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Erst die Rassel, später dann ein Instrument

Erst die Rassel, später dann ein Instrument

Neue Wege in der Nachwuchsförderung geht der Musikverein Irmenach-Beuren. Mit einer musikalischen Früherziehung und Notenlernen per Keyboard werden den Kindern erste Grundlagen beigebracht, bevor die Jungen und Mädchen im Grundschulalter erstmals zum Instrument greifen.

Irmenach. "Das ist eine Querflöte." Gleich mehrere Kinder melden sich, als Musiklehrer Klaus Behütuns-Steffens fragt, wie denn das lange silberne Instrument heißt. 13 Jungen und Mädchen im Grundschulalter sind bei der Veranstaltung des Musikvereins Irmenach-Beuren erschienen, um nach mehreren Jahren musikalischer Früherziehung zum ersten Mal Instrumente auszuprobieren. Nach der Vorstellung der Instrumente wird es schnell laut: Erste Töne aus Trompete, Posaune, Klarinette oder Saxofon erschallen im Betsaal des evangelischen Gemeindehauses neben der Kirche.
Im Vorfeld haben die Kinder bereits ab dem Kindergartenalter eine musikalische Früherziehung besucht und mit Schellenkranz und Rasseln die ersten Erfahrungen mit Klängen und Tönen gemacht. Anschließend lernen die Jungen und Mädchen ab sechs Jahren mit Hilfe eines Keyboards die ersten Noten kennen. Nach vier Jahren Vorbereitung können sie sich jetzt für ein Instrument entscheiden. Mehrere Kinder testen die Instrumente, ohne vorher an der musikalischen Früherziehung teilgenommen zu haben.
"Der Musikverein versucht so, Kinder für ein Instrument zu begeistern und sich frühzeitig Nachwuchs heranzuziehen", sagt der Vorsitzende Martin Kirst. Denn die Konkurrenz mit Handball und Jugendfeuerwehr in dem 730 Einwohner zählenden Hunsrückort ist groß. In dem 25 Musiker zählenden Orchester des MV sind lediglich zwei Jugendliche vertreten. Die Jugendgruppe besteht aus fünf Mitgliedern und ist nicht spielfähig. Lange habe man die Jugendarbeit vernachlässigt, jetzt will der Musikverein aufholen, sagt Kirst. Beim Konzept hat es sich als vorteilhaft erwiesen, die Kinder erst spielerisch über das Keyboard Noten lernen zu lassen, sagt Kirst. "Noten und ein Instrument gleichzeitig zu lernen ist für die Kinder schwer", sagt der Vorsitzende.
Die Eltern haben das Konzept des Musikvereins gut aufgenommen, sagt Kirst. Einige Jungen und Mädchen, die einen Ganztagskindergarten besuchen, gehen einmal die Woche statt des Kindergartens die musikalische Früherziehung. Sie wird weiterhin vom Musikverein angeboten, genauso wie der Keyboardkurs. "Wir wollen mittelfristig eine Jugendgruppe aufbauen", sagt Kirst. Den Kinder machen die ersten Versuche auf den Instrumenten offensichtlich viel Spaß. Die achtjährige Marie testet das Saxofon, hat sich aber noch nicht für ein Instrument entschieden. Die neunjährige Anna weiß auch noch nicht, was sie spielen will: "Ich probiere hier erst mal alles aus", sagt sie.