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Erstes "Erzählcafé" macht Lust auf mehr

Erstes "Erzählcafé" macht Lust auf mehr

TRABEN-TRARBACH. Im Jahr 2005 wurde der Seniorenbeirat der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach gegründet, und dessen elf Mitglieder hatten jetzt eine hervorragende Idee: Sie luden die Senioren zum ersten "Erzählcafé" ins Stadthaus "Alter Bahnhof" ein. Bei Kaffee und Kuchen bot Werner Arbogast mit seinen heiteren Mosel-Stückelcher kurzweilige Unterhaltung.

"Mit so vielen Leuten haben wir gar nicht gerechnet", sagte Holger Rousselange, als er weitere Stühle heranschaffte. Mehr als 50 Bürger hatten sich eingefunden, darunter auch Bewohner des Ida-Becker-Hauses, die sich besonders darüber freuten, einen unterhaltsamen Nachmittag außerhalb des Altenwohnzentrums verleben zu können. Der in Traben-Trarbach aufgewachsene und heute in Ediger-Eller lebende Werner Arbogast war vielen noch von früher her vertraut, als der einstige Lausebengel bei Schlachter Imig in die Lehre ging. Er machte seinen Meister, arbeitete als Finanzbeamter und wurde Lehrer, nachdem er sein Abitur nachgeholt hatte. 2005 brachte er 68 Mosel-Stückelcher unter dem Titel "Im Fluppes liegt Wahrheit" heraus, denen ein Riesenerfolg nicht nur am Fluss, sondern auch im fernen Ausland bei dort lebenden Moselanern beschieden war. Im vergangenen Jahr erschienen weitere Geschichten unter dem Titel "In Vino Veritas". Die Mitglieder des Seniorenbeirates hatten köstliche Kuchen und Torten gebacken, und Gerda Grube war erfreut, dass sie so viele Gäste an diesem Nachmittag begrüßen konnte. Freude auch bei Werner Arbogast über die Einladung nach Traben-Trarbach. Er berichtete aus seinem Leben und wie er die heiteren und nachdenklichen Episoden, die sich in den vergangenen Jahrzehnten an der Mosel ereignet haben, zusammengetragen hat. Als er dann im moderaten Platt ("Hochdeutsch mit Streifen, wenn ich so richtig platt schwätze, versteht das nicht jeder", so Arbogast) seine Stückelcher vortrug, hatte er die volle Aufmerksamkeit der Senioren. Herzhaft durfte gelacht werden, Kaffee und Kuchen schmeckten hervorragend, und es blieb auch genug Zeit für ein Schwätzchen mit den Tischnachbarn. Mit zehn Mosel-Stückelchern erfreute Arbogast die Gäste, zum Teil erzählte er sie auch frei, und viel Beifall gab es für jeden einzelnen Vortrag. Immer wieder Kopfnicken bei den Senioren, wenn altbekannte Namen fielen, die in Arbogasts Geschichten auftauchten. Feines Fräulein will "Popo-Soße"

So auch Kaufmann Spoo, der in der Moselstraße seinen Laden hatte und eines Tages ein feines Fräulein aus hochherrschaftlichem Hause als Kundin begrüßen konnte. Etwas zögerlich und leicht errötend verlangte sie "Popo-Soße" und erläuterte dem irritierten Herrn Spoo, dass das ein Käse sei. Der gewitzte Kaufmann hatte sofort verstanden, was das feine Fräulein begehrte, nämlich "Fromage de Brie". Schallendes Gelächter, als Werner Arbogast anmerkte: "Hätte das Fräulein sich in schnellem Platt geäußert: Vom Arsch de Brie (Brühe), wäre ihr diese Peinlichkeit erspart geblieben". Alfred Hüls vom Seniorenbeirat lobte den Vortragenden für den interessanten Nachmittag, und Werner Arbogast fand die Idee mit dem Erzählcafé eine "tolle Sache". Dank vieler fleißiger Hände verlief die Kaffeestunde reibungslos und weitere Erzählcafés, auch in anderen Orten der Verbandsgemeinde, sollen demnächst die Senioren erfreuen.