Erste Bilanz von Sturmschäden im Kreis Bernkastel-Wittlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Forstwirtschaft : Keine Ruhe vor dem nächsten Sturm

Noch sind die Schäden in den Wäldern durch das Tief Sabine nicht bilanziert, da rückt bereits der nächste Sturm an. Vor allem im Hunsrück fürchtet man ein neues Unwetter, das Meteorologen für Sonntag vorhergesagt haben. Die anderen Forstämter im Kreis waren weniger betroffen.

Vier Tage nach Sturmtief Sabine ziehen die Forstamtsleiter im Kreis Bernkastel-Wittlich auf Nachfrage des Volksfreunds eine erste Bilanz. Mit mindestens 35 000 Festmeter Schadholz rechnet Gerd Womelsdorf, als Leiter des Forstamtes Idarwald unter anderem für die Gemeinde Morbach mit ihrem Eigenbetrieb Forst zuständig, derzeit „mit aller Vorsicht und ohne Gewähr“. Denn derzeit sind die Recherchen in den einzelnen Revieren noch zugange. Die Mitarbeiter müssten dafür alle Waldbestände durchlaufen, und das verbiete sich im Hunsrück momentan allein aus Gründen der Arbeitssicherheit.

Und: Häufig würden nach einem Sturm noch größere Mengen Bäume „nachfallen“, weil viele schon angeschoben seien. Beim nächsten Sturm sei es dann so weit. Und der folgt bereits am Sonntag. Auch wenn dieser nicht mit der selben Wucht komme, erwarte er ihn mit Sorge. „Die weitaus am stärksten betroffene Baumart ist die Fichte“, schildert Womelsdorf weiter – mit rund 98 Prozent. In den Höhenlagen seines Forstamtes, wo Tief Sabine besonders „gepfiffen“ habe, ist sie zum einen die häufigste Baumart. Als Flachwurzler sei sie zum anderen besonders windwurfgefährdet, „insbesondere in der jetzigen Situation, wo nach tagelangen Niederschlägen die Böden wassergesättigt sind“.

Auch bei anderen Baumarten gebe es Verluste, allerdings in weitaus geringerem Ausmaß. Von den Waldbesitzern sei im Idarwald das Land mit 25 000 Festmetern „am stärksten betroffen“, auch wegen seiner Lage in den größeren Höhen und seiner im vergangenen Jahr besonders starken Borkenkäfer-Schäden. Der gefräßige Schädling liebe Windwurf-Holz und ziehe es dem gesunder Bäume vor. Es müsse bis Mai, Juni weg sein. Nicht nur im Wald bereiten die Sturmschäden Probleme, sondern auch auf dem Holzmarkt. In den vergangenen ein­einhalb Jahren sind die Preise stark gefallen. Ende 2019 lagen sie laut Womelsdorf bei maximal der Hälfte dessen, was die Waldbesitzer vor rund zwei Jahren für ihr Fichtenholz bekamen. Gerade seien die Preise dabei gewesen, sich etwas zu erholen. Da mache der Windwurf den Eigentümern einen Strich durch die Rechnung, fürchtet Womelsdorf. Es werde aus seiner Sicht besonders darauf ankommen, einen Teil des Holzes in Nasslagern oder Folienverpackungen zu konservieren.

Im Forstamt Traben-Trarbach sieht die Situation besser aus. „Die ersten noch groben Mengenschätzungen ergeben eine Schadholzmenge von rund 6000 Festmeter“, sagt Franz-Josef Sprute, Amtsleiter in Traben-Trarbach. Allerdings: Noch werde der genaue Schadensumfang in den Revieren ermittelt. Was der Fachmann schon weiß: Ähnlich wie im Hunsrück ist die Fichte dort mit 95 Prozent der am meisten betroffene Baum. Im Vergleich zu Vivien und Wiebke (1990), Kyrill (2007) und Xynthia (2010) sei die Schadholzmenge mit zehn bis 20 Prozent allerdings vergleichsweise gering. Große Flächenwürfe wie bei anderen starken Stürmen habe es nicht gegeben. Die Schadholzmenge entspreche etwa zehn Prozent der „normalen, planmäßigen Einschlagsmenge“. Auch er sieht die Sturmschäden im Zusammenhang mit dem gefräßigen Borkenkäfer und dem Klima. Aufgrund der „extrem trockenen Witterung in den Jahren 2018 und 2019“ habe man es derzeit mit einer massiven Vermehrung der Tiere zu tun. Es sei wichtig, dass das Holz zügig aufgearbeitet und abgefahren werde.

Im Wittlicher Forstamt sind die Schäden vom Ausmaß her gering im Vergleich etwa zu denen von 2019, die durch die Trockenheit und die Borkenkäfer-Massenvermehrungen verursacht wurden, erklärt Ulrich Frömsdorf vom Wittlicher Forstamt. Die ersten Schätzungen der Revierförster, was die jüngsten Sturmschäden angeht, belaufen sich auf rund 2000 Festmeter Fichtenholz. Meist seien einzelne Bäume oder Baumgruppen entwurzelt worden. Dabei „wurden die Wälder in den höheren Lagen stärker getroffen als etwa in der Wittlicher Senke“.

Was die Revierförster und ihre Teams zu tun haben, ist für Frömsdorf klar: Zunächst werden die Windbruch-Bäume in der Nähe von Straßen aus Gründen der Verkehrssicherheit aufgearbeitet. Dann werden die Mitarbeiter alle Fichtenbestände „durchprüfen und jeden Windwurfbaum und jeden Käferbaum im Gemeindewald und im landeseigenen Wald aufarbeiten“, um Borkenkäferschäden einzudämmen. Dass was sie selbst tun, „das raten wir allen privaten Waldbesitzern und gerade auch den Privatpersonen, die eine oder mehrere Fichtenparzellen besitzen“.

Und ganz wichtig für Waldbesucher: „Für die kommenden Tage mit Sturm-Wetterlage müssen wir vom Waldbesuch aus Sicherheitsgründen abraten.“ Einen geplanten Waldspaziergang solle man lieber in die offene Landschaft verlegen. Auch vom Radfahren im Wald rät er ab.

Rund 12 000 Festmeter Holz sind in dieser Woche im Bereich des Forstamtes Hochwald gefallen. Dies entspricht laut Forstamtschef Thomas Vanck etwa zehn Prozent der Menge, die pro Jahr geplant eingeschlagen werden sollen. Von der Menge her sei das ungefähr so groß wie der Schaden, den Sturm Eberhard 2019 angerichtet hatte. Es seien überwiegend einzelne Bäume geworfen worden, schildert Vanck. Größere Windwurfflächen seien die Ausnahme. Das macht die Aufarbeitung des Schadholzes „sehr aufwendig“.

Auch für die kommenden Tage sei sehr windiges bis stürmisches Wetter angekündigt. Das Tief heißt Victoria. Was das für das Forstamt Hochwald für Konsequenzen habe, weiß er nicht. „Ob weitere Bäume in größerer Zahl umgeworfen werden, hängt davon ab, wie ausgeprägt die Auswirkungen der Tiefdruckgebiete in unserer Region sein werden.“