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Erste Gehversuche in einer fremden Sprache

Erste Gehversuche in einer fremden Sprache

Viele Kinder lernen in der Grundschule erste Wörter und Sätze in anderen Sprachen. In der VG Thalfang und der EG Morbach werden nur einzelne Klassen in Französisch unterrichtet. Alle anderen gehen aber auch nicht leer aus.

Morscheid-Riedenburg. Neugierig betreten die Erstklässler der Blandine-Merten-Grundschule den Raum, in dem Thomas Colin sie schon erwartet. Ein schüchternes "Bonjour" ruft ihm ein Mädchen entgegen, das der Franzose mit einem Lächeln erwidert. Denn Französisch ist das Thema dieser Stunde. Deutsche Worte fallen so gut wie gar nicht. Die Jungen und Mädchen des ersten Schuljahres haben bei ihrer Lehrerin und Schulleiterin Ruth Haubert bereits erste französische Vokabeln gelernt. Und wo die Sprachkenntnisse der Erstklässler nicht reichen, nimmt Colin Hände und Füße zu Hilfe. Im Spiel lernen die Kinder, sich auszudrücken, wie es ihnen geht. Ça va bien, wenn es gut ist. Ça va mal, wenn es ihnen schlecht geht. Und bofbof für so lala. Colin begeistert die Kinder mit viel körperlichem Einsatz. À gauche für links, à droite für rechts, en bas für unten, en haut für oben, jeweils verbunden mit entsprechenden Bewegungen. Den Kinden macht es sichtlich Spaß.
Der sechs Jahre alte Mika hat nach der Stunde mit Colin jetzt die französischen Wörter à gauche und à droite behalten. Und Sophie hat das Spiel mit der Frage comment ça va?, das je nach Antwort mit Platzwechseln der Schüler verbunden war, gut gefallen. Colin, Lektor beim Francemobil, einer Initiative des Deutsch-französischen Jugendwerks und des Institut francais Deutschland, ist auf Einladung von Schulleiterin Ruth Haubert in die Grundschule Morscheid gekommen. Das gemeinsame Ziel: Die Jungen und Mädchen sollen für die französische Sprache und Kultur sensibilisiert werden.
Zwar ist eine Stunde Fremdsprachenunterricht pro Woche in den Lehrplänen der Grundschulen vorgeschrieben. Doch wird dort meist Englisch gelehrt.
Dabei wirbt Haubert dafür, dass zuerst Französisch unterrichtet wird. Denn romanische Sprachen seien gegenüber anderen germanischen Sprachen wie Englisch schwerer zu lernen. "Gerade deswegen sollte man mit einer romanischen Sprache früher beginnen", sagt sie.
Andernfalls müssten die Kinder während ihrer Schulzeit die schwierigere Sprache in kürzerer Zeit lernen, was mit Misserfolgen für die Schüler enden könne, so dass diese Französisch so schnell wie möglich wieder abwählten. Je jünger die Lernenden seien, desto leichter falle es ihnen, andere Laute, Akzente und Sprachmelodien nachzuahmen.
Doch die erste Klasse der Blandine-Merten-Grundschule ist eine der wenigen Klassen in der Einheitsgemeinde Morbach und der Verbandsgemeinde Thalfang, in denen die Kinder Französisch lernen. Überwiegend wird Englisch unterrichtet, da es nur wenige Grundschullehrer gibt, die in Französisch fit sind und eine entsprechende Lehrbefugnis haben.
So auch in der Blandine-Merten-Grundschule, in der Haubert die einzige Lehrkraft ist, die Französisch unterrichtet. Ein Wechsel in den Sprachen ist nicht vorgesehen. So werden lediglich die Kinder von Hauberts Klasse im Gegensatz zu den Jungen und Mädchen in den anderen Klassen bis zum vierten Schuljahr Französisch lernen. Und dies offenbar mit Spaß und Erfolg: "Ich kann schon die Zahlen bis 20 in Französisch", sagt die sechs Jahre alte Sophie.
SPRACHUNTERRICHT AN GRUNDSCHULEN


Extra

Grundschule Morbach: An der größten Grundschule des Landkreises werden alle Kinder durchgehend in Englisch unterrichtet. Grundschule Thalfang: Zwei Lehrkräfte unterrichten ihre Schüler in Französisch. In sechs der acht Klassen wird Englisch gelehrt. Grundschule Morscheid: Eine Klasse lernt Französisch, die Schüler der anderen drei Jahrgänge werden in Englisch unterrichtet. Grundschulen Haag und Heidenburg: Alle Kinder lernen bis zur vierten Klasse Englisch. Die Malborner Grundschule hat der TV leider nicht erreicht.