Erst zählen, dann reden

Wittlich · Es kommt Bewegung ins Wengerohrer Verkehrsthema: Bewohner des Wittlicher Stadtteils hatten sich darüber beschwert, dass zu viele Lastwagen durch Wengerohrer Straßen fahren. Nun reagiert die Stadt mit Verkehrszählungen und Tempomessungen. Nach der Auswertung soll nach Lösungen gesucht werden.

Wittlich. Weniger Lärm und weniger Abgase: Das hatten sich die Wengerohrer von der Ortsumgehung versprochen. Die wurde Ende 2011 fertig. Darauf hatten die Bürger mehr als 40 Jahre gewartet. Doch auch zweieinhalb Jahre nach Bauende klagen die Bewohner des Wittlicher Stadtteils darüber, dass zu viele Autos und vor allem LKW durch die Straßen brausen (der TV berichtete).130 Unterschriften gesammelt


Es gibt sogar eine Interessengemeinschaft (IG), die seit ihrer Gründung im November vergangenen Jahres 130 Unterschriften gesammelt hat. Sie hat die Listen und Lösungsvorschläge an die Stadt geschickt. "Beschwerden von Einzelpersonen gab es schon lang", sagt IG-Sprecher Jochen Platz. Erst mit der IG-Gründung kam mehr Bewegung in die Sache.
Auch der Wittlicher Hans-Günther Heinz, ehemaliger Vizepräsident des Landtags Rheinland-Pfalz, machte sich mit Schreiben an den Landesbetrieb Mobilität und Bürgermeister Joachim Rodenkirch dafür stark, dass dieses Thema "endlich bei Stadt und Kreis behandelt wird".

Die Situation: Vor allem genervt sind die Wengerohrer von den Lastwagen, die auf unerlaubten Wegen durch den Stadtteil brummen. So beobachten die IG-Mitglieder häufig, dass LKW aus Richtung Bernkasteler Straße nicht an der Kreuzung Bahnhof-/Eifelstraße (L 54) in die Eifelstraße abbiegen, sondern weiter über die Bahnhof- und dann die Werkstraße Richtung Industriegebiet fahren. Dies dürfen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen allerdings nicht. In der Bahnhofstraße (nach der Abzweigung an der Kreuzung mit der L 54) hänge ein Schild mit der Aufschrift "Lieferverkehr frei", sagt Leo Becker von der IG. Allerdings beziehe sich dies nur auf Lieferadressen in der Bahnhofstraße, nicht etwa auf welche im Industriegebiet. LKW-Fahrer würden dies ignorieren und trotzdem weiterfahren.
Verwirrende Hinweise gebe es außerdem in der Belinger Straße. Kommen LKW (über 3,5 Tonnen) aus Richtung Bombogen über die L 54, dürfen diese nicht nach links in die Belinger Straße abbiegen. In der Straße selbst allerdings stehe dann ein Schild "Lieferverkehr frei", so Becker. Rainer Stöckicht von der Stadtverwaltung erklärt, dies bedeute, dass Lieferverkehr "bis in die Industriegebiete Wengerohr und Wengerohr-Süd frei" sei.

Die Forderung: Auch Wengerohrs Ortsvorsteher Theodor Brock kennt die Probleme. Und eine mögliche Lösung: "Am besten wäre es, dass die Leute die Ortsumgehung annehmen. Der Verkehr soll raus aus Wengerohr. Was möglich ist, soll gemacht werden."
So radikal sieht es die IG nicht: "Für den PKW-Verkehr wollen wir keine Straße sperren. Unser Problem sind die LKW-Fahrer." Und die könnten die Industriegebiete problemlos über die Dr.-Oetker-Straße erreichen, so dass kein Lastwagen mit Ziel Industriegebiet mehr durch den Stadtteil fahren müsste, wie Platz sagt. "Belinger- und Bahnhofstraße waren früher Kreisstraßen, sie wurden zu Gemeindestraßen herabgestuft." Dies bedeute für die Anwohner, dass - müssen die Straßen saniert werden - die Kosten für Anlieger höher werden. Und durch den LKW-Verkehr würden die Schäden immer größer.

Das sagt die Stadt: Die Stadt will nun erst einmal die Situation überprüfen, bevor dann Lösungen ausgearbeitet werden. Das habe ein Gespräch zwischen Stadtverwaltung, Kreisverwaltung, Landesbetrieb Mobilität und Polizeiinspektion Wittlich ergeben. Es werden laut Rainer Stöckicht zunächst "Verkehrsmessungen und -zählungen zeitnah durchgeführt, anschließend ausgewertet und beurteilt". Sei dies geschehen, gäbe es ein erneutes Gespräch. "Gerne würden wir dies noch im Juni dieses Jahres tun", so Stöckicht.

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