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erste Klimaschutzkonferenz der Stadt Wittlich

Klimaschutz : Wittlicher Klimakonferenz: Bürger reden mit und erarbeiten viele Vorschläge

Klimaschutz soll auch in Wittlich ankommen. Deshalb hat die Stadt zur Klimakonferenz eingeladen. 70 Bürger sind gekommen und haben über Erneuerbare Energien, Umwelt und Natur, Bildung und Konsum, private Haushalte und Mobilität diskutiert.

Allen Beteiligten ist klar, dass Klimaschutz nicht nur ein globales, deutschland- oder landesweites Thema ist, sondern sich das Thema auch auf lokaler Ebene wiederfinden muss. Daher wurde bei der Klimakonferenz sachlich und trotzdem mit Nachdruck und Leidenschaft an fünf großen Tischen darüber gesprochen, was in Wittlich in Sachen Klimaschutz gut ist, was man sich wünschen würde und wie man es auch umsetzen könnte. Zum Einstieg gab es eine Übersicht über die Klimadaten der Säubrennerstadt. Dabei hat sich bei einer Energiebilanz gezeigt, dass die Industrie für die Hälfte der Emissionen verantwortlich ist. Für weitere 23 Prozent sind der Verkehr, für 20 Prozent private Haushalte, acht Prozent Gewerbe und ein Prozent Liegenschaften verantwortlich. Die pro Kopf Emission beträgt 11,7 Tonnen im Jahr. In Deutschland liegt dieser Wert bei 9,7 Tonnen pro Jahr und in Rheinland-Pfalz bei 6,5 Tonnen. „Durch den Industriestandort kommt dieser höhere Wert für Wittlich zustande“, erklärt Jens Frank von der IfaS, dem Institut für angewandte Stoffstrommanagement am Umweltcampus Birkenfeld, der die Zahlen für Wittlich vorstellte.

Vitelliusbad und Bebbaungspläne in der Kritik

Dann ging es für die Teilnehmer der Klimakonferenz an die Tische, an denen in einem ersten Schritt „gemeckert“ werden durfte. Bei den „Erneuerbaren Energien“ ging es etwa darum, dass sie beim Neubau des Vitelliusbads nicht genügend berücksichtigt worden seien. Auch die Bau- und Gewerbegebiete hätten in den Bebauungsplänen zu wenige Auflagen, um Erneuerbare Energien zu fördern. Einer der Teilnehmer merkte an, dass es am effizientesten wäre, wenn man bei dem Sektor Industrie ansetzen würde, der schließlich die meisten Emissionen ausstoße. Auch das Potenzial der Dachflächen von Wohn- und Industriegebäuden würde zu wenig genutzt.

Am „Umwelt- und Naturtisch“ ging es unter anderem um, die Außenbeleuchtung, die man ab einer gewissen Uhrzeit abschalten könne. Man zeigte sich um den Waldschutz besorgt, weil sehr viel Holz aus dem Wald gefahren würde. „Mehr Mut der Stadtratsmitglieder bei Innovationen“ stand auf einem anderen Zettel. Die Parkplätze waren ebenfalls Thema. Dort seien mehr Bäume wünschenswert oder begrünte Dächer über den Autostellplätzen. Weitere Anregungen: Insektenhotels auf Spielplätzen und alle Straßen zu Baumalleen umzugestalten.

Ideen für die Innenstadt

Die Radwege zu verbessern, ein Parkleitsystem und das mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichende Sportzentrum wurden in der Gruppe „Mobilität“ angesprochen. Fahrgemeinschafen, eine 30 Stundenkilometerzone in der Innenstadt und E-Busse waren weitere Wünsche.

„Es wurden sehr viele Themen angerissen, aber man konnte nicht alles vertiefen, etwa das Car-Sharing“, sagt Stefanie Regnery, die aber trotzdem gut findet, dass die Bevölkerung eingebunden und das Thema Klimaschutz in Wittlich diskutiert wird.

In den „Privathaushalten“ waren mehr Dachbegrünungen, Regenwassernutzung und Ideen zu Energie-Spartipps in der „Rathauszeitung“ einige angesprochene Punkte.

Bei den Teilnehmern des Themenkomplexes „Bildung und Konsens“ entstand die Ideen, Informationen zum Klimaschutz in verschiedenen Sprachen zu veröffentlichen, mehr Termine bei Energieberatern zu organisieren, mehr regionale Produkte in der Innenstadt anzubieten und mehr Dreck-Weg Tage zu initiieren.

Die Ideen zu den Themenbereichen kamen aus der Bevölkerung. Die Stadt hatte auf Anregung des Klimamanager Johannes Praeder eine „Mitmach-Postkarte“ per Post und digital verteilt. Aus den 210 Rückmeldungen haben sich diese Schwerpunkte herauskristallisiert.

Stadtrat wird im März 2023 Klimaschutzkonzept verabschieden

Nach der Vorstellung der Ergebnisse der verschiedenen Bereiche will die Stadt in den kommenden Monaten noch tiefer in die Themen einsteigen und spezielle Workshops anbieten, beispielsweise zur Bauleitplanung, an der Bürger teilnehmen sollen. Spezielle Veranstaltungen für Jugendliche, die bei der Klimakonferenz nicht vertreten waren, sollen organisiert werden.

Im März 2023 wird der Stadtrat dann ein Klimaschutzkonzept verabschieden, indem die Ergebnisse des Klimagipfels, Gespräche mit Kitas und Grundschulen und eines Verwaltungsworkshops einfließen. Kurzfristig Umsetzbares wie Gespräche mit der Industrie, Informationsabende oder ein Klimastammtisch will Klimaschutzmanager Johannes Praeder zeitnah auf den Weg bringen.