicksal von Otto Ermann beschäftigt den Historiker Franz Josef Schmit. Er hat neue Spuren des Wittlicher Fabrikanten gefunden, der Anfang 1943 in Auschwitz ermordet wurde.

Wittlich. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe in keiner Weise gefehlt. Ich habe als Jude getreu meiner bisherigen Gesinnung und meinem Wesen nur im deutschen Interesse gehandelt und bin auch jederzeit bereit, dies erneut unter Beweis zu stellen, denn ich will in Ehre und Achtung vor dem Lande, in dem ich geboren bin, jederzeit auch bestehen können. Dies ist und bleibt mein größter Stolz und mein höchstes Bestreben." Diese Sätze stehen am Ende des Lebenslaufes, den Otto Ermann, jüngster Sohn des Wittlicher Fabrikanten Salomon Ermann-Bach und dessen Ehefrau Gudella, bei seiner Aufnahme in das Zuchthaus Brandenburg-Görden am 23. April 1942 verfasst hat.
Der damals knapp 50-jährige frühere Mitinhaber der bereits "arisierten" Chemischen Fabrik Ermin in der Kalkturmstraße ist am 20. Mai 1940 in Holland verhaftet und zunächst in der Militärarrestanstalt Scheveningen festgesetzt worden.

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Seine Verhaftung im Mai 1940 führt er auf eine gezielte Denunziation zurück. Hintergrund: 1938 war er in das Visier der Geheimen Staatspolizei Essen geraten, die ihn verdächtigte, Geschäfte mit den deutschen Kriegsgegnern England und Frankreich zu betreiben. Er hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen und zu Protokoll gegeben, nur emit deutschen Firmen direkt und indirekt lebens- und kriegswichtige Waren vermittelt und beschafft zu haben.
Im Zuchthaus Brandenburg-Görden erwarten Ermann viele Schikanen. In Görden sind Tausende Regimegegner inhaftiert, mehr als 1800 werden seit 1940 bis Kriegsende hingerichtet, darunter viele Kommunisten, aber auch Katholiken. Im September wird er in den Kölner Klingelpütz (Gefängnis) überstellt. Vom 19. September 1940 bis zu seiner Verurteilung durch den "Volksgerichtshof" am 31. März 1942 sitzt Otto Ermann im Gefängnis Berlin-Moabit ein und wird schließlich zur Verbüßung seiner Reststrafe ins berüchtigte Brandenburger Zuchthaus Görden überstellt.
´Otto Ermann wird am 28. Dezember 1942 zunächst von Görden nach Siradsch/Polen deportiert. Einen Monat später endet sein Leben in Auschwitz-Birkenau. Zwei Monate später werden sein Bruder Alfred und seine Schwägerin Sibilla in Arnheim entdeckt, deportiert und in Sobibor ins Gas geschickt. Von seinen fünf Geschwistern überlebt nur Bruder Max., der noch rechtzeitig mit seiner Frau Martha und seiner Tochter Marion in die USA flüchten konnte.

Franz-Josef Schmit

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