Erst erbleicht, dann neu gefasst: Mehr als Make-up fürs Türmchen in Wittlich

Erst erbleicht, dann neu gefasst: Mehr als Make-up fürs Türmchen in Wittlich

Wittlich Es ist mehr als 300 Jahre alt und schmückt Wittlichs Gebäude, das aktuell seinen 700. Geburtstag feiern kann: Am Schaftkreuz am Türmchen hat über die Jahrhunderte schon mancher ein Päuschen eingelegt und sich bekreuzigt. Seit 1703, wohl aus der Werkstatt Gebrüder Wolff, erhebt es sich heute über einem klitzekleinen Vorgarten an Wittlichs Überrest der Stadtbefestigung von 1317, dem kleinsten und ältesten Haus der Stadt alias Türmchen.


Zuletzt in verwaschenen Farben, dann plötzlich mit weißer Christusfigur. Auch die in die Fassade eingemauerte trauernde Muttergottes im Klausener Stil links daneben war im April plötzlich komplett erblasst und mit Pünktchen versehen (siehe Foto).
Mittlerweile ist sie wieder sandsteinfarben, das Kreuz prächtig coloriert. Was es mit den Farbverwandlungen am Wittlicher Wahrzeichen auf sich hat? Eigentümer der Uralt-Immobilie ist die Stadt Wittlich, und der Pressesprecher der Stadtverwaltung Jan Mußweiler erklärt auf TV-Nachfrage: "Die ,Pünktchen' sind durch erforderliche Untersuchungsschnitte mit dem Skalpell entstanden, um die ursprüngliche Farbfassung zu bestimmen. Die Arbeiten an der Pieta und dem Kreuz gehören zur Konservierung und Restaurierung der beiden Objekte." Voraussichtlich bis Ende dieser Woche solle das erledigt sein.
Auch im Gebäude hat man versucht herauszufinden, was die Originalfarbe einmal gewesen sein könnte. Das ist nicht ganz billig. Jan Mußweiler: "Die Kosten für die Farbfassungsuntersuchung, die Restaurierung des Wegekreuzes und des Reliefs der Klausener Madonna sowie die Farbuntersuchung des Innenraums im Erdgeschoss belaufen sich auf rund 10 500 Euro." Zum Vergleich: Zuletzt wurde 1991 das Kreuz für 17 500 D-Mark restauriert.
Aktuell begutachten wieder die Stadtflaneure die Fortschritte. So sagt ein älterer Herr: "Ich habe jetzt schon drei Mal hier Arbeiter gesehen. Was für ein Aufwand!" Renoviert wird ja auch nicht irgendwas. "Für die Arbeiten wurde am 5. August 2015 durch die Untere Denkmalschutzbehörde eine denkmalrechtliche Genehmigung erteilt.
Diese hat für die Angebotsanforderung entsprechende Kontaktdaten von verschiedenen Restauratoren empfohlen", erklärt Mußweiler und: "Vermutlich befindet sich die Pieta in Zweitverwendung an dieser Stelle. Ein genaues Alter konnte nicht bestimmt werden."
Und was ist mit dem von den Wittlichern geliebten Türmchen selbst? Wird der Jubilar gefeiert? Mußweiler: "Im Herbst soll das Türmchen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt, die Genehmigung auf Nutzungsänderung wird durch die Kreisverwaltung erteilt. Eine denkmalrechtliche Genehmigung zur Nutzungsänderung in ein ,Museum durch die Untere Denkmalschutzbehörde liegt bereits vor."

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