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Erst Schuhe, jetzt Tassen und Teller

Erst Schuhe, jetzt Tassen und Teller

Zuerst waren es Schuhe. Dann Klamotten. Jetzt sind es Teller, Tassen und Töpfe, die Connie Glitzenhirn und ihr Team für die Wohnungen von Flüchtlingen in der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach sammeln. Ihr Lager in der Rathausstraße 6 müssen die Helfer jetzt räumen.

Traben-Trarbach. Drei Damen wühlen geschäftig Tassen, Teller und Schüsseln in Kartons umher. Über ihnen hängt eine Glühbirne, die spärlich den kühlen Raum beleuchtet. Der befindet sich im zweiten Stockwerk eines Gebäudes in der Rathausstraße 6 in Traben-Trarbach. Unter den Frauen, die räumen, ist auch Connie Glitzenhirn.
Sie ist eigentlich die Inhaberin eines Fußpflegestudios in Wolf. Doch jetzt sortiert sie gespendetes Geschirr. Um das tun zu können, ist ihr Studio heute geschlossen. "Mittwoch ist immer mein Ruhe- und mein Ehrenamtstag", sagt sie.
In dem Haus, in der Rathausstraße 6, liegen verteilt auf drei Stockwerke unter anderem Spielzeuge, Weihnachtsdekoration, Bettwäsche, alles Spenden.
"Mit Schuhen fing es an", sagt Glitzenhirn. Vor einem Jahr habe sie angefangen Spenden zu sammeln, weil sie den Flüchtlingen, die nach Deutschland kamen, helfen wollte.
Zunächst hätten die Leute Schuhe vorbei gebracht, dann Klamotten und davon immer mehr. Weil sie so viele Spenden gehabt habe, sei sie auf die Suche nach Abnehmern gegangen und zunächst bei dem Willkommen Café in Traben-Trarbach gelandet. "Nach kurzer Zeit waren aber auch diese Räume zu klein."
Connie Glitzenhirn wendet sich an die Verbandsgemeindeverwaltung in Traben-Trarbach. Dort erfährt sie, dass vor allem Haushaltswaren gebraucht würden, weil die Verbandsgemeinde den Wohnraum für die Asylsuchenden stellen und diesen auch einrichten muss.
Außerdem, dass es ein Haus gibt, das derzeit leer steht, der Verbandsgemeinde gehört und bald abgerissen werden soll. Dort richten Glitzenhirn und ihre Helfer ein Lager ein, sammeln ab jetzt keine Klamotten mehr, sondern Haushaltswaren.
Kurz darauf gründet die 55-Jährige mit etwa 20 ehrenamtlichen Helfern im November 2015 Connies Haushaltswaren- und Wäschestübchen und kümmert sich fortan um die Einrichtung von Wohnungen, die Asylsuchenden von der Verbandsgemeinde zugeteilt werden. Begleitet wird das Projekt von der landesweiten Initiative "Ich bin dabei" (siehe Extra). "Immer wenn die Verbandsgemeinde uns gesagt hat, dass eine Wohnung eingerichtet werden muss, sind wir hin und haben das mit den gespendeten Haushaltswaren getan." Sie hätten bereits mehr als 20 Wohnungen und etwa fünf Häuser auf diese Weise eingerichtet und dort unter anderem Regale, Tische und Betten aufgebaut. "Oft haben wir erst kurz vorher erfahren, in welcher Wohnung Menschen untergebracht werden."
Das sei mit der Zeit für viele der Helfer zu anstrengend geworden. Von den ehemals 20 seien jetzt nur noch ein harter Kern übrig.
Umzug steht an


Im Dezember wolle die Verbandsgemeinde das Haus, in dem Connie Glitzenhirn und ihr Team die Spenden aufbewahren, abreisen. Aus diesem Grund räumen die Damen das Haus jetzt aus. Der dritte Stock ist bereits fast leer. Alles müsse jetzt in ein anderes Lager in die Schottstraße gebracht werden.
Um möglichst wenig hin und herräumen zu müssen, haben Glitzenhirn und ihr Team die Verantwortlichen von Schulen, Kindergärten und Menschen die bedürftig sind eingeladen, die für wenig Geld Haushaltswaren kaufen können. "Wir sind derzeit eine Tafel für Wohnungseinrichtung."
Der Fußpflegerin macht ihre Arbeit Spaß, weil sie sehe, wie sich die Leute freuten, wenn ihnen geholfen werde. Am Sonntag sei beispielsweise eine ältere Frau da gewesen, die froh gewesen sei, dass sie günstig Bettwäsche bekommen habe. Die hätte sie sich nicht leisten können. Außerdem hätte Glitzenhirn durch ihre Arbeit mitbekommen, wie eine Familie aus Afghanistan auf der Flucht getrennt und in Traben-Trarbach in einem Haus, dass sie und ihr Team eingerichtet hätten, wieder vereint worden sei. "Da freut man sich".
Während Connie Glitzenhirn das sagt, wird dann auch klar, warum sie und ihre zwei Freundinnen sich die Arbeit machen, Geschirr bei Kälte und spärlichem Licht in Kartons hin und herzuräumen.Extra

Die Ehrenamtsinitiative "Ich bin dabei" des Landes Rheinland-Pfalz soll vor allem ältere Menschen dazu bringen, ein Ehrenamt auszuüben. Die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach gehört zu einer von 17 Kommunen, darunter auch die VG Bernkastel-Kues, die an dem Projekt teilnehmen. Insgesamt gibt es derzeit acht Projektgruppen in der VG. grau